Archive for März, 2026

Ostern – ein Fest des Besinnens

Warnhinweis:

Die in diesem Blog verlinkten Bilder und Videos können bei emotional schwachen Lesern zu Verstörungen führen!

In der Bibel heisst es so schön: „Am Anfang war das Licht…!“ Doch kann auch der grösste Philosoph und (Über-)Lebensgrübler mit nur einer Frage aus dem Gleichgewicht gebracht werden: „Was kam denn nun zuerst – die Henne oder das Ei?“ Eine Beantwortung der Frage ist nur mit religiösem Hintergrund machbar! Dadurch nämlich wird die komplette Evolution in Frage gestellt! Apropos Eier – da sind wir auch schon beim Thema.

Das Ei ist tatsächlich ein Wunderwerk der Natur. Ausgestattet mit bereits allen Merkmalen, die das spätere Leben prägen und bei all jenen Spezies, die ausbrüten, auch mit dem, was der Nachwuchs bis zum Schlüpfen an Nahrung braucht. Ausserdem freut sich der Esser – in unserem Kultur-kreis der Esser der Konsumeier – ist das Ei doch sehr gesund, da es auf-grund dieser vielfältigen Inhaltsstoffe zu den nährstoffreichsten Lebens-mitteln zählt. Sehr viele Gerichte in der heimischen Küche sind ohne Eier gar nicht vorstellbar. Ferner gehört für nicht wenige Leser dieser Zeilen sicherlich ein weich- oder hartgekochtes Ei zum Sonntagsfrühstück, wie für manch andere der Kaffee oder die Zeitung. Dies macht das Ei in unseren Haushalten auch so beliebt.

Im Jahr 2025 wurden alleine in deutschen Landen nicht weniger als 13,7 Milliarden Eier „produziert“ – ein Plus von 0,5 % im Vergleich zu 2024 (das sind unglaubliche 304 Eier pro Legehenne im Jahr!). Doch dies reichte bei weitem nicht aus, schliesslich lag der Inlandsverbrauch bei 21 Milliarden Stück. 7,3 Milliarden Stück mussten somit als Ei oder in Form von Eierprodukten ins Land geholt werden. Zieht man die Exporte in der Höhe von 1,45 Mrd (2024) ab, so bleiben trotzdem noch mehrere Milliarden importierter Eier über. Unglaubliche Zahlen! Im laufenden Jahr allerdings sollten diese zugunsten des Exports verschoben werden, da in vielen Ländern aufgrund der Vogelgrippe hoher Eierbedarf besteht. Hier haben die Eierpreise eklatant zugelegt. Pro Kopf wurden 2026 nicht weniger als 252 Eier verbraucht – 2010 waren es noch 214. Ob als Frühstücksei, Spiegel- oder Rührei, im Kuchen oder den Nudeln. (Zahlenquellen: Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung BLE und Marktinfo Eier und Geflügel MEG).

Die Zahlen für Österreich 2024 (trotz umfangreicher Recherche konnte ich keine Zahlen für das letzte Jahr finden): 7,4 Mio Legehennen, rund 2,2 Mrd. Eier, deckt den Bedarf zu 95 %, Pro-Kopf-Verbrauch von 250 Eiern, Import von Eiern und Eiprodukten 26.599 t (Quelle: Agrarmarkt Austria).

Ein Ei kann bei richtiger Lagerung bis zu vier Wochen haltbar sein. Kühl-schrank ist dabei nicht unbedingt erforderlich – wichtig sind gleich-bleibende Temperaturen und die Lagerung mit der Spitze nach unten. In Europa werden fast ausschliesslich Konsumeier gegessen – in anderen Regionen dieser Erde ist dies nicht unbedingt der Fall. Konsumeier werden nicht vom Hahn befruchtet. Hühner legen ab einem Alter von fünf Monaten ohnedies Eier – egal ob eine Begattung stattfindet oder nicht. So werden dies im Jahr rund 280 Eier sein – mit einem Normalgewicht von 50 bis 70 Gramm pro Stück (im Jahr in etwa das Zehnfache des Körpergewichtes des Huhns). Zum Ende des Jahres beginnt die Mauser, die Henne verliert ihr Federkleid und stellt die Eierproduktion ein. Jetzt werden Kraftreserven getankt. In der zweiten Legeperiode sind die Eier dann meist grösser als im Jahr zuvor. Doch erleben viele dieser Hennen keine zweite Legeperiode – sie werden ausgestallt. In diesem Video ein konsumententaugliches Verladen von Puten – nicht von Hühnern!

Dass es auch anders war (hoffentlich nicht mehr ist), zeigt dieses Video von Animal Aid aus dem Jahr 2015.

Legebatterien darf es offiziell in Deutschland und Österreich nicht mehr geben. Dies verbietet beispielsweise im Alpenstaat die „Tierhaltungs-verordnung“ (http://www.ris.bka.gv.at/bundesrecht/, in die Suchmaske „Tierhaltungsverordnung“ eingeben).

Doch: Weiss jeder wirklich genau, woher die bunt-gefärbten Ostereier stammen??? Oder jene Eier, die in der industriellen Produktion von Eierprodukten wie auch der Mayonnaise gebraucht werden? Dies sind zumeist die Billigimporte aus jenen Ländern, in welchen noch Legebatterien erlaubt sind. Schon hier eröffnet sich mir die Frage: Tiere als reine Produktionsmaschinen? Schande über den Menschen! Auch wenn sich durch das Verbot der Käfighaltung vieles gebessert haben soll. so gibt es nach wie vor grosse Missstände. Beispielsweise hat sich die „Fleischproduktion“ an die Fast-Food-Gewohnheiten der Menschen angepasst: Tiere werden nur so lange gehalten, als sie den höchsten Ertrag erzielen, dann haben sie ihr Leben verwirkt! Zuvor bereits werden sie für ihre spätere Bestimmung gezüchtet. Sollten Sie also kleine Eier im Osternestchen vorfinden, so können sie von Massentierhaltung und Massenproduktion ausgehen. Das Huhn, das das Ei gelegt hat, gibt es vielleicht schon gar nicht mehr. Grosse Eier kommen meist vom Bauern-hof von nebenan, wo vielen der Tieren unter Umständen doch noch ein zweites Jahr gegönnt wird. Und vielleicht auch Auslauf im Freigehege, denn das Gros dieser Legehennen wird zwar inzwischen am Boden gehalten, sie sehen jedoch niemals Tageslicht und vegetieren trotzdem zwischen den Kadavern ihrer Leidensgenossinnen, die diesen Horror nicht überlebt haben.

Doch ist dies noch lange nicht alles: Gebraucht werden Hennen und nur ganz wenige Hähne. Die Hennen sollen die Eier für die beiden Haupt-Saisonen Weihnachten (Keks-und Kuchen-Leckereien) und Ostern „produzieren“. Die wenigen Hähne müssen befruchten – also Küken „produzieren“. Dabei besagt eine Daumerregel: Ein Hahn für sieben Hühner! Ein fatales Verhältnis! Nach Angaben der Tierschutzorganisation PETA werden jährlich nach dem sog. „Sexen“ (also dem Trennen von Männlein und Weiblein – letzteren wird dabei der Schnabel gekürzt) nicht weniger als 50 Mio männliche Eintagsküken, aber auch Überschussküken vergast, lebendig geschreddert oder bereits im Ei getötet werden. Sie können auch nicht als Mast-Hahn herangezogen werden, da diese Hühner einen ausgeprägten Brustmuskel haben sollten. Dies ist bei Hähnen nicht möglich.

https://www.facebook.com/watch/?v=10160161011635564

Das Vergasen und Schreddern der Kücken ist in Deutschland seit 2022 verboten, in Österreich seit 2023. Da das Schreddern am lebendigen Leib als rasche Tötung angesehen wird, wurde dies lange Zeit lang als bessere Tötungsmethode angesehen. Und im Ei? Am siebten Bebrütungstag entwickelt sich beim Embryo das Schmerzempfinden. Deshalb sind beispielsweise bei dieser Methode in Österreich Betäubungsmassnahmen vorher durchzuführen. Wie diese auszusehen haben, ist jedoch nicht im Gesetz beschrieben! Viele Betriebe haben sich jedoch inzwischen dafür entschieden, die Kücken in jenen Ländern töten zu lassen, wo dies noch erlaubt ist.

Hühner haben ihren Brutinstinkt aufgrund der Spezialisierung komplett abgelegt – in den Vermehrungsbetrieben erfolgt die Brut künstlich. Dadurch fallen auch keine Hennen mehr für die Eierproduktion aus – der Gewinn kann maximiert werden!!! Auch die Legehennen (vornehmlich hochleistungsgezüchtete Hybridhühner) erwartet ein zumeist schreck-liches Ende. Völlig ausgemergelt werden sie nach einem Jahr brutalst in Kisten verpackt und bei vollem Bewusstsein geschlachtet.

http://www.soylent-network.com/doku/20huehnerschlachtung.htm

PETA nennt auf der Website die drei grössten „Hühnerproduktions-betriebe“, die ich aus rechtlichen Überlegungen in diesem Text nicht erwähnen möchte. Ob ein Huhn nun künftig Bio-Eier legen wird oder nicht, das entscheidet sich erst durch das Aufkleben der Lieferadresse auf die mit gesexten Küken vollgestopften Kartons. Zuvor gibt es keinerlei Unterschiede – ausser: Es handelt sich beim Biobauern auch tatsächlich um einen Hobbyzüchter.

Ernährungswissenschaftler raten nicht ab vom Verzehr von Hühnerfleisch oder Hühnereiern. Jedoch sollte beides in Maßen erfolgen. Gerade in den Eiern lagern sich gerne Antibiotika oder Salmonellen bzw. wie schon des öfteren bemerkt auch Dioxin und andere Schadstoffe an, da das Huhn alles in die Eierproduktion pumpt. Daneben haben sie einen sehr hohen Cholesterin-Gehalt, der den LDL- (low density lipoprotein) und den HDL-Spiegel (high densitiy lipoprotein) des gesunden Menschen durchaus beeinflussen kann. Der Grenzwert des HDL-Cholesterin-Spiegels liegt ab einem Alter von 18 Jahren bei 200 mg/dl. Ein einziges durchschnittliches Ei besitzt 250 mg. Dies entspricht dem Tagesbedarf einen Erwachsenen. Der Grenzwert des LDL-Cholesterins richtet sich nach dem individuellen Risikoprofil. Soll heissen, dass er bei einer Vorerkrankung wie Herzinfarkt oder Schlaganfall wesentlich geringer sein muss als bei gesunden Menschen.

Ich muss eingestehen, dass auch ich gerne ein Ei zum Sonntagsfrühstück geniesse oder ein Pasta-Fan, also Nudelfreak, bin. Doch hat sich nun meine Einstellung zum Hühnerei durch die Recherche zu diesem Blog grundlegend geändert. Ich achte darauf, welch wertvolles Gut ein solches Ei ist und wieviele Tiere dafür haben leiden müssen. Ich suche mir zudem einen Bauern, bei welchem ich weiss, dass die Hühner Auslauf haben, im Gras picken können und zumindest zwei Jahre überleben (grössere Eier als bei der industriellen Landwirtschaft). Vorsicht: Auch der Bauernmarkt ist hierfür leider kein Garant mehr. So ist mir eine Marktfrau bekannt, die auch Eier von „glücklichen“ Hühnern verkauft. Jeweils zum Ende der Legesaison werden rund 90 von ihnen geschlachtet – sie überleben ihr erstes Lebensjahr nicht!

PS:

Zuletzt noch eine wichtige Erklärung zur Kennzeichnung auf den Eiern – für den denkenden und kritischen Konsumenten (Quelle: Vier Pfoten).

Beispiel: 0-DE-1234567

Die erste Zahl beschreibt die Haltung der Hühner:

0 – Aus biologischer Landwirtschaft

1 – Freilandhaltung

2 – Bodenhaltung

3 – Käfighaltung

Dann folgt das Länderkürzel:

AT – Österreich

DE – Deutschland

NL – Niederlande

Links:

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Glück – ein seltenes Gut

„Die Absicht, dass der Mensch glücklich sei, ist im Plan der Schöpfung nicht enthalten.“
(Siegmund Freud)

Nach einigen Blogs mit politischem, technologischem und naturwissen-schaftlichem Hintergrund, möchte ich heute mal ein Thema philo-sophisch/neurologisch angehen: Was ist Glück?!
Ist es Glück, beim Lotto zu gewinnen? Ist es Glück, im Urlaub einen freien Liegestuhl am Pool zu ergattern? Oder ist es gar Glück, vor dem heran-nahenden Auto noch rasch wegspringen zu können?! Gibt es überhaupt Glück und Glücksmomente?

Am 20. März war „Weltglückstag“ – beschlossen am 28. Juni 2012 durch die Hauptversammlung der Vereinten Nationen, seit 2013 wird er jedes Jahr gefeiert.
Für viele hat das Wort „Glück“ eine andere Bedeutung. Für die meisten Jugendlichen ist Glück möglichst viele Follower zu haben, für Erwachsene die Rechnungen zahlen zu können, für Senioren gesund zu sein! Glück neurologisch erklärt ist relativ einfach, meint zumindest der klinische Neurologe Christof Kessler in seinem neuen Buch „Glücksgefühle“. Im „Belohnungs- und Motivationssystem“ des Gehirns entsteht der Eindruck „Gut gemacht!“. Nun erfolgt die Ausschüttung des Glückshormons Dopa-min, das uns all die vorhergegangenen Anstrengungen vergessen lässt! So können viele Marathonläufer nach dem Überqueren der Ziellinie noch weiterlaufen – die meisten sind überglücklich, dass sie das Ziel erreicht haben und merken in diesem Augenblick nicht, dass der Körper dieses Mal mehr ramponiert wurde, als im letzten Lauf. Diese Mischung aus Stolz und glücklich sein motiviert unheimlich, damit dieses Gefühl erneut erreicht werden kann. Auch Alkohol und Drogen können ein solches Glücksgefühl vorspielen, doch ist in den meisten Fällen danach, das Loch, das sich im Kater auftut, umso tiefer. Dadurch dauert auch die Erinnerung an diesen Glücksmoment wesentlich kürzer an als bei einer natürlichen Glückssituation, ohne Starthilfe.
Solche Augenblicke des Glücks sind in unserer schnelllebigen Welt sehr selten geworden. Deshalb boomen die Glücksratgeber und Glücks-seminare. Da jedoch jeder etwas anderes unter Glück versteht, ist es nicht wirklich ganz einfach, eine stets geltende Formel ausfindig zu machen. Eines jedoch sollte sich jeder zu Herzen nehmen: Teile Deine Projekte in kleinere Module. Dadurch ist es einfacher, Glück zu verspüren, das dann die Motivation für das nächste Modul bringt. Die Produktion von Dopamin nimmt übrigens mit zunehmendem Alter ab.
Viele Menschen sprechen von Glück, wenn sie ausgeglichen und zufrieden durch’s Leben gehen. Kann nicht geleugnet werden, obgleich es neurologisch etwas anderes ist. Schliesslich steckt mit dem Serotonin ein anderes Hormon dahinter. Es regt zudem eine etwas andere Hirnregion an, nämlich jene, die für das Gleichgewicht der Gefühle und somit die emotionale Regulation verantwortlich zeichnet. Zufriedenheits-glück ist alsdann etwas anderes als das Glück. Oftmals spielt dabei die Lebensweise eine ganz entscheidende Rolle. Glücksforscher haben entdeckt, dass eine gesunde Ernährung und viel Sport für ein grösseres Zufriedenheitsglück sorgen als Fastfood und Couching. Bevölkerungs-studien zur Depression haben aufgewiesen, dass vornehmlich die medi-terrane Ernährung mit viel Obst, Fisch und Gemüse sowie wenig Fleisch vielen Depressionen vorbeugen kann. Auch dieses andere Glück lässt sich allerdings manipulieren. So ist die Vorstufe des Serotonins, das Trypto-phan, in vielen Nahrungsmitteln enthalten: Hühnereier, Nüsse, Soja-bohnen und schliesslich der Schokolade. So manch Eine(r) verhilft sich mit v.a. der Schokolade über einen depressiven Moment hinweg. Im zunehmenden Alter kann jeder die Grundzufriedenheit verbessern: Durch die Anzahl der kleinen Erfolgserlebnisse. Deshalb bezeichnet es die Hirnforschung als extrem wichtig, sich auch im Alter geistig zu fördern, weiter zu lernen.
Zu vieles Denken macht unglücklich! Eine wissenschaftlich untermauerte Feststellung. Allerdings kann unser Gehirn nicht so ohne weiteres „abgeschaltet“ werden. Auch während des Schlafens denkt jeder Mensch weiter – einerseits zur Verarbeitung des Erlebten, andererseits werden Planungen für die Zukunft durchgeführt („Stimulus-unabhängiges Netz-werk“). Untersuchungen ergaben, dass spezielle Meditationstechniken tatsächlich das Denken stoppen können. Andere entspannen aber auch bei Musik oder einem guten Buch.

„Das Sozialprodukt ist wichtig, doch es kann niemals erfassen, wie glücklich ein einzelner Mensch ist!“
(Bruno Frey)

Was also macht uns wirklich glücklich? Sorgen Sie für die täglichen Glücksmomente. Kleinere Aufgaben, die nach Abschluss mit Dopamin belohnt werden. Ist die Aufgabe zu gross, beginnt wieder das Denken nach einer Gesamtlösung. Der Glücksforscher Bruno Frey schaffte sich nicht wirklich viele Freunde, als er meinte, dass Kinder nicht unbedingt ausschlaggebend für das Glück sind. Auch das Geld ist nicht entscheidend. Beides kann zu einem Teil dazu beitragen.

Beim jährlich veröffentlichten World Happines Report der UNO geben die Skandinavier und die Schweizer immer wieder an, die glücklichsten zu sein. Tatsächlich konnten zum bereits neunten Mal in Folge (von bisher 14 Reports) die Finnen den Sieg nach Helsinki holen, gefolgt von Island und Dänemark. Die Schweiz liegt auf dem 10., Deutschland auf dem 17. und Österreich auf dem 19. Platz. Interessant – Israel auf Rang 8, die USA auf 23! Hier sollte fairerweise erwähnt werden, dass die Befragungen vor dem Angriffskrieg Israels und der USA gegen den Iran durchgeführt wurden!

Frey erstellte hierauf aufbauend eine Liste von Glücksfaktoren:

.) Soziale Vernetzung
Der ständige Austausch mit wirklich guten Freunden, Bekannten und der eigenen Familie ist für Frey der wohl wichtigste Glücksfaktor. Ausserdem hilft ein gutes vertrauliches Gespräch unter Freunden die Seele wieder freizuschaufeln
.) Gesundheit
Kranke Menschen sind zumeist nicht glücklich. Die körperliche und geistige Gesundheit ist eine wichtige Glücksvoraussetzung.
.) Materielle Sicherheit
Arme Menschen müssen zu viel bei allem an die Kosten und das Geld denken. Am glücklichsten sind jene, die von ihrem Einkommen gut und sorgenfrei leben können. Zuviel Geld jedoch ist ein Glückskiller.
.) Gesellschaftliche Faktoren
Am glücklichsten sind kinderlose Menschen, die in einer dezentralen Demokratie leben und einer selbständigen Arbeit nachgehen. Hinzu kommt die Eigenschaft, geben zu können und möglicherweise noch im Ehrenamt tätig zu sein. Menschen mit Kindern müssen sich weitaus mehr Gedanken über ihre finanzielle Situation, andere Wohnverhältnisse, ein grösseres Auto und schlaflose Nächte machen.
Viele Glücks-Trainer und Mental-Coaches bemühen sich, Menschen das offenbar verlernte Glücklichsein zurückzubringen. Gute Nachricht: Es ist machbar! Der ausschlaggebende Faktor ist die positive Einstellung. Nicht jedem ist es vergönnt, in seinem Traumberuf tagtäglich Glücksgefühle zu erleben. Dafür gibt es leider zu wenige Hotels an Traumstränden, die man managen könnte. Dennoch ist die Zufriedenheit im Beruf und die Glücksmomente während der Arbeit immens wichtig, da sie auch in’s Privatleben einspielen. Es besteht also eine immens wichtige Wechsel-wirkung. 20.000 Arbeitnehmer haben Jan-Emmanuel De Neve und George Ward von der London School of Economics europaweit im Rahmen der Studie „Happiness at Work“ befragt. Das Ergebnis: Mitarbeiter sind zufriedener und glücklicher, wenn sie selbst mitentscheiden und unter-schiedlichen Tätigkeiten nachgehen können. Chefs, welche die Stärken ihrer Mitarbeiter nicht einzusetzen wissen, sind keine guten Chefs! Kommt noch ein gutes Betriebsklima und das Gefühl hinzu, einen sicheren Job zu haben, so sind die Grundbausteine für zufriedene Arbeitnehmer gelegt. Sie nehmen in weiterer Folge quasi das Zufriedenheitsglück aus der Arbeit auch in ihr Privatleben mit, das für eine ausgezeichnete Work-Life-Balance sorgt. Dem verleihen sehr viele Glücksforscher einen immens hohen Stellenwert. Andere wie De Neve/Ward sehen die Work-Life-Balance darin, wenn nach der Arbeit noch möglichst viel Elan für private Unternehmungen übrig bleibt. Welcher Typ sind Sie? Geschafft nach dem Job und ab auf die Couch? Freuen Sie sich darauf, nach der Arbeit noch mit den Kindern gemeinsam Fussball zu spielen? Lassen Sie nach der Arbeit die Sause so richtig abgehen? Oder gehen Sie auch gerne auf ein Feierabend-Bierchen mit Kollegen oder Freunden?
Glück zeigt sich für jeden anders! Doch in einem sind sich Glücksforscher einig: Ein zentraler Faktor ist die Charakterstärke! Das lasse ich nun einfach so im Raume stehen!

Gestatten Sie mir abschliessend zwei Fragen:
1. Wann waren Sie das letzte Mal wirklich glücklich (Dopamin)?
2. Sind Sie mit ihrem Leben generell zufrieden (auf einer Skala von 1 für nein bis 10 für ja) (Serotonin)!
Gibt es Nachholbedarf? Auf was warten Sie – es ist Ihr Glück! In Bhutan ist Glück wertvoller als alles Geld! Hier gibt es auch einen eigenen Glücks-minister. Einer dieser war der verstorbene Dr. Ha Vinh To, der bei einem Österreichbesuch meinte, dass die Österreicher zu viel „nörgeln“ würden!

Links:

Lesetipps:

.) Ins Glück stolpern. Suche dein Glück nicht, dann findet es dich von selbst; Daniel Gilbert; Goldmann Verlag 2006
.) Lebenskunst und Moral. Oder macht Tugend glücklich?; Otfried Höffe; Beck 2007
.) Glück. Was ist das?; Günther Bien; Knecht 1999
.) Wo geht’s denn hier zum Glück. Meine Reise durch die 13 glücklichsten Länder der Welt und was wir von ihnen lernen können; Maike van den Boom; Fischer Krüger 2015
.) Psychologie des Glücks. Ein Handbuch; Anton Bucher; Beltz 2009
.) Glücksvorstellungen. Ein Rückgriff in die Geschichte der Soziologie; Alfred Bellebaum; Westdeutscher Verlag 1997

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Wie ein Pulverfass, das jetzt explodiert ist

Als Ende Februar erste Meldungen über einen israelisch-amerikanischen Angriff auf den Iran über die Fernschreiber tickerten, konnte noch niemand genau voraussehen, was dies alles bedeuten soll und v.a. wie sich dies ausweiten wird. Inzwischen sind hunderte Menschen gestorben – darunter auch viele Zivilisten. US-Präsident Donald Trump spricht von einem baldigen Ende des Krieges, in Israel ist man geteilter Meinung dazu. Viele befürchten, dass Trump innenpolitisch kalte Füsse bekommen hat und Israel nun alleine lassen werde. Zudem ist das Ganze verflucht teuer – das US-Kriegsministerium spricht von 11,3 Mrd. Dollar für die ersten sechs Tage des Kriegs.

Durch die Wahl des Chamenei-Sohnes Modschtaba zum obersten Führer des Irans dürfte allerdings eines klar sein: Die Mullahs tun alles erdenk-liche, um an der Macht zu bleiben! Modschtaba ist ebenso wie sein Vater ein Hardliner. Allerdings war er seit seiner Wahl noch kein einziges Mal zu sehen, was die USA vermuten lässt, dass er durch die Bombar-dierungen schwer verletzt wurde. Seine Antrittsrede wurde im Fernsehen vorgelesen! Es wird also – wie damals auch beim Nachbarn Irak – solange weitergehen, bis die Soldaten der Siegermacht die Anführer der Verlierer-macht aus einem Erdloch holen oder diese durch weitere Angriffe bis in die siebente oder achte Strukturreihe weggebombt sind.

Klar ist, dass Trump und Netanyahu mit diesen Angriffen einmal mehr eindeutig gegen das Völkerrecht verstossen. Beide beteuern, es sei ein Präventivangriff gewesen, bevor der Iran Israel atomar aus der Welt geschafft hätte. Das haben die Mullahs (ohne atomar) ja schon des öfteren versprochen. Der Iran reichert Uran an, doch wie sie aussagen, zur Gewinnung von Atomenergie. Auch die Internationale Atomenergie Organisation hat ausgeführt, dass es keinerlei Anzeichen für den Bau einer Atombombe in Teheran gäbe! Zudem ging dem Ganzen ja schon ein Angriff voraus – mit bunkerbrechenden Bomben gegen die vermuteten Anreicherungsstätten. Damals meinte Trump, dass das iranische Atom-programm erstmal vom Tisch wäre. Weshalb dann jetzt dieser Krieg?

Hier scheiden sich die Geister. Während die einen glauben, Trump möchte seinem Grössenwahn weiterhin frönen und nun auch den Iran unter seine Fittiche nehmen, gab es in Teheran nach den ersten Angriffen Feuerwerke vor Freude auf den Strassen tanzende Menschen. Die anderen gehen nämlich davon aus, dass das diktatorisch regierende Mullah-Regime gestürzt oder getötet werden soll um aus dem Gottesstaat wieder einen politischen Staat zu machen! Der Schreiberling dieser Zeilen überlässt es nun Ihnen, sich für das Eine oder das Andere zu entscheiden.

Eines sollte jedoch zu Denken geben: Ebenso wie in Venezuela laufen auch im Iran die Ölförderungsanlagen auf Hochtouren. Ebenso wie im südamerikanischen Staat vornehmlich für China, aber auch für Indien. Stecken etwa wirtschaftliche (Öl-)Interessen hinter diesem Krieg?

Soweit zur aktuellen Lage. Das Land selbst aber war schon öfters Kern kriegerischer Auseinandersetzungen. Lassen Sie uns gemeinsam einen kurzen Streifzug durch die Geschichte machen.

Das Perserreich war bereits in der Antike eine Grossmacht. Dabei werden drei Phasen unterschieden:

  • Das altpersische Achämenidenreich
  • Das Partherreich
  • Das neupersische Sassanidenreich

Das altpersische Achämenidenreich wurde 550 v.Chr. durch Kyros II. gegründet und durch Dareios I. mittels zahlreicher Eroberungskriege („Perserkriege“) ausgeweitet. Es umfasste gegen 500 v.Chr. Teile Ägyptens, Griechenlands, der gesamten Türkei bis hin zum heutigen Indien. 334 v.Chr. begann der Makedonienkönig Alexander der Grosse mit seinen Eroberungsfeldzügen. Dies führte 330 v.Chr. zum Untergang des Achämidenreiches. Weshalb Alexander in nur 4 Jahren ein derart riesiges Reich einnehmen konnte – darüber rätseln die Geschichtsforscher auch heute noch.

Alexander der Grosse verstarb 323 v.Chr., es begannen die Diadochen-kriege. Seleukos I. (ein Weggefährte Alexanders) übernahm von Osten her kommend 305 v. Chr. die Macht. Die Seleukiden regierten bis 129 v.Chr. das Reich. Intern gab es allerdings bereits vielerlei Aufstände, im Westen drängten ferner die Römer herein. Zudem wurde ab 240 v.Chr. die Macht der Partherherrscher der Arsakiden immer grösser. Sie regierten bis 224 n.Chr. Es folgten die Sassaniden. Bürgerkriege und der vereinigte Kriegs-feind Rom und Türkei liessen auch dieses Reich 651 n.Chr. untergehen. Dessen letzer Herrscher, Yazgerd III. starb 651 n.Chr. bei Merw. Das Abbasiden-Kalifat aus Bagdad übernahm – die Bevölkerung wurde schrittweise islamisiert.

Im 13. Jahrhundert war das Perserreich vom Mongolensturm betroffen. Um 1500 n.Chr. gelang es den Safawiden, das Land zu einigen. Danach folgten die unterschiedlichsten Herrschersysteme – bis am 12. Dezember 1925 Reza Chan Pahlavi durch das Parlament zum Schah erhoben wurde. Am 17. September 1941 folgte sein Sohn Mohammad Reza Schah Pahlavi auf den Thron, nachdem er aufgrund der anglo-sowjetischen Invasion des Irans abdanken musste (er war Nazi-Deutschland zugeneigt). Dieser orientierte sich an den USA, führte zahlreiche Modernisierungen durch, regierte mit Hilfe seines Geheimdienstes SAVAK allerdings stark autoritär. Dies alles missfiel dem schiitischen Klerus. Es folgte die Islamische Revo-lution, die Macht übernahm Ajatollah Chomeini, der zuvor im Exil in Paris eine Einigung der Geistlichkeit, der linksintellektuellen Opposition sowie marxistisch-leninistischen und maoistischen Gruppierungen erreicht hatte. Reza Pahlevi verliess das Land am 16. Januar 1979. Die Reise führte ihn über Ägypten, Marokko, den Bahamas, Mexiko, USA und Panama wieder zurück nach Ägypten, wo er 1980 verstarb. Beerdigt wurde er neben dem vorletzten ägyptischen König Faruq I.

Die Mullahs führten seither ein ebensolches autokratisches Regime – gegen den Westen, für Russland und China. Immer wieder wurden sie in Zusammenhang mit terroristischen Anschlägen im Westen gebracht. Zudem unterstützten sie die anti-israelischen Hisbollah-Milizen im Libanon, aber auch die Hamas im Gaza-Streifen – sowie nach Insidern auch die Huthi-Milizen im Jemen mit Waffen und Geld. Innenpolitisch wurden Regimegegner oder -kritiker weggesperrt oder hingerichtet. Die UNO kritisierte bereit 2012 die hohe Zahl der Hinrichtungen im Land.

Ajatollah Ruhollah Chomeini führte den Iran bis zu seinem Tod 1989 – Ajatollah Ali Chamenei übernahm. In seine Amtszeit fällt etwa auch der Mordauftrag auf den islamkritischen Autor Salman Rushdi 2022, der Attentäter hatte mehr als ein Dutzend Mal auf Rushdie eingestochen. 2025 wurde er zu 25 Jahren Haft verurteilt. Während der Islamischen Revolution wurde die US-Botschaft in Teheran gestürmt und 52 Diplomaten der USA als Geiseln genommen. Gefordert wurde die Auslieferung des Schahs. In der Nacht vom 24. auf den 25. April 1980 scheiterte ein militärischer Rettungsversuch der Geiseln durch Spezialkräfte der USA. Der damalige US-Präsident Jimmy Carter hatte dies zuvor übrigens mit Moskau abgesprochen.

Seither reagierte der Iran auf militärische Angriffe, kämpfen liess er stets die Hisbollah-Milizen – mit einer Ausnahme: Im Januar 2024 gab es offenbar edinen Luftangriff auf Pakistan. Der Nachbarstaat antwortete seinerseits mit Raketenangriffen auf „terroristische Ziele“ im Iran.

Die Bevölkerung des Irans (rund 90 Mio Einwohner) besteht aus den unterschiedlichsten Gruppierungen. Immer wieder wird davon berichtet, dass sie bislang Ausländern gegenüber stets offen und sehr herzlich ist. Wie das dortige Regime jedoch regiert, wurde zuletzt klar, als es mit aller Härte gegen Demonstranten vorging. Von weit mehr als 5.000 Toten ist auszugehen (die Quellen gehen hierbei auseinander). Frauen werden nach wie vor diskriminiert – nicht umsonst haben diese Woche fünf Spielerinnen des iranischen Frauen-Fussballteams in Australien um Asyl angesucht.

Stellen sich abschliessend die Fragen:

Was kommt nach den Mullahs, sollten Trump und Netanyahu den Sturz des Regimes schaffen?

Kann sich ein US-Präsident als Weltherrscher aufspielen und überall dort militärisch eingreifen, wo es ganz offenbar um wirtschaftliche Interessen geht?

Wie lange werden Putin und Jinping noch zuschauen? Ab wann verliert Trump den Müllmann-Status für sie?

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Lesetipps:

.) A History of Modern Iran; Ervand Abrahamian; Cambridge University Press 2008

.) Culture and customs of Iran; Elton L. Daniel; Greenwood Press Westport 2006

.) Iran and the rise of Reza Shah; Cyrus Ghani; I.B Tauris 2000

.) Revolutionary Iran: A History of the Islamic Republic; Michael Axworthy; Penguin Books 2013

Links:††

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Droht schon bald ein Ärztekollaps???

Die Hörsäle sind bis auf den letzten Platz gefüllt (zumindest in jenen Zeiten, in welchen die Universitäten Lehrbetrieb haben), die Prüfer können es sich offenbar nach wie vor erlauben, bei den Teilprüfungen gross reine zu machen – oder doch nicht? Nach Angaben des Statis-tischen Bundesamtes Deutschland lag im Wintersemester 1990/91 die Zahl der Medizinstudenten bei über 95.000, 2015/16 waren es 90.000, 2024 bereits 117.916! In Österreich bewarben sich im vergangenen Jahr nicht weniger als 15.668 für einen Platz bei der Aufnahmeprüfung.

Offenbar sind jedoch im Gegenzug dazu die Zeiten vorbei, als lange auf einen Turnusplatz gewartet werden musste und Herr Doktor Taxi fuhr – allerdings nicht als Fahrgast! Wir blicken somit in eine mehr als frag-würdige Zukunft, denn fehlt in den Krankenhäusern der medizinische Nachwuchs, wird sich dies auch in absehbarer Zeit auf den nieder-gelassenen Bereich auswirken.

Hinzu kommt erschwerend, dass 100.619 der derzeit praktizierenden Mediziner inzwischen älter als 60 Jahre sind (23 %) – jeder dritte Arzt erreicht in diesen Jahren das Rentenalter. In Rheinland-Pfalz etwa hat jeder 7. Praxisarzt das 65. Lebensjahr erreicht bzw. überschritten – bundesweit sind rund 16 % sog. „Silverworker“ (in Bremen und Thüringen gar 23 %). Im Jahr 2040 werden bis zu 50.000 Ärzte fehlen!

Dasselbe Problem stellt sich auch in Österreich: Hier können während einem Jahrzehnt mehr als 18.000 der derzeitigen 52.000 Mediziner in die Pension gehen. Vor allem am Land droht somit in beiden Ländern ein massiver Ärztemangel! Und dies obwohl zuletzt zwischen Flensburg und Garmisch-Partenkirchen die Quote angestiegen ist: 1990 kamen auf 100.000 Einwohner 312,7 Mediziner, 2018 431,1 und 2023 671,7 Ärzte pro 100.000 (eingerechnet sind neben den niedergelassenen auch die Krankenhaus- und Fachärzte). Die Zahl der Praxen erhöhte sich von 92.000, 2018 auf 148.600 und verringerte sich bis Ende 2024 auf 123.750!

Reicht dies für den demographischen Wandel? Damit klettert nämlich auch der Behandlungsbedarf nach oben. So stieg nach Angaben des Ehren-Präsidenten der Bundesärztekammer, Prof. Dr. Med. Frank Ulrich Montgomery, zwischen 2009 und 2017 die Zahl der Behandlungsfällen in den Krankenhäusern von 17,8 auf 19,5 Millionen, fiel jedoch nach Corona wieder auf 17,2 Mio 2023 – parallel dazu kommt es jährlich zu rund einer Milliarde Arztkontaken in den Praxen der niedergelassenen Ärzte.

Geht man in’s Detail, so offenbaren sich die Probleme: In der Region Altmark (Sachsen-Anhalt kommen auf 100.000 Einwohner gerade mal 280 Ärzte, während es in Berlin 715 sind. Selbes Prozedere in Österreich: Ab 7 Mediziner auf 1.000 Einwohner in Wien, ab 4,5 hingegen nur in Oberösterreich und Vorarlberg. Auch im Vergleich von Städten und deren Landkreisen zeigt sich ein ähnliches Bild. Dies liegt vornehmlich in der Ursache begründet, dass freiwerdende Praxen auch in überversorgten Gebieten stets nachbesetzt werden dürfen, während sie am Land verwaisen.

Dabei gibt es alle Hände voll zu tun. Wartezeiten von einer teils gar zwei Stunden, die Magazine im Wartezimmer sind schon in- und auswendig bekannt – ganz normal, sucht man den Hausarzt seines Vertrauens auf. Durch die Verlängerung der Lebensdauer wird die Arbeit der Ärzte auch weiterhin zunehmen. Konträr dazu sinkt die Zahl der Allgemeinmediziner drastisch, während sie bei den Vertragsärzten (angestellte Mediziner) steigt. Mit diesem Problem muss sich auch die Politik beschäftigen, obwohl gerade hier viel versprochen und nur wenig eingehalten wird. Die Folge: Weite Anfahrtswege und noch längere Wartezeiten! Dies zu einer Zeit, in welcher vermehrt die Krankenhäuser wieder Kompetenzen (Nachuntersuchungen beispielsweise) an die niedergelassenen Ärzte abgeben, damit die Anzahl der Betten möglichst gering gehalten werden kann (Lenkung der Patientenströme). Doch beisst sich hierbei die Katze in den eigenen Schwanz: Der Ehrenpräsident der deutschen Bundes-ärztekammer, Prof. Dr. Frank-Ulrich Montgomery forderte deshalb schon vor Jahren mehr Medizinstudienplätze – die Politik dürfe bei der Umsetzung des „Masterplans Medizinstudium 2020“ nicht auch weiterhin trödeln. Inzwischen gottlob geschehen, obgleich dies von so manchem bezweifelt wurde – beispielsweise hielt der damalige Dekan der Medi-zinischen Fakultät der Universität Jena, Orlando Guntimas-Lichius, eine Erhöhung der Studienplätze mit dem Wintersemester 2021/22 für „nicht realistisch“! Bayern hingegen hat im selben Jahr offenbar mit der „Land-arztquote“ eine Lösungsmöglichkeit gefunden: 8 % der Studienplätze werden für Bewerber freigehalten, die „ein besonderes Interesse an der hausärztlichen Tätigkeit im ländlichen Raum bekunden“. Viele davon kommen aus dem Bereich der Pflege oder sind Notfallsanitäter. Sie kamen bislang nicht in Betracht, da sie beim Abi keine 1 vorweisen konnten. Dafür haben sie sich verpflichtet, nach der Ausbildung als Landarzt eine Praxis zu übernehmen. Viele Bundesländer haben das Modell inzwischen übernommen.

Bereitschaftsdienste und Notärzte sind immer öfter unterbesetzt, sodass sich vermehrt ambulante Patienten direkt an die Kliniken wenden. Ambulanzen jedoch binden viel medizinisches Fachpersonal. Deshalb gehen manche Krankenhäuser bereits dazu über, ambulante Erstver-sorgungseinheiten einzurichten. Die Erfahrungen haben gezeigt, dass rund 40 % der Patienten an die Hausärzte verwiesen werden können. Um die Situation bei den Notdiensten zu entschärfen, werden auch fach-fremde Ärzte zu Bereitschaftsdiensten verpflichtet. In Bayern etwa dürfen Ärzte, die das 60. Lebensjahr überschritten haben, nicht mehr für Bereitschaftsdienste herangezogen werden.

Das Übel liegt wohl darin, dass der Beruf eines Allgemeinmediziners immer unattraktiver wird. Geregelte Arbeitszeiten, Karriereleiter, Reichtum – all das bleibt für den Landarzt meist nur ein Wunschtraum. An Forschung ist gar nicht zu denken. Deshalb konzentrieren sich die Kommilitonen bereits während der Ausbildung auf eine Fachrichtung. Hier bleiben alle Türen offen, jene der eigenen Praxis ist vielleicht die letzte! In der Bayerischen Landesärztekammer wird durchaus das Thema „Pharmaunternehmen“ diskutiert. Diese benötigen Experten – das bedeutet dann zumeist grosse Karriere für bereits junge Studienab-gänger. Zudem erfordert die Allgemeinmedizin eine lebenslange Weiter-bildung, mehrere Umzüge und verschiedene Stellenwechsel. Bei der Ärztekammer spricht man von im Schnitt 15 Jahren, bis sich der Allge-meinmediziner niederlässt und endlich seine eigene Praxis eröffnet. Apropos eigene Praxis: Viele scheuen sich vor den horrenden Kosten. So müssen für eine Praxis-Neugründung durchaus 200-300.000 € flüssig gemacht werden. Deshalb werden immer mehr Ärztehäuser oder Gemeinschaftspraxen aus dem Boden gestampft, damit etwa die Verwaltung für den Einzelnen so gering als möglich gehalten werden kann. Und gerade dieser Aufwand ist nicht unerheblich. Dies hält sich beim angestellten Arzt in Grenzen, erfordert aber gerade bei den niedergelassenen Ärzten einen Grossteil ihrer Arbeitszeit.

Dabei zeigen durchaus positive Beispiele andere mögliche Wege auf: In den Niederlanden schreiben sich alle Patienten im Einzugsgebiet eines Landarztes ein – dadurch erhält dieser eine Grundfinanzierung. Das Modell würde der Bund der Deutschen Hausärzte gerne übernehmen, doch verweigern sich hier die Kassenärztlichen Vereinigungen. Hinzu kommt ferner der Freizeitfaktor. Gerade bei jungen Ärzten sehr entscheidend für die Wahl der Fachrichtung. Und die Möglichkeit der Privatpatienten im städtischen Bereich – nicht zu verachten! So verlangt beispielsweise ein Facharzt für eine Behandlung wesentlich mehr als der Allgemeinmediziner.

Auch im Bereich der Krankenhäuser ist Feuer am Dach. Es fehlt der Nachwuchs. Nach Insider-Angaben sind es beispielsweise in Wien und Umgebung zumindest 472 Mediziner, die sofort eingestellt werden könnten. Im Alpenstaat bedarf es jährlich rund 1.900 Ärzten, um den derzeitigen Versorgungsstand halten zu können. Jährlich stehen 1.756 Studienplätze für Humanmedizin zur Verfügung (plus 144 für Zahn-medizin). Doch nehmen nicht mal die Hälfte nach ihrer Ausbildung eine Tätigkeit im Lande auf. Mehr als ein Drittel etwa gehen (zurück) ins Ausland (500 von 1.300 Absolventen)!

Nach Angaben von Destatis 2024 bleiben bis 2049 zehntausende Arztstellen in Deutschland unbesetzt, rund 690 000 Pflegekräfte werden bis dahin fehlen. Nach Angaben des Deutschen Krankenhausinstituts hatten 77 % der Krankenhäuser 2023 Probleme bei der Besetzung offener Arzt-Stellen – pro Krankenhaus blieben statistisch gesehen vier Vollzeit-stellen unbesetzt. Wartete früher ein junger Arzt sehr lange auf einen Turnusplatz, so bleiben inzwischen viele dieser Plätze leer. Von Medizinerschwemme also keine Spur mehr. Während vereinzelt in deutschen Landen bereits Weiterbildungsverbünde geschaffen werden, zu welchen sich Kliniken und Fachärzte zusammenschliessen, versucht man es in Österreich mit einem Wohlfühlfaktor bei den Klinikärzten: Verbesserung der Arbeitsbedingungen, klare Ausbildungsrichtlinien und schliesslich eine Gehaltsreform. Dies jedoch behagt dem zu Niedrig-löhnen arbeitenden Pflegepersonal nicht. Trotzdem: Aufgrund des Personalnotstandes sind für einen Klinikarzt 60-80 Wochenstunden, grosse Teile sogar als Dauerdienst, keine Seltenheit! Gesetzlich vorgeschriebene Ruhezeiten: Was ist das!? Das Krankenanstalten-Arbeitszeitgesetz schliesst eine maximale Dienstdauer von 25 Stunden sowie von 72 Stunden in einzelnen Wochen des Durchrechnungs-zeitraums nicht aus.

In Österreich kommt noch erschwerend hinzu, dass in der Stadt die Zahl der Apotheken von der Zahl der Einwohner abhängt – in vielen Teilen Österreichs betreiben die Landärzte selbst Hausapotheken. Siedeln sich nun auch dort immer mehr Apotheken an, so nehmen sie dem Landarzt die Kundschaft für das sehr lukrative Hausapothekengeschäft weg. Nur eine Praxis – für viele deshalb unrentabel. Mit ein Faktor, weshalb viele Landärzte keine Nachfolger finden und die Praxen verwaisen. Die Zahl der Hausärzte sank im Alpenstaat zwischen 2015 bis 2025 von 14.300 auf 13.000, in Deutschland stieg hingegen deren Zahl zwischen 2014 und 2024 um 3,4 % auf 66.100. Allerdings sind nicht weniger als 41 % der Hausärzte älter als 60 Jahre! Leerstehende Praxen findet man vornehm-lich in Bayern, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern. Um dieser Problematik entgegenzuwirken, wurde 2012 das sog. „Landarztgesetz“ (GKV-Versorgungsstruktur-Gesetz) geschaffen, wodurch junge Ärzte und -innen dazu motiviert werden sollen, Landarztpraxen zu übernehmen. Zwingen freilich kann sie niemand. In Niedersachsen übernehmen in der Zwischenzeit viele Hausbesuche Arzthelferinnen, die zu nicht-ärztlichen Praxisassistentinnen ausgebildet wurden. So etwa bei älteren oder chronisch kranken Patienten. In Österreich belief sich die Zahl der niedergelassenen Ärzte im Jahr 2017 auf 4.798, 4.785 im Jahr 2023, nahm also ab. Angestiegen hingegen sind die Wahlärzte: Von 5.249 auf 6.175!

Viele der noch praktizierenden Hausärzte kennen eine zusätzliche Ursache für die Misere: Die Vernachlässigung der Hausarztmedizin gegenüber der technischen Medizin! Klar, dass ein Chirurg in der Not-fallambulanz eines Krankenhauses eine Operation empfiehlt, der Haus-arzt diese jedoch meist als letzte Möglichkeit ansieht. Haben Sie etwa gewusst, dass heisses Sprite ohne Kohlensäure und eine heisse Wärmflasche gegen Gastritis helfen kann? Den Tipp erhielt ich von einem Landarzt!

Noch prekärer übrigens ist die Situation bei den Ärzten im Öffentlichen Gesundheitswesen – nicht zuletzt auch aufgrund des wesentlich geringeren Verdienstes. Ein hier bestehender Engpass wirkt sich – wie in der Pandemie bewiesen – v.a. in der Infektionsabwehr fatal aus, betonen die Gewerkschaft Marburger Bund (MB) und der Bundesverband der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (BVÖGD) unisono.

Damit die medizinische Grundversorgung nicht komplett zusammen-bricht, wird etwa Werbung in den EU-Krisenländern gemacht. Deutsche Ärzte wanderten 2024 oftmals aufgrund des besseren Verdienstes vornehmlich in die Schweiz ab (675), gefolgt von Österreich (331).

Zuvor war Skandinavien heiß begehrt: So lockte beispielsweise das Land Carl Gustavs deutsche Mediziner mit überschaubaren Schichten (40 Stunden pro Woche – 18 Stunden am Stück dürfen nicht überschritten werden), bezahlten Überstunden und vier Wochen Sommerurlaub. Sprachkurse wurden bezahlt, Kinder betreut und die Wohnungssuche vom Krankenhaus durchgeführt. 2010 nutzten dieses Angebot 55 deutsche Ärzte. Doch geht es ihnen nicht um den Verdienst. So ergab eine vergleichende Studie der Unternehmensberatung KPMG im Sommer 2011, dass das kaufkraftbereinigte Nettoeinkommen von Ärzten mit drei bis fünf Jahren Berufserfahrung in Schweden bei 28 – 32.000 € liegt, bei deutschen hingegen bei 32 – 40.000 €. Somit gibt das Arbeitsumfeld den Ausschlag.

Hierzulande sollen die ansonsten leerstehenden Arztpraxen mit aus-ländischen Medizinern zu neuem Leben erweckt werden. Doch gibt es ungeahnt viele Hürden, die in Schweden alsdann nicht bestehen: Einerseits die deutsche Sprache, die in den meisten Fällen erlernt werden muss (Absolvierung des Sprachtests zur Patientenkommunikation) und andererseits die Anerkennung des ausländischen Studiums – die Appro-bation. 2024 waren mehr als 68.000 ausländische Ärzte in Deutschland gemeldet. Das bedeutet bei 437.000 einen Anteil von mehr als 15 %. Die Liste führten Syrien (7.042) und die Rumänen (4.682) an, gefolgt von den Österreichern (3.036). Ob Zweitere den Sprachtest auch absolvieren mussten, entzieht sich der Kenntnis des Schreiberlings. Auch im Klinik-Bereich v.a. in der Provinz trifft man vermehrt auf ausländische Ärzte. Das Manager Magazin spricht sogar von einer „Einwanderungswelle im OP“! Die ausgewanderten Mediziner allerdings fehlen dann wieder im Alpenstaat. So ist mir beispielsweise aufgefallen, dass in Tirol interviewte Ärzte zu 90 % deutsches Hochdeutsch sprechen – bei Innsbruck handelt es sich um ein Universitätsklinikum! D.h. die Masse kann ziehen, die Spezialisten werden aus Deutschland geholt (2024 waren 3.210 deutsche Mediziner in Rot-Weiss-Rot tätig). Das jedoch führt zum Kernproblem der Situation: Der Ausdünnung eines ganzen Berufsstandes! Noch merkt der Patient davon nur sehr wenig, wie eine Studie der Barmer GEK und der Bertelsmann-Stiftung ergab. Demnach waren im Jahr 2018 in der Stadt 64 und am Land 56 % mit dem Zugang zu Hausärzten sehr zufrieden. Doch – schliesst der eigene Hausarzt, platzt zumeist diese Luftblase!

Alle Zahlen kommen aus Deutschland, mit Ausnahme der speziell für Österreich bezeichneten!

Links:

– www.bundesaerztekammer.de

– www.aerztekammer.at

– www.kbv.de

– gesundheitsdaten.kbv.de

– www.versorgungsatlas.de

– www.zi.de

– www.vlkoe.at

– www.hausaerzteverband.de

– www.hausaerzteverband.at

– oegam.at

www.leitendekrankenhausaerzte.at

– www.gesundheitskasse.at

– www.aerztekammer-bw.de

– www.medizinrecht-europa.eu

Lesetipp:

.) Dem deutschen Gesundheitswesen gehen die Ärzte aus; Thomas Kopetsch; Bundesärztekammer 2010

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