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Das Moor – Quell des Lebens

An dieser Stelle habe ich bereits über das gefährliche Auftauen der Permafrost-Regionen in Kanada und Russland berichtet. Dabei handelt es sich vornehmlich um Moor- und Sumpflandschaften, die nach der letzten Eiszeit nicht mehr wieder aufgetaut sind.

Als die Eispanzer geschmolzen sind, wurden auf den nicht gar so kalten Kontinenten gewaltige Mengen von Wasser freigesetzt. Nicht alles wurde in die Meere gespült oder versickerte, vieles verdunstete und kam als Niederschlag wieder zurück. Dadurch stieg der Grundwasserspiegel sehr rasch an, wodurch viele Senken und Täler überflutet wurden. Die Natur reagierte – feuchtigkeitsliebende Pflanzen siedelten sich an und über-zogen ganze Landschaften. Mancherorts allerdings konnten aufgrund des Wasserstandes die abgestorbenen Pflanzen nicht mehr abgebaut werden – es bildeten sich Moore. Die meisten davon dürfte es vor rund 12.000 Jahren gegeben haben. Soweit zum geschichtlichen Hintergrund.

Wie eine solche Moorlandschaft entsteht, erklärt uns die Biologie. Mehrere Faktoren müssen vorhanden sein, damit es zu einer solchen Laune der Natur kommen kann:

  • Eine wasserstauende Schicht im Boden verhindert das weitere Versickern des Wassers
  • In der Region muss ein starkes Niederschlagsaufkommen vorherrschen, wodurch auch eine hohe Luftfeuchtigkeit gegeben ist
  • Der Pflanzenwuchs übertrifft die Zersetzung abgestorbenen Materials
  • Das Gebiet darf nicht beschattet sein

Im Moor selbst herrscht aufgrund der ständigen Regenfälle nicht nur eine ständige Wassersättigung, sondern auch ein konstanter Sauerstoff-mangel. Dadurch können die Pflanzenreste nicht richtig zersetzt werden – der Abbau erfolgt unvollständig und wird als Torf abgelagert. Hierin besteht der Unterschied zu Sümpfen: Dort wird die Biomasse durch die regelmässigen Austrocknungen vollständig zu Humus umgesetzt. Die oberste Schicht des Moores besteht aus lebenden Pflanzen. Hier ist der Grossteil des Wassers gespeichert – je tiefer man kommt, umso mehr und dichter werden die Torfschichten. Für den Aufbau einer rund 10 m hohen Torfschicht benötigt ein lebendes Moor in etwa 10.000 Jahre. Den untersten, wasserundurchlässigen Bereich eines Moores bildet eine hart verdichtete Sandschicht. Der Experte spricht hierbei von „Seetonen“.

Vor 12.000 Jahren überzogen Moore noch rund 4,2 % der Landfläche Deutschlands (zirka 1,5 Mio Hektar). Davon blieben jedoch gerade mal 1,28 Mio Hektar (3,6 % der Landfläche) übrig. Die meisten Hochmoore findet man heute noch in Niedersachsen. In Österreich sind es gegenwärtig 26.600 Hektar in 3.000 Moorflächen, 192 Hektar in hochalpinem Gelände (Studie im Auftrag des WWF). Auch hier wurden knapp 90 % zerstört. Die Schweiz listet 24.000 Hektar (0,6 % der Landfläche) als Moorlandschaft auf.

Grundlegend wird zwischen drei unterschiedlichen Moorarten unter-schieden:

.) Das Hochmoor

Hochmoore entstehen zumeist in kühlen und feuchten Gebieten. Sie nähren sich vornehmlich aus den Niederschlägen („Regenwassermoor“). Oftmals haben sie sich aus Niedermooren entwickelt oder wuchsen direkt auf mineralischen Untergrund auf. Typisch für Hochmoore sind die Torfmoose (Sphagnum), die schwammartig das Wasser speichern. Ein Hochmoor produziert im Schnitt acht Tonnen Pflanzenmasse pro Hektar und Jahr. Durch die stete Ablagerung von Torf wächst das Moor ständig in die Höhe. Der pH-Wert ist sehr niedrig. Aus diesem Grunde siedeln sich auch nur darauf spezialisierte Pflanzen- und Tierarten an.

.) Das Niedermoor

Niedermoore sind grundwassergenährte Landschaften in Senken, Mulden, Flussniederungen, verlandete Seen oder Quellwasseraustritte. Diese Moore benötigen die Wasserzufuhr nicht nur durch Niederschläge, sondern auch durch Grund- oder Quellwasser. Die Torfschicht am Boden ist zumeist dünn, da diese Moore ab und an zumindest teilweise trockenfallen, da es an das nährstoffreiche Grundwasser gebunden ist. Hierdurch steigt das Moor auch nicht in die Höhe an, es verbleibt in Höhe des Grundwasserspiegels. Niedermoore sind wahre Nährstoffoasen, weshalb sich hier auch die meisten Pflanzen- und Tierarten finden. Ein Niedermoor produziert pro Hektar und Jahr rund 16 Tonnen Pflanzen-masse. Der ph-Wert liegt zwischen 3,5 und 7,0.

.) Das Übergangsmoor

Entwickelt sich ein Nieder- zum Hochmoor, so bezeichnet dies der Experte als Übergangs- oder auch Zwischenmoor. Es bezieht das Wasser sowohl aus dem Grundwasser als auch den Niederschlägen. Sofern genügend Regenfälle vorhanden sind, entwickelt sich das Nieder- zum Hochmoor.

Hydrologisch gibt es noch weitere Unterteilungen in etwa Quell-, Hang-, Versumpfungs-, Verlandungsmoore etc., ökologisch in bespielsweise Sauerarm-, Sauerzwischen-, Basenzwischenmoor etc.

Die Pflanzen- und Tierwelt in Moorlandschaften ist einzigartig, da es sich um wahre Spezialisten handelt, die mit teils widrigsten Lebensumständen zurecht kommen müssen.

Torfmoose (Sphagnum)

Wie bereits beschrieben, haben diese Moose eine ganz entscheidende Bedeutung beim Übergang der Nieder- zu Hochmooren. Sie benötigen nur ganz wenige Nährstoffe und kommen mit den extremen Verhält-nissen perfekt zurecht. Torfmoose geben Wasserstoffionen ab. Dies steigert den Säuregehalt, wodurch andere Pflanzenarten nicht mehr wachsen können. Während die lebende Schicht nach oben wächst, stirbt die untere Schicht aufgrund des Sauerstoffmangels und sinkt auf den Boden ab – Torf entsteht.

Moor-Birke (Betula pubescens)

Die Moor- oder auch Haar-Birke gibt der Moorlandschaft zumeist ihr typisches Bild. Sie passt sich sehr rasch den Verhältnissen an. Zu finden aber ist sie meist in Moorwäldern oder den trockenen Bereichen der Hochmoore.

Rosmarinheide (Andromeda polifolia)

Die Rosmarinheide ist vornehmlich auf stickstoffarmen Böden der Hoch- bzw. Heidemoore präsent. Die Nährstoffe und das Wasser bezieht sie aus einer Symbiose mit den Mykorrhizapilzen, die sich an den Wurzeln der Rosmarinheide ansiedeln. Diese erhalten im Gegenzug die Assimilate aus der Photosynthese.

Sonnentau (Drosera rotundifolia)

Diese Pflanze zählt wie rund 130 andere Arten auch zur Familie der Droseraceae – den fleischfressenden Pflanzen. Sie deckt ihren Stickstoff-bedarf durch das Fangen und Verdauen von Insekten. Der Sonnentau verwendet dafür eine der klebrigsten Substanzen der Pflanzenwelt.

Geflecktes Knabenkraut (Dactylorhiza maculata)

Hier haben wir es mit einer wahrhaftigen Orchidee zu tun. Auch das Gefleckte Knabenkraut benötigt die Symbiose mit speziellen Wurzel-pilzen. Den Namen hat sie von den runden Flecken auf der Blattoberseite. Die Blüten sind rosa bis violett und zwischen Mai und August zu bewundern. Die Pflanze wird bis zu 60 cm hoch, sie liebt leicht sauren Magerrasen oder lichte Wälder. Das Gefleckte Knabenkraut steht unter strengem Artenschutz.

Ausserdem zu finden sind: Das Wollgras (Eriophorum vaginatum), die Rauschbeere (Vaccinium uliginosum), die Gewöhnliche Moosbeere (Vaccinium oxycoccos, syn. Oxycoccus palustris Pers.), der Sumpf-Bärlapp (Lycopodiella inundata), die Besenheide (Calluna vulgaris), die Glockenheide (Erica tetralix) uvam.

Die grösste Gefahr für die Moore stellt die Trockenlegung dar. Ganze Landstriche wurden in der Vergangenheit ausgetrocknet. Immer wieder entstehen deshalb Torfbrände, wie heuer im belgischen Naturschutz-gebiet Hohen Venn.

Vornehmlich die Landwirtschaft zerstört die grössten Flächen für die Landgewinnung, gefolgt von der Forstwirtschaft. Aber auch die Industrie greift mit vollen Händen ein: Verrichteten früher die Torfstecher diese Arbeit, so wird in der Gegenwart der Torf maschinell abgebaut um dadurch wichtige Substrate für den Gartenbau zu gewinnen.

Moore sind einzigartige Ökosysteme, die nicht nur für viele bedrohte Pflanzen- und Tierarten das für sie so wichtige Rückzugsgebiet darstellt. Als Wasserrückhalteflächen haben Moore zudem eine enorm wichtige Bedeutung für den Wasserhaushalt dieser Gebiete. Verschwindet das Moor, sinkt auch der Grundwasserspiegel ab, da Niederschläge nicht mehr gespeichert werden und zumeist oberflächig abfliessen. Und zudem speichern Moorlandschaften enorme Mengen an Kohlenstoff (nahezu doppelt so viel wie die Wälder weltweit). Dadurch wird weniger des Treibhausgases CO2 abgegeben. Wird nur ein Hektar Moorlandschaft zerstört, so setzt dies soviel Kohlendioxid frei wie bei einer 4,5 maligen Erdumrundung eines PKWs mit Verbrennungsmotor. Das Moor wirkt somit als entscheidender Faktor gegen die Klimaerwärmung.

„Losgelöst von einer internationalen Moor-Lösung droht die Wirkung jedoch zu verpuffen und Probleme wie den großflächigen Torfabbau nur überregional zu verschieben.“

(Agnes Zauner, Global 2000-Geschäftsführerin Österreich)

Am 2. Februar wird der „World Wetlands Day“ (Tag der Feuchtgebiete) gefeiert. An diesem Tag soll im Gedenken der durch die UNESCO angestoßenen und am 02. Februar 1971 getroffenen Ramsar-Verein-barung auf die Bedeutung der Moore hingewiesen werden. Schliesslich spüren wir es inzwischen unmittelbar aufgrund der ausbleibenden Regenfälle im Sommer. Die Wasserknappheit ist alsdann einmal mehr durch den Menschen verursacht. Der Schutz der wichtigen Moore ist auch in der Alpenkonvention bzw. der „Moorstrategie Österreich 2030+“ niedergeschrieben. Das Ziel stellt eine „Wiedervernässung“ ehemaliger Moorflächen dar. Erste Erfolge konnten auch bereits vorgewiesen werden: So wurde im Naturschutzgebiet Weisser Graben in Niedersachsen durch den NABU und die Volkswagen Leasing GmbH das Lichtenmoor wiedervernässt. Weitere Projekte stehen in den Moorlandschaften Nordrhein-Westfalens oder auch dem sog. „Theikenmeer“ mit dem angrenzenden Hochmoor „Wehmer Dose“ auf dem Hümmling in Niedersachsen an – beide Regionen zählen zu den ältesten bzw. schönsten Naturschutzgebieten Deutschlands.

Filmtipps:

.) Magie der Moore; Jan Haft 2015

.) Planet Wissen „Faszination Moor“

.) Planet Wissen „Moore und der Klimawandel“

.) Planet Wissen „Das Moor – Kulturlandschaft und Klimafaktor“

Lesetipps:

.) Deutschlands Moore: Ihr Schicksal in unserer Kulturlandschaft; Michael Succow, Lebrecht Jeschke; Natur & Text 2022

.) Moore in der Landschaft: Entstehung, Haushalt, Lebewelt, Verbreitung, Nutzung und Erhaltung der Moore; M. Succow, L. Jeschke; Urania 1990

.) Landschaftsökologische Moorkunde; M. Succow u. a.; Schweizer-bart’sche Verlagsbuchhandlung 2001

.) Auen, Moore, Feuchtwiesen; Gefährdung und Schutz von Feucht-gebieten; Gabriele Colditz; Birkhäuser Verlag 1994

.) Moor- und Torfkunde; Karlhans Göttlich; E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung

.) Botanisch-Geologische Moorkunde; Fritz Overbeck; Wachholtz, Neumünster 1975

.) Sümpfe und Moore – Biotope erkennen, bestimmen, schützen; Hrsg.: Claus-Peter Hutter; Weitbrecht Verlag 1997

.) Altes Naturheilmittel Moor – Neues Wissen für die praktische Anwendung; Christa Klickermann, Petra Wenzel; Klickermann 2003

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Das Problem mit den Führern

„Folge mir, ich bin dein Alphatier
Alphatiere können nicht verlieren
Glaube mir, ich bin ein Alphatier
Alphatiere können nicht verlieren!“

(Marius Müller-Westernhagen – „Alphatier“)

Es gibt sie, und es gibt sie nicht. Viele wollen es sein, werden es jedoch nie. Ist man es nicht, so brauchen einige Gewalt um es sein zu können! Was geht eigentlich in den Köpfen dieser Rudelführer, dieser Alphatiere vor?
Herzlich willkommen zu einem kurzen Ausflug in die Gruppentypologie!
Alpha ist der erste Buchstabe des griechischen Alphabets – auch wenn derzeit viele denken, es wäre „Π“ (Pi) wie Putin! In der Verhaltens-forschung spricht man von einem Alphatier, wenn es eine Herde, ein Rudel oder auch einen Schwarm anführt. Das Leittier ist meist das grösste und kräftigste seiner Art, da es viele Kämpfe gegen Widersacher bestehen muss. Alphatiere sind in der Regel männlich und auch sexuell die aktivsten in ihrer Gruppe. Zuhauf lassen sie kein zweites Männchen im Umfeld bestehen. Im Hühnerstall ist es der Hahn, der mit scharfen Krallen und Schnabel auf Gegner losgeht, in der Herde der Steinböcke der Leitbulle, der seine Kontrahenten bei unglaublichen Machtkämpfen aus der Herde verbannt und bei den Gorillas der Silberrücken, der zuerst durch das Trommeln auf den Brustkorb oder die Erde aufzeigt, wo der Bartl den Most herholt. Man möchte meinen, dass es beim Menschen der Intelligenteste ist, der ein Volk anführt. Doch – weit gefehlt. Schliesslich kommen bei der sog. „Krone der Schöpfung“ noch unzählige weitere Eigenschaften in’s Spiel, die ein derartiges Gruppenverhalten gewaltig aus den Fugen bringen können.
Eine dieser Eigenschaften ist die „Autorität“. Neben den Griechen waren die alten Römer jenes Volk mit der am besten funktionierenden Gesell-schaft. Sie haben aus den Fehlern der Griechen gelernt und versucht, diese auszumerzen. Deshalb gab es Rechte und Pflichten der Bürger, die auch deren Positionierung im Rahmen der Gesellschaft ganz eindeutig regelten. Eigens hierfür wurde die sog. „auctoritas“ eingeführt. Der Imperator („Cäsar“) war die höchste Autorität im Staate. Sein Wort entschied über Sein oder Nicht-Sein. Mit dem Senat gab es eine (schein-)demokratische Einrichtung, die ebenfalls sehr mächtig war – der Autorität des Imperators allerdings in keinster Weise gleich kam! Jeder Kaiser nun versuchte, jene Senatsmitglieder, die ihm unpässlich zu sein schienen, durch getreue Gefolgsleute zu ersetzen. Nach wie vor das Wesen der heutigen Diktatoren – aber auch der Führungskräfte in einem Unternehmen: Mit dem CEO wechseln meist auch die anderen Führungs-positionen. Schliesslich braucht der neue Chef ja loyale Mitarbeiter, die nicht an seinem Stuhl sägen. Der Geschäftsführer beauftragt seinen Personalchef jenen Mitarbeiter zu finden, der intelligent, kompetent und strebsam ist, der gut mit seinen Mitarbeitern kann und deshalb auch immer wieder von diesen angesprochen wird. Dem Grosses vorausgesagt wird, der auch im Management beliebt ist! Um ihn zu entlassen! Nicht zuletzt könnte er zur Gefahr des Rudelführers werden.
Der deutsche Jurist und Nationalökonom, aber auch Soziologe aus Leidenschaft, Max Weber, beschäftigte sich zwischen dem auslaufenden 19. Jahrhundert und dem Ende des 1. Weltkrieges vornehmlich mit dem „Idealtypus“, aber auch dem „Moralischen Handeln in der Gesinnungs- und Verantwortungsethik“. Viele seiner Definitionen finden auch heute noch in der Soziologie, der Wirtschaft und Politik Anwendung. So etwa die Aufteilung der unterschiedlichsten Autoritäten nach den charakteris-tischen Charismatisierungsquellen – in diesem Falle grob vereinfacht:

.) Charakter-Autorität (persönliche Autorität)
.) Behörden-Autorität (gegebene Autorität)
.) Kompetenz-Autorität (wissende Autorität)

Durch Spezialisten aus den unterschiedlichsten Wissensbereichen, wie etwa Jane Elliott und Erich Fromm (Pädagogik) oder Gerard Mendel (Soziopsychoanalyse) wurde dies noch verfeinert, differenzierter darge-stellt.
Das klassische Alphatier nun wäre jener, der nur auf der Charakter-Autorität aufbaut und sich die beiden anderen Autoritäten zu nutze macht. Sei es durch Gefolgsleute, Berater oder andere Möglichkeiten. Allerdings kämpfen in unseren Breitengraden die Anführer des Volkes nicht wie in anderen Regionen dieser Welt noch mit dem Schwert gegeneinander, um zu sehen, wer der Stärkere ist. Sie lassen sich bis zu einem gewissen Punkt die Autorität durch die Gesetze geben, danach formen sie die Gesetze nach eigenem Gutdünken. Die eigentlich wichtigste Autorität, die Wissenskomponente, bleibt dabei meist den Beratern überlassen – leider! Versagt dann die Kompetenz, weil Flüsterer verstossen werden, selbst davon laufen oder vielleicht doch nicht wirklich kompetent waren, so setzt die Charakterautorität zunehmend auf Gewalt, um sich Gegner vom Leibe zu halten und hierdurch die erarbeitete Rolle oder Position verteidigen zu können. Sie fallen wieder auf das Niveau der Steinböcke, die mit ihren Köpfen voran aufeinander zurennen und dies wiederholen, bis einer der beiden durch die Schmerzen des ständigen Aufpralls klein bei geben muss. Einzig die Methode unterscheidet Menschen wie Hitler oder Stalin bzw. auch Kim Jong-un oder Putin von den Tieren: Sie lassen kämpfen und treten selbst nurmehr nach, wenn der Andere schon auf dem Boden liegt!
Die meisten wirklichen menschlichen Alphatiere bauen also auf einem sehr gesunden Selbstvertrauen mit einem klar definierten Ziel auf, das sie erreichen wollen, sowie einer ordentlichen Portion der Selbstpräsentation, der Selbstdarstellung. Ein Alpha benötigt immer das Publikum, den Spot auf der grossen Theaterbühne – perfekt etwa beim Österreicher Richard „Mörtel“ Lugner zu sehen, der sich auch nicht davor gescheut hat, auf Schritt und Tritt von Kameras begleitet zu werden; Peinlichkeiten mit einem Lächeln preisgebend, die besser hätten verschwiegen werden sollen. Aufmerksamkeit – koste es, was es wolle! Fehler machen dabei nur die anderen, Hindernisse werden aus dem Weg geräumt. So soll der ehemalige Daimler-Vorstandsvorsitzende Dieter Zetsche einst gegenüber einem Unternehmensberater betont haben, dass Daimler nicht ohne ihn, er aber ohne Daimler könne! Alter Schwede! Die Realität hat ihn wohl eingeholt! Jene Menschen allerdings, die dies alles ermöglichen, werden niemals in den pubilzierten Erfolg eingeschlossen. Wladimir Putin etwa baut auf einem ganzen Stab ihm treuest untergebener Gefolgsleute auf („Silowiki“), ohne die seine derzeitige Stellung gar nicht machbar wäre. Und einer der treuesten ist (oder war?) ohne Zweifel Dmitri Anatoljewitsch Medwedew, der dem ehemaligen KGB-Offizier den Stuhl im Kreml warm hielt, als dieser per Gesetz nicht mehr kandidieren durfte – ein Gesetz, das inzwischen geändert wurde. Medwedew kündigte am 15. Januar 2020 den Rücktritt seiner Regierung an, als sein Förderer erneut Verfassungs-änderungen beabsichtigte, die mit seinem Regierungsende im Jahr 2024 im Zusammenhang standen. War ihm dies zu viel oder reine Taktik? Schliesslich ist Medwedew seit 2012 nach wie vor Chef der Putin-Partei „Einiges Russland“ (Putin selbst ist kein Partei-Mitglied) und seit 2020 stellvertretender Leiter des Sicherheitsrates. Widerspricht nun einer dieser Stabsoffiziere, so verliert er seine Existenzberechtigung in diesem Kreis der Privilegierten. Putin ist somit der Prototyp des modernen Leittiers: Intelligent, zielstrebig, makellos, strategisch durchtrieben und lässt für sich kämpfen. Einziger Makel: Die geschiedene Ehe mit Lyudmila Ocheretnaya – denn Alphas machen ja keine Fehler! Doch wendete er sich – wie der Boulevard berichtet – sehr rasch der wesentlich jüngeren Rhythmischen-Sportgymnastin Alina Kabajewa zu, die von ihm mit Auszeichnungen überhäuft und mit hohen Ämtern betraut wurde. Auch dies passt ausgezeichnet in das Bild der Alphas: Ihre Frau ist die Schönste, Beste, Bewundertste – doch stets untergeben! Kabajewa aller-dings ist seit 2018 spurlos von der Bildfläche verschwunden. Angeblich soll sie mit Putins Kindern (Zwillingsmädchen und zwei Söhne) in einem privaten Chalet in der Schweiz gewohnt haben und nun in der Stadt Waldai im Nordwesten Russlands leben.
Viele dieser speziellen Alpha-Macht-Menschen stehen derzeit in einer Warte- und Lauerstellung. In der Branche der Berufspolitiker besonders gefährlich, lässt sich doch das Volk sehr rasch beeinflussen und vergisst vieles binnen kürzester Zeit! Perfektes Beispiel: Der ehemalige griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras hat seinen Wählern wieder goldene Zeiten, Schokoladebrunnen sowie eine schallende Ohrfeige für die ach so böse EU versprochen, wenn er gewählt worden wäre. Bis zu seiner Abwahl im Jahr 2019 jedoch glich er eher dem Ritter von der traurigen Gestalt, der gegen die Windmühle kämpft. Trotzdem hatten viele seiner Landsleute den Glauben an ihn nicht verloren, da sich die Wut gegen die Sparmassnahmen dermassen aufgestaut hat, dass sie dem krawattenlosen Vorzeige-Linken alles abnehmen würden. Tsipras war derjenige, der die Krise meistern wird – er ist der Leitwolf!
Auch in der Wirtschaft gibt es immer wieder derartige Fälle. Traditions-unternehmen gehen den Bach runter, da keiner der Berater dem Rudelführer widerspricht und dieser selbst bekanntlich fehlerlos ist. So sprangen viele auf die Energiewende und die sich dadurch bietenden Möglichkeiten auf. Wenn sie auch anfänglich vielleicht Erfolge damit einheimsen konnten, so bekamen sie schon sehr bald den rauhen Wind der chinesischen Billigkonkurrenz zu spüren und mussten schliessen. Oder wurden durch Investoren übernommen, welche die Pokerkarten nach einer gewissen Zeit durch ein neues Päckchen ersetzen.
Alpha-Männchen bilden mit ihren Alpha-Weibchen das sog. Alpha-Pärchen. Wir kennen das ja zur Genüge aus den US-amerikanischen College-Filmen: Der Quarterback des Schul-Footballteams mit der Anführerin der Cheerleaders! Bei nur ganz wenigen Arten (Mufflons, den Bergzebras, den Kattas, …) werden die Herden von Alpha-Weibchen geführt. In der Rangordnung geht es dann weiter mit den Beta- bis hin zu den Omega-Tieren. Interessant ist inzwischen die Erkenntnis, dass in einem Rudel Wölfe zwar die Elterntiere die Führungsfunktionen übernehmen – tatsächlich aber nur selten autoritär auftreten. Ansonsten herrscht ein soziales Gefüge – entgegen der bisherigen Auffassung, dass jedes Rudel nur einen Anführer hat.
Ein Alpha-Tier ist und bleibt ein Alphatier – vollkommen egal, in welcher Situation es sich befindet. Somit ist es beispielsweise erklärbar, dass viele Frauen solcher Männer lieber alleine zum Einkaufen gehen, da der Alpha – auch wenn er zum ersten Mal dabei ist – ansagt, was einzukaufen ist und was benötigt wird. Dies gilt selbstverständlich auch für die Arbeit – die Kollegen sind nur der lästige Rest, mit dem sich ein solches Leittier abfinden bzw. gar quälen muss. Somit wird die immer wieder in den Stellenausschreibungen enthaltene Eigenschaft der „Teamfähigkeit“ für ein Alphatier ad absurdum geführt. Erfahrene Headhunter können nach nur wenigen Augenblicken solche Rudelführer von der Masse der anderen unterscheiden: Während etwa der Beta-Bewerber etwas nach seitlich gebeugt auf dem Stuhl sitzt und nickend zustimmt, sitzt der Alpha-Bewerber kerzengerade ohne sich anzulehnen. Er scheut auch davor nicht zurück, den Headhunter zu unterbrechen und seine Meinung durchzu-setzen. Zudem glänzt er mit der Schilderung seiner bisherigen schulischen oder beruflichen Erfolge. Dass dabei nur das Positive vermittelt wird, steht ganz ausser Frage. Betonte doch der bereits erwähnte Daimler-Chef Dieter Zetsche ebenfalls einem Headhunter zischend gegenüber, dass er grundsätzlich nur erfolgreiche Unternehmen führt! Manches Mal ist ein solches Alphatier in einer Abteilung recht sinnvoll. In den meisten Fällen aber gibt es aufgrund seiner Dominanz Probleme. Kollegen, v.a. aber Kolleginnen werden eingeschüchtert, die Kreativität der ganzen Gruppe eingeschränkt, da ja nur die Meinung des Rangersten zählt. Dies kann schon mal fatale Folgen haben, wenn dieser die Gruppe aus welchen Umständen auch immer verlässt! So kann eine hochqualifizierte Arbeitsgemeinschaft wirtschaftlich unnütz werden, da es niemand mehr gewohnt ist, eigenständig zu arbeiten, seine Ideen einzubringen. Die Arbeit ist keine One-Man-Show – zumindest nicht offiziell! Hinter den Linien weiss jeder, dass auch eine Einzelperson eine Gruppenarbeit wesentlich schneller und effizienter erledigen kann. Doch gilt jener als überheblich, der gerne seine eigenen Ideen umsetzen und für das Resultat alleine verantwortlich sein möchte – könnte ja an der Position des Alphatieres arbeiten!!! Im Zusammenspiel der Abteilungen hingegen zählt unbestritten die Zusammenarbeit. So kann der Vertrieb erst dann etwas auf den Weg bringen, wenn der Einkauf, die Produktion, das Marketing und auch der Verkauf funktioniert hat! Es ist nicht alleine der Verdienst des Verkaufs, wenn ein Unternehmen gut läuft. Auch nicht der Geschäftsführung. Hier spielen die unterschiedlichsten Faktoren zusammen. Schliesslich könnte der CEO nicht auf dermassen gute Leute zurück greifen, wenn der Personalchef nicht ein derart gutes Händchen bewiesen oder der Ausbildner nicht aus den Lehrlingen so gute Mitarbeiter gemacht hätte. Auch solche Löwen, die es gewohnt sind, laut zu brüllen, sollten sich besinnen, dass sie ihre Kollegen brauchen, andere Herangehensweisen sollten in’s Kalkül gezogen werden – somit sind auch die Ideen der Gruppenmitglieder wichtig – nicht nur jene des Anführers. Zeigt sich dabei der Rudelführer zwar als charismatisch, jedoch als inkompetent, verliert nämlich die Gruppe an Kreativität, an Flexibilität und an Innovation. Hier nun kommt der Big Boss in’s Spiel, der nicht unbedingt ein Alphatier sein muss, jedoch die Behörden-Autorität vorzuweisen hat. Ein guter Unternehmensleiter, Vereinspräsident, Direktor,… schafft es, „die Stärken ihrer Mitarbeiter zu aktivieren und Schwächen zu kompensieren!“ (Wirtschaftspsychologe Dr. Albert Nussbaum). Gilt übrigens auch für jeden einzelnen Lehrer: Es gibt durchaus Schüler, die mehr drauf haben als die Pädagogen. Sie einzuschränken, ist ein Fehler. Sie zu fördern der Sinn dieses Berufes!
Und trotzdem regt sich zumindest bei mir so etwas wie Mitleid: Während sich Beta-Tiere auch anderen Tätigkeiten zuwenden können, sind Alphatiere immer nur damit beschäftigt, die Position gegenüber Widersacher verteidigen zu müssen. Da fällt mir in diesem Zusammen-hang ein Spruch eines meiner Namensvetter, Oskar Stock, ein:

“Nichts ist anstrengender, als immer Recht haben zu müssen!“

Um das bisher eher etwas abstrakt Beschriebene nun zu untermauern – hier einige praktische Beispiele:
.) Dieser Tage sah ich zwei Katzen auf der Strasse. Die eine (das Alpha-Tier) nahm Kampfhaltung ein und war zum Absprung bereit. Die andere (das Beta-Tier) marschierte langsam und gemütlich in einiger Entfernung vorbei – sie wollte nicht kämpfen!
.) In der Gruppe des Alphas kommt ein neues Mitglied hinzu – ein ausgezeichneter Tischtennis-Spieler. Der Rudelführer wird natürlich einmal diesen Tischtennisspieler herausfordern, schliesslich kann er ja alles besser als die anderen. Nachdem er eine volle Abfuhr erfahren hat (selbstverständlich vor Publikum), wird er wie ein Verrückter trainieren. Ab dem Zeitpunkt jedoch, an dem er erkennen muss, dass es keinen Sinn mehr macht, ist das Thema gestorben. Ganz nach dem Motto: „Wen interessiert schon Tischtennis! Ist doch sowieso nur ein Spiel! Viel wichtiger scheint doch wohl, den Zusammenhang zwischen Protestan-tismus und Führungspositionen nach Max Weber zu kennen. Dann schicke ich als Katholik meinen Nachwuchs nicht auf eine humanistische sondern auf eine naturwissenschaftliche Schule, damit aus ihm mal etwas wird!“ Übrigens – Leistungssportler sind meist nur in einer Sportart wirklich gut, da sich die Trainingsmethoden beispielsweise eines Marcel Hirschers komplett von jenen eines Michael Phelps unterscheiden.
.) Das Alphatierchen hat vom Urlaub eines Beta-Tierchens erfahren, der beim Schnorcheln am Barrier Reef einem Kugelfisch in die Augen geschaut hat. Das Alphatier hingegen bucht für den nächsten Urlaub Bali und badet dort in einer heiligen Quelle. Die weltweite Empörung entlockt ihm nur ein müdes Lächeln.
.) Das Loch in der Strasse ist das einzige auf 5 Kilometer. Das Beta-Tier fährt zwar hinein, denkt sich aber nichts dabei. Der Alpha fährt ebenfalls zielsicher hinein und wird fuchsteufelswild. Schliesslich haben die anderen ihn beobachtet, wie und wo er diese Stelle passiert und haben dort mit der Spitzhacke ein Loch reingemacht. Und – das Omega-Tier kehrt um, nachdem es mit seiner Klapperkiste in das Loch gefahren ist, und fährt noch fünfmal hinein. Schliesslich ist es ja seine Bestimmung, kein Loch auszulassen!
Zuletzt noch eine beiläufige Bemerkung für all jene unter Ihnen, die – mit der Aussicht auf einen Führungsposten – beim nächsten Vorstellungs-gespräch voll den Alpha markieren, darstellen, schauspielern oder was auch immer. Unternehmensberater oder auch Personalchefs gleichen das Persönlichkeitsprofil mit dem Anforderungsprofil der Position ab. Die wirklich guten HR-Spezialisten hingegen wissen, dass dieses Anforderungsprofil bereits in kurzer Zeit überholt sein könnte. Sie müssen also vorausplanen und abchecken, inwieweit ein Bewerber das Unternehmen weiterbringen wird – auch wenn er vielleicht nur in speziellen Punkten diesem Anforderungsprofil entspricht. Auf diese Weise greifen sich auch die vielgerühmten Headhunter aus dem Pool heraus, wen sie gerade benötigen: Was hat diese Person bisher in seiner Arbeit bewirkt! Die Krawatte ist hier nur Beiwerk!

Lesetipps:

.) Das Faszinosum Max Weber. Die Geschichte seiner Geltung; Karl-Ludwig Ay, Knut Borchardt (Hrsg.); UVK; Konstanz 2006
.) Max Weber und Heinrich Rickert – Die erkenntnistheoretischen Grund-lagen der verstehenden Soziologie; Peter-Ulrich Merz-Benz; VS Verlag für Sozialwissenschaften; Wiesbaden 2008
.) Auge in Auge mit dem Wolf: 20 Jahre unterwegs mit frei lebenden Wölfen; Günther Bloch, Peter A. Dettling; Franckh-Kosmos Verlag, Stuttgart 2009
.) Was ist Autorität? Einführung in die Logik der Autorität; Joseph Maria Bocheński; Herder; Freiburg 1974

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Wo bleibt denn die Buchstabenfee???

Eigentlich wollte ich diese Woche an hiesiger Stelle ein Best-of von Posts aus den Social Medias bringen – ganz nach dem Motto: Nix Deitsch, nix Arbeit und nix Wohnung! Sozusagen als Nachschlag zu den hervor-ragenden PISA-Ergebnissen von Deutschland und Österreich. Allerdings käme ich damit in eine mehr als ungemütliche Zwickmühle: Einerseits dürfen in den Social Medias belastende Aussagen nur nach vorher-gehender Anonymisierung weitergeleitet werden, andererseits bin ich jedoch verpflichtet, Zitate als solche zu kennzeichnen und die Quelle anzugeben! Was also tun?

Die Studie war für eine Woche Thema, doch inzwischen leider wieder vom Bildschirm verschwunden. Das darf nicht sein, schliesslich geht es um die Zukunft einer ganzen nachfolgenden Generation! Deshalb auch von mir einige Gedanken zu diesem Thema nach dem grossen Sturm!

Fiel im 20. Jahrhundert das Wort “Pisa”, so dachten wohl die meisten unter uns an den Schiefen Turm, Sonne, italienisches Flair und vielleicht so manch einer auch an Pizza und Pasta! Das allerdings hat sich in den Jahren seit der Jahrtausendwende schlagartig geändert, denn der Schiefe Turm ist zwischenzeitlich umgefallen – zumindest bildungstechnisch!!!

Unter ”PISA” verstehen der Eingeweihte bzw. Interessierte inzwischen eine Erkenntnis, die alle drei, künftig vier Jahre eintritt, wenn eine spezielle Studie veröffentlicht wird: Die Erkenntnis, dass es mit der Bildung in den zivilisierten Staaten offenbar bergab geht! Doch wäre es verfrüht, vom Untergang Roms zu sprechen, denn noch kann der Karren aus dem Schlamm gezogen werden – mit gemeinsamen Bemühungen! Im drei-jährigen Zyklus veröffentlicht die OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) das ”Programme for International Student Assessment”; Schuluntersuchungen, die messen sollen, was unsere 15- bzw. 16-jährigen Kinder eigentlich alles draufhaben, wenn es um die alltags- und berufsrelevanten Kenntnisse geht! Offiziell heisst dies: ”das Wissen, die Fähigkeiten, die Kompetenzen, … die relevant sind für persönliches, soziales und ökonomisches Wohlergehen” (OECD 1999). Dabei soll das Wissen bereichsspezifisch eingesetzt werden um authen-tische Probleme zu lösen. Soll heissen, die Aufgaben werden in “Persön-liche oder kulturelle Kontexte eingebettet!”. Die Aufgaben werden teilweise in Multiple Choice oder als offene Fragen gestellt. In jedem teilnehmenden Staat werden zumindest 5.000 Stichproben gezogen, die Studien selbst im Auftrag der Regierungen durchgeführt und sind beliebig erweiterbar – etwa durch Bundesländervergleiche (PISA-E) oder ein nochmaliges Testen derselben Klasse ein Jahr später (PISA-International Plus) bzw. auch durch die Hinzunahme der Eltern (PISA-Elternstudie). Dabei werden insgesamt drei Bereiche abgefragt: Lese-kompetenz, Mathematik und Naturwissenschaften! Mittels Schwerpunkt-setzung sollen diese auch alle drei bzw. vier Jahre betont werden: Lesen, Mathematik, Naturwissenschaften und schliesslich wieder Lesen! Damit sind wir in der Gegenwart gelandet: Beim letzten Test 2025 stand eigentlich die Naturwisssenschaftskompetenz im Schwerpunkt. Daneben wurde auch das „Lernen in der digitalen Welt” und damit die Kompe-tenzen beim computergestützten Problemlösen überprüft (ausser in den Ländern Kurdistan/Irak, Kambodscha, Mauritius, Ruanda, Duschanbe/Tadschikistan und Sambia). Doch auch das geschriebene Wort wurde einbezogen. Und da erlebte dieser Tage so mancher Bildungs-Verant-wortliche sein blaues Wunder! Weltweit nahmen dieses Mal 91 Länder teil (2023 waren es noch 81), darunter alle “43 OECD-/EU-Länder”. Rund 760.000 Schüler/-innen beteiligten sich daran. In Deutschland waren es rund 6.700 aus 250 Schulen, in der Schweiz rund 7.200 aus 300 und in Österreich 6.987 per Zufalls-Code ausgesuchte Probanden aus 265 Schulen.

Hier die diesjährigen Ergebnisse:

.) OECD-Durchschnitt:

Naturwissenschaften 482 Punkte

Lesekompetenz 461 Punkte

Mathematik 463 Punkte

.) Deutschland:

Naturwissenschaften 486 Punkte

Lesekompetenz 465

Mathematik 464

.) Österreich:

Naturwissenschaften 497 Punkte

Lesekompetenz 467 Punkte

Mathematik 477 Punkte

.) Schweiz:

Naturwissenschaften 501 Punkte

Lesekompetenz 470 Punkte

Mathematik 499

China führt die Liste an – da ich diesen Zahlen jedoch nicht ganz traue – hier jene des Zweitplatzierten zum Vergleich:

Singapur:

Naturwissenschaften 560

Lesekompetenz 535

Mathematik 563

Obgleich alle drei deutschsprachige Staaten – wenn auch nur leicht!) über dem OECD-Mittel liegen, zeigt uns der Vergleich mit Singapur vor allem Eines auf:

ES GIBT VIEL LUFT NACH OBEN!!!

In Deutschland herrscht Bildungs-Katerstimmung – es sind die mit Abstand schlechtesten Zahlen, die jemals beim PISA-Test erreicht wurden.

“Wir sind zwar nicht dramatisch abgehängt. Aber wir werden unserem eigenen Anspruch als Bildungsnation nicht gerecht. Wir spielen nicht mit unter den Top-Staaten!”

(Univ.-Prof. Samuel Greiff, Leiter des Zentrums für internationale Bildungsvergleichsstudien ZiB an der Universität München)

Jubel im Alpenstaat? Weit gefehlt – es gilt, noch viel anzupacken. So spricht etwa Bildungsminister Christoph Wiederkehr (Neos) von “Licht und Schatten”. Österreich befinde sich zwar bei den Naturwissenschaften im Spitzenfeld, bei der Lesekompetenz und Mathematik ortet er aber “einen signifikanten Rückgang von Grundkompetenzen”, was in weiterer Folge auch zu einem Handlungsbedarf führe.

Im Vergleich zu Deutschland und Österreich schneiden die Schweizer zwar nicht wesentlich, so aber dennoch besser ab. Doch auch hier sinkt das Niveau. So fordert etwa der Schweizerische Arbeitgeberverband, “die Grundkompetenzen wieder stärker ins Zentrum zu rücken. Unternehmen stellten insbesondere beim Schreiben und in der Mathematik seit Jahren grössere Defizite bei Lernenden fest.”

Ursachen gibt es derer viele – so war etwa 2023 die Pandemie der aus-schlaggebende Faktor. Heuer sehen die Experten vornehmlich zwei Probleme: Der soziale Unterschied und die Herkunft! Kinder bzw. Jugendliche aus besseren Verhältnissen haben ganz andere Möglichkeiten und Lebensabläufe als jene, die aus ärmlicheren Verhältnissen stammen. Und: Wird in Familien mit Migrationshintergrund zuhause kein Deutsch gesprochen – wie soll das Kind/der Jugendliche dies dann nachholen und verbessern können?

Allerdings darf auch Eines nicht ganz ausser Acht gelassen werden:

“Kinder und Jugendliche, die bis spät in den Abend soziale Medien nutzen oder algorithmisch getriggert, aufwühlende Videos konsu-mieren, werden vom gesunden Schlaf abgehalten!”

(Dr. Michael Hubmann, Präsident des Berufsverbandes der deutschen Kinder- und Jugendärzte BVKJ)

Alle drei Meinungen gelten anscheinend über die Grenzen hinaus auch für die vornehmlich die Rechtsparteien-Wählenden, wenn man deren Äusserungen so liest und mit Wahl-Analysen vergleicht.

Wie alsdann 2023, nach der letzten PISA-Studie, tobt auch heuer wieder die Opposition und die Regierungen versprechen Reformen im Bildungs-system.

Die Wissenschafter betonen immer wieder, dass PISA nicht etwa als Leistungsranking anzusehen ist. Vielmehr sollen Stärken und Schwächen der einzelnen Bildungssysteme ausfindig gemacht werden! Alle drei Jahre wird somit eine neue Diskussion über den Bildungssektor eingeläutet. Hierbei treffen die Meinungen von Experten beinhart aufeinander. Dabei sollte allerdings eines nicht vergessen werden: Der Jugendliche selbst! Er steckt mitten in der Sturm-und-Drang-Phase der Pubertät. Somit sollte dies in die Ursachenforschung mit einbezogen werden: Den Unterricht für diese Altersgruppe interessant zu machen, den Unterricht erlebenswert aufzubauen! Das stupide Stucken, das unsereins noch machen musste um das Abitur/die Matura zu bestehen – das sind Unterrichtsmethoden aus dem Jahr Anno Schnee!!!

Nettes Detail am Rande: Die PISA-Studie wurde von einem Deutschen entwickelt, dessen schulische Leistungen in der Grundschule einen Wechsel ins Gymnasium nicht zuliessen!

PS: Tipp- und Rechtschreibfehler sind durchaus beabsichtigt; schliesslich kommt der Autor aus Österreich!!!

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General H. Norman Schwarzkopf jun. – ein wahrer Held

„Je mehr man im Frieden schwitzt, desto weniger blutet man im Krieg!“

(General H. Norman Schwarzkopf)

Auch wenn es sehr reizt, so möchte ich an dieser Stelle nicht immer nur von aktuellen Ereignissen berichten, stets in der Gefahr, dass ich mich wiederholen könnte. Deshalb ist es höchst an der Zeit, wieder mal einen Histo-Blog zu veröffentlichen. Und diesen möchte ich einem wahren Helden widmen, der kurz nach Weihnachten 2012 verstarb: Herbert Norman Schwarzkopf jun.!

Im Vorfeld befragte ich mehrere Bekannte, wer denn diesen Mann noch kennt. Frustrierend – niemand! Kürzlichst stolperte ich über einen Satz, der Schwarzkopf sehr zutreffend beschreibt:

„Sein Ziel war niemals der Applaus, sein Ziel war die Mission!“

General H. Norman Schwarzkopf jun. (er selbst mochte seinen ersten Vornamen nicht) befehligte im Zweiten Golfkrig die Armee der Koalitions-truppen. Nachdem der Irak in Kuwait eingefallen war, unterstanden dem General rund 740.000 Soldaten aus 34 Nationen. Viele, darunter auch sehr viele Experten, prophezeiten einen zweiten, langjährigen Vietnam-krieg mit hohen Verlusten und vielen Familien, die ihre Söhne, Väter und Onkeln in Särgen zum letzten Weg begleiten mussten. Tatsächlich waren es 292 Gefallene. Denn: Es rechnete niemand mit der Taktik Schwarz-kopfs! Sein Geheimnis war der „left hook“ (linke Haken). Der Irak verfügte unter Saddam Hussein über die viertgrösste Armee der Welt (mit rund 500.000 Mann-Stärke). Kampferprobt! Die grössten Teile davon waren in Kuwait stationiert, da die militärischen Führungskräfte des Irak und auch Saddam Hussein selbst damit rechneten, dass ein möglicher Angriff über Kuwait erfolgen würde. Schwarzkopf täuschte dies mit einer Truppen-verstärkung entlang der kuwaitischen Grenze auch vor, umging dann allerdings den Kuwait und griff nach der grössten Truppenverlegung nach dem Zweiten Weltkrieg und präzise durchgeführten Luftanschlägen auf Kommando- und Führungszentralen des Iraks westlich über Saudi Arabien an. Die Operationen „Desert Shield“ und „Desert Storm“ gingen als „brilliante Kriegsführung“ in die Annalen der Militärgeschichte ein. Der Krieg war nach vier Tagen beendet, da den Irakern der Nachschub fehlte und ganze Divisionen, nicht nur in Kuwait eingekesselt waren. So manch einer der Zeitzeugen wird heute noch die Bilder vor Augen haben, als sich hunderte irakischer Soldaten einem nur kleinen „Stosstrupp“ der Koalitionsarmee ergaben. Tatsächlich waren es Divisionen – kampflos.

General Schwarzkopf war ein charismatischer und gerechter Führer. Er mutete seinen Soldaten nur das zu, was er auch sich selbst zumuten würde. Er aß beim kleinen Fussvolk zu Mittag und hörte sich stets deren Meinungen an. So wird erzählt, dass das von Schwarzkopf befehligte Bataillon während des Vietnamkrieges am 28. Mai 1970 auf der Halbinsel Batangan in ein Minenfeld geriet. Viele lösten die Detonationen selbst aus und starben, weitere verletzten sich schwer. Die anderen müssen entsprechend ihrer Ausbildung dort stehen bleiben, wo sie sich gerade befanden. Die weitere Vorgehensweise: Auf das Minenräumkommando der Pioniere warten, die zumindest einen sicheren Weg zurück wieder herstellen sollen. Das aber dauerte Lieutenant Colonel Schwarzkopf zu lange. Mitten im Minenfeld krümmte sich einer seiner Kameraden vor Schmerzen. Eine Mine hatte ihm ein Bein abgerissen. Er ging selbst in das Minenfeld. Langsam tastete er sich vor bis zu diesem Verletzten und hielt ihn fest, bis der Rettungshubschrauber ihn abholte. In diesem Falle bestand die Gefahr, dass der Soldat durch seine Bewegungen noch weitere Minen auslösen würde, bis nichts mehr von ihm übrig bleiben würde. Er rettete ihn und viele andere durch seinen sicheren Weg.

Die Auszeichnungen Schwarzkopfs sind nahezu unendlich. Hier nur eine Auswahl – sortiert nach der „Order of Precedence of the Military Awards“:

  • Defense Distinguished Service Medal
  • Army Distinguished Service Medal (4x)
  • Navy Distinguished Service Medal
  • Air Force Distinguished Service Medal
  • Coast Guard Distinguished Service Medal
  • Silver Star (3x)
  • Defense Superior Service Medal
  • Legion of Merit
  • Distinguished Flying Cross
  • Bronze Star (3x)
  • Purple Heart (2x)
  • Meritorious Service Medal (7x)
  • Air Medal (9x)
  • Army Commendation Medal (4x)
  • National Drefense Service Medal (2x)
  • Vietnam Service Medal (5x)
  • Presidential Medal of Freedom
  • Grossoffizier der Französischen Ehrenlegion
  • Knight Commander des Order of the Bath (ohne Ritterstand)
  • Congressional Gold Medal

Und nicht zu vergessen, der Titel „Ehrensoldat der Französischen Fremdenlegion“ (Caporal honoraire de la Légion étrangère) sowie die Ehrendoktorwürde der United States Sports Academy im Jahre 1990.

Auch der immer wieder mit seiner militärischen Karriere angebende derzeitige Verteidigungsminister der USA wurde mehrfach ausgezeichnet. Doch erhielt er aus dieser hochrangigen Liste nur jeweils einmal den Bronze Star und die National Defense Service Medal. Norman Schwarzkopf war also einer der wirklichen, ganz grossen Helden, die aufgrund ihrer Erfolge und ihres Mutes alles überstrahlten. George Bush sen. bezeichnete den Vier-Sterne-General als „einen der grössten Militärchefs seiner Generation“! Spätestens seit „Desert Storm“ kannte ihn damals jeder in den USA. Wenn auch unter dem Spitznamen „Stormin‘ Norman“, den er niemals so richtig mochte. Verantwortlich dafür zeichneten seine weltweit ausgestrahlten Pressekonferenzen während der Kuwait-Krise. Jeder kleine amerikanische Junge wollte so werden wie er!

Norman Schwarzkopf war zu Beginn der Kuwait-Krise 56 Jahre alt. Nur ein Jahr später quittierte er den Dienst und trat auf dem Höhepunkt seiner Karriere in den Ruhestand über. Seine Aufgabe war erfüllt: Er hatte seinem Land gedient, hat einen Befehl befolgt, daraus einen brillianten Krieg gemacht und hat viele Soldaten wieder nach Hause gebracht, die ansonsten gefallen wären. Die Politik und andere rissen sich um ihn. Er entschied sich – ganz im Gegenteil seines hochrangigen Militär-kameraden Colin Powell (während „Desert Storm“ US-Generalstabschef) – dafür, die Türe hinter sich zu schliessen und zog sich zum Angeln nach Tampa/Florida zurück. 1992 erschien seine Autobiographie – der Titel sagt wohl alles über diesen Mann: „Man muss kein Held sein“ (It doesn’t take a hero). Für alle, die sich nun weiter über Norman Schwarzkopf informieren möchten, sei dieses Buch ans Herz gelegt oder ein Blick in den einschlägigen Info-Plattformen empfohlen. Nur zwei Punkte möchte ich noch erwähnen: Schwarzkopf war Mitglied des High-IQ-Vereins Mensa. 1993 wurde Prostata-Krebs diagnostiziert. Auch diesen Kampf konnte der General für sich entscheiden.

Am 27. Dezember 2012 starb General H. Norman Schwarzkopf jun. an den Folgen einer Lungenentzündung!

PS: Während und nach „Desert Storm“ schrieb Schwarzkopf übrigens die Briefe an die hinterbliebenen Familien der Gefallenen selbst.

Lesetipps:

.) It doesn’t take a hero; H. Norman Schwarzkopf/Peter Petre; Bantam 1993

.) Stormin‘ Norman: An American hero; Jack Anderson; Zebra Books 1991

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9/11: Die Terrorhölle!

In diesem Jahr jährten sich die Terroranschläge auf die Twin-Towers von New York (World Trade Center) zum 25. Mal. Ein Anblick des Grauens, für jeden, der es damals via TV verfolgt hat, noch schlimmer selbstverständ-lich für die Leute vorort. Insgesamt kamen an diesem einen Tag 2996 Menschen um’s Leben, darunter 343 Feuerwehrmänner, 37 Beamte der New Yorker Hafenbehörde und 23 Polizisten. Beim Anschlag auf das US-Verteidígungsministerium, dem Pentagon weitere 189, beim vereitelten 4. Anschlag (das Flügzeug stürzte auf einem Feld bei Shanksville ab) zusätzlich 44 Personen. Über diese Anschläge habe ich an diesem Ort schon mehrfach berichtet. Heute hingegen möchte ich Helden vorstellen, die oftmals nicht mal Erwähnung in den Berichten finden, trotzdem damals bis zur Erschöpfung versuchten, Leben zu retten – leider zumeist umsonst: Die Suchhunde!

Wir schreiben den 11. September 2001, 08.46 Uhr. Die erste von Al Kaida-Terroristen entführte Boeing schlägt in den Nordturm des World Trade-Centers ein. Nur wenige Stockwerke darunter, im 78. Stock, arbeitet Michael Hingson. Er ist von Geburt an blind. Deshalb begleitet ihn jeden Tag sein Blindenhund, die gelbe Labradorhündin Roselle. Die Sekunden scheinen plötzlich wie Stunden an ihnen vorbeizuziehen. Ein Arbeitskollege von Hingson (David Frank) hat das Ausmass der Katas-trophe erkannt und Hingson und seine Hündin zum Stiegenhaus geleitet. Gemeinsam lassen sie Stufe um Stufe hinter sich. 1.463 insgesamt – vom 78. Stock in die Lobby. Roselle kann ihr Herrchen leider nicht wie ansonsten führen, sie bleibt dicht hinter ihm und Frank. Die Hündin hat selbst Angst, da sie die Panik der Menschen spürt. Hingson redet deshalb beruhigend auf sie ein, Das beruhigt auch seinen Arbeitskollegen, der nach rund einem Drittel der Strecke schien, den Mut zu verlieren. Schliesslich kommen ihnen etwa 50 Feuerwehrleute auf dem Weg nach oben entgegen. Manche streichen Estelle über den Kopf. Keiner von ihnen wird die nächste Stunde überleben. Hingson, Estelle und Frank haben es schliesslich nach rund 50 Minuten geschafft – im Gegensatz zu vielen anderen, die erstickt, durch das Kohlenmonoxid vergiftet, am lebendigen Leib verbrannt oder gesprungen sind. Auf der Strasse angelangt, über-nimmt die Hündin wieder ihre Rolle und leitet Hingson und Frank in eine schützende U-Bahn-Station. Hindurch des Staubs nach dem Einsturz des Süd-Towers. Aber noch rechtzeitig bevor auch der Nord-Tower in sich zusammenbricht. All das beschreibt Hingson in einem seiner beiden Bestsellern über die damaligen Erlebnisse („Thunder Dog: The True Story of a Blind Man, His Guide Dog, and the Triumph of Trust at Ground Zero“). Estelle starb im Juni 2011 vierzehnjährig. Auch ein zweiter „Guide-Dog“ rettete damals ihren Besitzer: Omar Rivera verdankt seiner „ Salty“ das Leben. Sie entkamen dem 71. Stockwerk. Roselle wurde 2002 mit dem „Award for Canine Excellence“ und posthum von der Tierschutz-Organisation „American Humane“ mit dem Titel „American Hero Dog of the Year 2011“ ausgezeichnet.

Estelle und Salty haben zu diesem Zeitpunkt – mit der Rettung ihrer Herrchen – ihre Aufgabe gemäss Ausbildung erfüllt – für viele ihrer vier-beinigen Artgenossen jedoch beginnt nun erst die Arbeit: Die Suchhunde! Eine Arbeit, die viele von ihnen an den Rand der Verzweiflung bringen sollte.

Nach dem Einsturz der beiden Gebäude kamen mehr als 300 Hunde mit spezieller Ausbildung zum Einsatz. Viele auf der Suche nach Über-lebenden, andere als Trostspender für Angehörige und Rettungskräfte und zuletzt die Leichenspür-Hunde.

Am Gefährlichsten war sicherlich der Einsatz der Suchhunde. Mit nichts als ihre blanken Pfoten auf den noch heissen Trümmern und lodernden Feuern, ohne Masken kämpften sie sich durch die instabilen Trümmer-teile auf der Suche nach irgendeinem Lebenszeichen – unter der Gefahr, das eigene Leben zu verlieren.

(Vorsicht: Möglicherweise KI-generiert)

Vorort versorgten Tierärzte verletzte oder erschöpfte Hunde – nicht selten dauerte deren Einsatz 12 Stunden. Einige wurden fündig – so wurde etwa nach 27 Stunden der letzte Überlebende mit der Hilfe eines Suchhundes gerettet. Doch viele andere hatten keinen Erfolg. Diese Rettungshundes sind daraufhin ausgebildet, nach dem Auffinden einer lebenden Person Lob und Freude sowie eine Belohnung zu erhalten („klassische Konditionierung am positiven Erfolg“). Wenn nun diese Belohnung ausbleibt – spätestens dann merkt auch der Hund, dass er versagt hat. Er verliert den Suchtrieb! Deshalb liessen sich die Retter etwas einfallen: Einige versteckten sich in den Trümmern und mussten vom Hund gefunden werden. Diese Idee der Hundeführer erwies sich als erfolgreich. Vor dem Einsatz der Therapiehunde spendeten sie aber auch den menschlichen Rettungskräften Trost. Immer mehr aber konnten die Rettungshunde nurmehr menschliche Überreste aufspüren. Sie wurden später durch Leichenspür-Hunde ersetzt.

Der wohl bekannteste Rettungshund von 9/11 war der Golden Retriever „Bretagne“ – eine Hündin. Sie stammte vom Rettungstrupp Texas Task Force I. Ihre Hundeführerin war Denise Corliss. Es war Bretagnes erster grosser Einsatz. Sie starb 16-jährig im September 2016 und erhielt – wie es einer aussergewöhnlichen Hundin geziemt – einen Abschied als Heldin!

All dies kann nachgelesen werden im National September 11 Memorial & Museum.

Soweit zu des Menschen bestem Freund!

Ich möchte aber dennoch zum Abschluss einige Worte finden zu Ereignissen und veröffentlichten Meinungen, die sich im Jahr 2026, ein Viertel-Jahrhundert nach 9/11 abgespielt haben.

Der damalige 107. Bürgermeister Rudy Giuliani hat im Vorfeld der Feierlichkeit zum diesjährigen Gedenken der vielen Opfer den heutigen Bürgermeister New Yorks, Zohran Mamdani, aufgefordert, den Veran-staltungen fern zu bleiben. Mamdani ist Muslim! Wie auch die meisten muslimischen Religions- und Interessensgemeinschaften bin auch ich der Ansicht, dass einige wenige Terroristen, die meinen, im Namen ihres Herrn, Menschen umbringen und einen möglichst grossen Schaden anrichten zu müssen, nicht zur Pauschalverurteilung einer ganzen Welt-religion führen dürfen, von der die meisten friedlich als Nachbarn neben den Christen leben. So könnten auch Rechtsradikale nach den Anschlägen auf Muslime als religiöse Fanaten bezeichnet werden und das Christen-tum als terroristische Religion darstellen. Terroristen sind und bleiben Terroristen, die durch möglichst grosse Opferzahlen (auch unter den eigenen Religionsbrüdern und -schwestern) die grösstmögliche Aufmerk-samkeit erreichen wollen. Somit gilt die Verurteilung und schliesslich die Bekämpfung den Kriminellen, nicht einer ganzen Religionsgemeinschaft.

Ich betrachte es als widerwärtig, wie die derzeitige US- Regierung versucht, die damaligen Geschehnisse politisch auszuschlachten. Im November sind die Midterms. Bei diesen Wahlen werden viele Positionen im Kongress neu besetzt. Nach derzeitigem Stand wird es ein Erdrutsch-Sieg der Demokraten werden, wie die Vorwahlen bereits prophezeien. US-Präsident Donald Trump meinte frustriert darüber, dass er bei den Gedenkfeiern keine Rede halten durfte, er sei von Feuerwehrleuten aus der flammenden Hölle getragen worden. Er sei also damals selbst am Ground Zero gewesen um zu helfen. Beweisen allerdings kann er es freilich nicht. Zudem waren auch die Strassen zum Ground Zero allesamt in diese Richtung abgesperrt. Ich lasse dies nun offen, bin aber trotzdem darüber erstaunt, dass Trump auf dem republikanischen Parteitag in Dallas seinen Anhängern das Versprechen abverlangte, dass jeder einzelne Republikaner „betrügen wie die Hölle“ soll.

Lesetipps:

.) Thunder Dog: The True Story of a Blind Man, His Guide Dog, and the Triumph of Trust at Ground Zero; Michael Hingson; Thomas Nelson 2011

.) Such und Hilf! Ein Handbuch für Ausbildung und Einsatz des Rettungshundes; Angela Wegmann; Kynos 1989

.) Suchen Finden Zeigen: Das Spürhundebuch für Training und Einsatz; Michaela Hares/Jacqueline Koerfer/Katja Krauß; Kynos 2024

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Von Putins Gnaden

„Ich weiß nicht, wie ich leben soll!“
(Michail Fridman, milliardenschwerer russischer Oligarch)

Immer wieder ist von ihnen zu hören, doch lieben die meisten derer die Verborgenheit – vor allem ausserhalb Russlands: Die Oligarchen! Viele hierzulande kennen zwar den Ausdruck, wissen jedoch nicht viel damit anzufangen – ausser, dass er mit verdammt viel Geld behaftet ist! Auch über die Hintergründe dieser reichsten und mächtigsten Männer Russ-lands ist meist nur wenig bekannt. Hier möchte ich heute ansetzen und etwas Aufklärungsarbeit leisten.
In der westlichen Hemisphäre werden sie mit den beiden Wörtern „Finanztycoon“ oder „Wirtschaftsmagnat“ umschrieben, die reichen Industriebosse und Finanzspekulanten. Da tauchen stets Namen wie Bezos, Musk, Gates, Bloomberg, Buffet, Fink, etc. auf. Während sich viele beim Flaschensammeln Gedanken darüber machen müssen, wie sie diese Woche überleben sollen, verdienen derartige Grossindustrielle und Geldspezialisten in nur einer Sekunde mehr als viele andere in einem ganzen Monat. Im Reich Putins heisst diese ganz spezielle Spezies „Oligarch“. Sie gehen im Kreml ein und aus – ohne ihre Beteiligung läuft in der russischen Wirtschaft nichts mehr! Eine Mannschaft auf der obersten Sprosse der Leiter, die hochkarätiger nicht sein kann. Die beiden wohl bekanntesten unter ihnen dürften Roman Abramowitsch und Oleg Deripaska sein – doch entstammen sie nur dem Mittelfeld. Dennoch ist in diesen Reihen nach der Invasion Russlands in der Ukraine kein Stein mehr auf dem anderen geblieben. Die russische Wirtschaft liegt am Boden, Staatsanleihen haben nurmehr Ramsch-Wert, der Rubel verliert täglich an Wert, die Vermögen im Ausland sind gesperrt! Ja – dieser von Putin veranlasste Krieg, gerne als „kleiner Konflikt“ bezeichnet und seine krankhafte Sucht auf angebliche Nazijagd hat in diesen Kreisen den einen oder anderen Kopf gekostet. Auch wenn die meisten unter ihnen ihr Vermögen mit Gas oder Öl aufbauten, auf das der Westen alsdann weiter-hin angewiesen sein wird. Doch wer sind diese Menschen, die den Des-poten bei der Jagd begleiten, ihn in seinem Schloss besuchen und bei Sportveranstaltungen direkt neben ihm sitzen dürfen? Allerdings von ihm auch sehr rasch durch Verstaatlichung enterbt, mundtot gemacht und noch bestenfalls des Landes verwiesen werden können. So manch Einer kam auch durch einen mysteriösen Sturz zu Tode. Gegen diese Superreiche wurden die ersten Sanktionen verhängt, sie verlieren jeden Tag zig Millionen ihres Vermögens – es sind die mächtigsten Männer aus Wirtschaft und Finanz an Putin’s Seite und vor allem: Mit dessen Segen! Allerdings zählen nicht alle zum „Silowiki“, dem engsten Machtzirkel des russischen Präsidenten.

Igor Sechin („Darth Vader“)
Sechin scheint zwar nicht in den vorderen Plätzen der Forbes-Liste der reichsten Russen auf, doch soll dies nicht von seiner Macht ablenken. Er gilt seit seiner Zeit als dessen Privatsekretär in den 1990er Jahren als engster Vertrauter des Staatspräsidenten und zweitmächtigster Mann Russlands. Seine Sporen verdiente er sich mit der Zerschlagung des Yukos-Erdöl-Konzerns, das der damalige Oligarch Michail Chodorkowski (mehr zu ihm später) leitete. Es glich einer Verstaatlichung der Aktien-gesellschaft zugunsten des angeschlagenen staatlichen Konzerns Rosneft. Sechin war damals stellvertretender Leiter der Präsidial-administration. Nach einem kurzen Intermezzo als Präsidentenberater wurde er am 27. Juli 2004 zum Vorstandsvorsitzenden von Rosneft. Im April 2011 forderte Präsident Medwedew Sechin zum Rücktritt auf, bis zum 21. Mai 2012 übte er in Putin’s Kabinett die Funktion des stellvertretenden Ministerpräsidenten der Russischen Föderation aus. Am 22. Mai 2012 berief Putin seinen Gefolgsmann erneut in die Vorstands-ebene des verstaatlichten Erdölkonzerns. Anno 2016 zeichnete er verant-wortlich für die Verhaftung von Wirtschaftsminister Alexej Uljukajew. Damit Sechin jedoch seinem Förderer nicht zu mächtig werden sollte, machte Putin den ehemaligen deutschen Bundeskanzler Gerhard Schröder zum Vorsitzenden des Aufsichtsrates. Sechin steht seit der Annexion der Krim 2014 auf der Sanktionsliste, sein Sohn Ivan folgte nun mit dem russischen Einmarsch in die Ukraine. Sechins Jahreseinkommen lag einst bei 50 Mio US-Dollar (Forbes 2013) bzw. 13 Mio (ebenfalls Forbes 2016). Seine 1.229 qm grosse, fünfstöckige Wohnung in Moskau dürfte einen geschätzten Marktwert von 26,3 Mio Euro aufweisen. Anfang März beschlagnahmte der französische Zoll in La Ciotat die Luxus-Yacht Amore Vero , die einem Unternehmen gehöre, in dem Sechin Gross-aktionär ist. Sie war dort zur Reparatur, wurde jedoch eilendst reisefertig gemacht, obgleich die Arbeiten noch gar nicht beendet waren.

https://www.superyachtfan.com/de/yacht/amore-vero/

Kurz danach beschlagnahmten die spanischen Behörden in Tarragona die 135 m lange Mega-Yacht Crescent (Wert: 600 Mio Dollar), die Igor Sechin gehören könnte. Sie segelt unter der Flagge der Kaimaninseln.

https://www.superyachtfan.com/yacht/crescent/

Auch bei seinem relativ guten Gehalt kann sich der 1960 in Leningrad (heute St. Petersburg) Geborene einen solchen hohen Lebensstandard eigentlich gar nicht leisten! Sechin zählt zum Silowiki – er dürfte nach Einschätzung von Experten direkten Einfluss auf Putin’sche Entschei-dungen haben.

Sergei Borissowitsch Iwanow
Auch Iwanow wurde in Leningrad geboren – am 31. Januar 1953. Nach seinem Studium (Englisch und Schwedisch) wurde er durch den KGB angeworben. Dort war er für die Gegenspionage zuständig. In dieser Funktion lernte er Wladimir Putin kennen. Dieser holte Sergei dann auch 1998 als Direktorsstellvertreter zum Inlandsgeheimdienst FSB. Von 2001 bis 2007 leitete er das Verteidigungsministerium, danach bekleidete er die Funktion des 1. Stellvertretenden Ministerpräsidenten. Von 2011 bis 2016 schliesslich stand er der russischen Präsidialverwaltung vor. Iwanow galt lange Zeit als aussichtsreichster Nachfolger seines Förderers. Im Jahr 2016 soll er selbst um seine Amtsenthebung gebeten haben, er wurde Sonderbeauftragter für Naturschutz und Transport. Mit der Annexion der Krim wurde Iwanow von den USA auf die Sanktionsliste gestellt. Als ständiges Mitglied des Sicherheitsrates gehörte er zum Silowiki. Mit der Invasion in der Ukraine wurde nun auch sein Sohn, Sergej Iwanow jun., auf die Sanktionsliste gehoben. Dieser hat eine steile Karriereleiter vorzu-weisen: Gazprom, Gazprombank (Vizechef), Landwirtschaftsbank Rossel-chosbank (Aufsichtsratsvorsitzender), Versicherungsgesellschaft Sogas (Vorstandsvorsitzender), stv. Vorstandsvorsitzender der Sberbank und 2018 schliesslich Vorstand von Alrosa, einem der weltweit grössten Diamentenproduzenten. Daneben jeweils einen Vorstandssessel bei Rosneft, mehreren Tochterunternehmen der Sberbank sowie beim Rentenfonds Gasfonds. Sergei Borissowitsch Iwanow verstarb im Juni 2026 73-jährig – eine Todesursache wurde nicht bekannt gegeben!

Alexander Wassiljewitsch Bortnikow
Unter Staatspräsident Medwedew wurde im Jahr 2008 der Armeegeneral Bortnikow Leiter des Inlandsgeheimdienstes FSB. Im Dezember des Jahres 2017 erregte er international die Gemüter, als er in einer Rede auf dem Parteitag die Stalinschen Säuberungen von 1930-1940 rechtfertigte. Der General soll an den Planungen der Ukraine-Invasion beteiligt gewesen sein. Der ukrainische Geheimdienst berichtet ganz offen von etwaigen Putschplänen gegen Putin, wobei auch der Name des Generals als möglicher Nachfolger angeführt wird. Ob dadurch ein gefährlicher Gegner abgesägt werden soll oder die Berichte auf Tatsachen beruhen, sei vorerst dahingestellt. Bortnikow wurde 2014 auf die Sanktionsliste gesetzt. Nach dem Giftanschlag auf den Oppositionellen Nawalny 2020 wurden diese Massnahmen verschärft. Auch sein Sohn Denis ist davon betroffen. Seine Bankenkarriere wurde durch den Aufstieg seines Vaters richtiggehend pulverisiert. Derzeit ist er stellvertretender Vorstand in der zweigrössten Bank Russlands, der VTB. Bortnikow sen. startete am 09. August 2024 eine Antiterrorismus-Operation gegen die ukrainischen Streitkräfte. Ein Jahr später behauptete er, dass der britische Geheimdienst MI6 Ukrainer für Sabotage-Aktionen in Russland angeworben haben soll – freilich fehlten die Beweise. Derzeit kursieren Gerüchte über seinen angeblich schlechter werdenden Gesundheitszustand.

Kirill Schamalow
Papa hat’s gerichtet – was denn sonst! Nikolai Schamalow gründete gemeinsam mit Putin die Datschenkooperative „Osero“ bei St. Petersburg. Er zählt zum Silowiki, die Mitglieder von Osero sind in den meisten hohen Polit- und Wirtschafts-Ämtern zu finden. Schamalow verfügt auch über Anteile an Rossija, einer Privatbank, die unter Putin in ungeahnte Höhen aufstieg. So kaufte sie 2004 das Versicherungsunternehmen Sogas, das inzwischen den Pensionsfonds Gazfonds managt. 2005 wurde Sohn Juri Schamalow Präsident des Fonds. Sohn Kirill soll gar 2013 Putins Tochter Jekaterina Tichomirowa geehelicht haben. Kurz zuvor wurde dieser Vizepräsident des Chemieunternehmens Sibur und erhielt sozusagen als Hochzeitsgeschenk eine Apanage in der Höhe von 4,3 % Aktien des Betriebes. Diese musste er nach dem Ende der Beziehung zwar wieder zurückgeben. Allerdings blieb er offenbar seinem Schwiegervater treu. Mittels Kredit der Gazprombank erwarb er weitere 17 % vom Oligarchen Timchenko – die Wirtschaftsnachrichtenagentur Bloomberg vermutet jedoch, dass er dies nur offiziell, stellvertretend abgewickelt hatte. Er ist nach wie vor Vizepräsident des Unternehmens und wurde 2018 von Forbes mit einem geschätzten Vermögen von 1,4 Milliarden als jüngster Dollar-Milliardär geführt – ein Jahr später allerdings waren es „nurmehr“ 950 Mio!

Gennadi Nikolajewitsch Timchenko
Forbes führte 2022 den 69-jährigen auf Platz 9 in der russischen Milliardärsliste (Platz 78 weltweit). Sein Vermögen wurde damals auf über 12,7 Milliarden Dollar geschätzt. Die USA sanktionierten den russisch-finnischen Oligarchen bereits 2014. Damals musste er seine Anteile am Rohstoffhandelsunternehmen Gunvor mit Sitz auf Zypern verkaufen. Allerdings besitzt er ein grosses Aktienpaket am Gasunternehmen Novatek (20,77 %), das er über seine luxemburgische Holding Volga Group erworben hatte. Die EU und Grossbritannien haben Timchenko mit dem Einmarsch in der Ukraine auf die schwarze Liste gesetzt, sein Vermögen in London eingefroren. Italienische Behörden beschlagnahmten 2022 seine Yacht „Lena“ in San Remo.

https://www.superyachtfan.com/yacht/lena/

Der Milliardär traf den Despoten im Jahr 1990. Seither gilt er als Wegge-fährte und enger Freund Putins. Timchenko handelte bereits Anfang der 90er Jahre mit Öl. Hierfür erhielt er vom damaligen Vizebürgermeister von St. Petersburg, Wladimir Putin, Zugriff auf den Ölterminal der Stadt. Dabei profitierte er stark von der Zerschlagung des Ölkonzerns Yukos. 2007 gründete er gemeinsam mit dem Schweden Torbjörn Törnqvist das Rohstoffhandelsunternehmen Gunvor. Über dieses, aber auch die Volga Group in Luxemburg könnten alsdann Putin-Milliarden in’s Ausland geflossen sein, vermuten mehrere Geheimdienste. Dieser belohnte ihn dafür mit Grossaufträgen für Stroitransgas bei der Fussball-WM und den Olympischen Spielen von Sotschi; mindestens 50 % des Baukonzerns gehören der Familie Timchenko. Der Oligarch hat aus steuerlichen Gründen seinen Wohnsitz 2001 in die Schweiz verlegt. In Genf legte er für seinen Grundbesitz nicht weniger als 8,4 Mio CHF auf den Tisch (2014 wurde das Anwesen auf 18 Mio CHF geschätzt). Dort lebt nach wie vor seine Familie, er selbst ist jedoch wieder nach Moskau zurückgekehrt. Mit Schmunzeln reagiert nun der Schreiberling dieser Zeilen auf den Satz Timchenkos aus dem Jahr 2008, wonach seine „mehr als zwanzigjährige Karriere in der Ölindustrie nicht auf Gefallen oder politischen Verbindungen aufgebaut worden“ sei.

Alexei Borissowitsch Miller
Einen der wohl schwersten Kapazunder Russlands verkörpert Alexei Miller. Der 1962 (ganz zufälligerweise ebenfalls) in Leningrad geborene Manager ist Vorstandsvorsitzender und stv. Aufsichtsratsvorsitzender des wohl grössten Gaslieferanten der Welt und dem grössten russischen Unternehmen: Gazprom! Nach seinem Studium war er angeblich Bürobote des damaligen Vizebürgermeisters Wladimir Putin und als solcher für die Überbringung von Geldkoffern verantwortlich. Danach übernahm er selbst den Schlüssel für das Rathaus in St. Petersburg. Später leitete er den Hafen der Stadt und wurde nach einem Jahr als Generaldirektor des Baltischen Pipelinesystems russischer Energieminister. Schon 2001 jedoch ereilte ihn der Ruf seines Förderers – er löste bei Gazprom Rem Wiachirew ab und leitete die Umstrukturierung des Staatsbetriebes zu einem multinationalen Konzern ein. Der Börsenwert des Unternehmens stieg von 9,8 Milliarden bei der Übernahme auf 300 Milliarden US-Dollar. Allerdings setzten in den letzten Jahren die Finanz- und Wirtschaftskrise, aber auch die Pandemie dem Konzern arg zu – der Börsenwert 2021 betrug nurmehr 69 Milliarden. 2013 reihte ihn Forbes erstmals in die Liste der mächtigsten Männer dieser Erde ein. Gazprom beherrscht grosse Teile der russischen Wirtschaft, obgleich Rosneft besser notiert ist. Nach der Krim-Annexion landete er auf der US-Sanktionsliste, mit dem Einmarsch in die Ukraine auch auf jener der EU und Gross-britanniens. Miller und Sechin wetteifern um die Gunst des Staats-präsidenten. Miller verfügt über das Exportmonopol von Gas, weshalb Sechin dieses „Nebenprodukt“ der Erdölförderung nicht verkaufen darf. Das Vermögen Millers wird auf nur 200 Mio Euro geschätzt, als grösster Steuerzahler des Landes jedoch befindet er sich direkt an den Hebeln der Macht. Seine dreistöckige Penthouse-Wohnung in Moskau ist 775, seine Wohnung in St. Petersburg mit Blick auf die Eremitage 400 qm gross. Ein weiteres Anwesen mit darauf enthaltenen Palast 8.500 qm.

Michail Maratowitsch Fridman
Die Sanktionen haben den 57-jährigen von allen bisher genannten wohl am ärgsten getroffen. 1964 im ukrainischen Lwiw geboren, gründete er gemeinsam mit Pjotr Awen die Alfa Group, einen der grössten privaten Industrie- und Finanzkonzern des Landes. Dort agiert er nach wie vor als Aufsichtsratsvorsitzender, in mehreren Tochterunternehmen, wie etwa auch der Alfa Bank hatte er den Vorstandssessel inne. Den Banksessel gab er einen Tag nach der Verhängung der Sanktionen auf. Allerdings nennt er zudem dennoch 36 % der Bank-Aktien sein eigen. Als Vor-sitzender des Direktorenrates in der Alfa-Tochter TNK-BP hatte er seine Finger auch am Ölmarkt im Spiel – es ist der drittgrösste Ölkonzern Russlands. Seine Anteile jedoch musste er veräussern. Die Alfa Group importierte nach ihrer Gründung 1988 gemeinsam mit dem schweizerischen Unternehmen ADP Trading Tee, Zigaretten, Zucker sowie andere Waren nach und exportierte Öl aus Russland. Das Konsortium ist nach wie vor breit aufgestellt, zu ihm zählt neben vielen anderen das Telekommunikationsunternehmen Altimo bzw. die LetterOne Group in Luxemburg. Sein Privatvermögen wurde zu Beginn des Jahres 2022 auf 12,2 Milliarden Dollar geschätzt – damit fand er sich auf Platz 11 der reichsten Russen. Seit dem Einmarsch Russlands in die Ukraine soll er mehrere Milliarden verloren haben. Mit dem Rest kann er derzeit nicht viel anfangen. Die EU und auch Grossbritannien haben alle seiner Karten und damit das komplette Hab und Gut eingefroren. Fridman lebte vornehmlich in London, wollte aber nach Russland übersiedeln. Im Juni 2024 erklärte der EuGH die Sanktionen für nichtig. Um von der Sanktionsliste der EU zu kommen, verkauften er und Pjotr Awen Anfang 2025 ihre Anteile an der Alfa-Bank. Zuvor musste er von nurmehr 2.900 € im Monat das Auslangen finden und zudem bei jeglichem Geldtransfer die Genehmigung der britischen Regierung einholen. Fridman zählt ebenfalls zu den engeren Freunden Putins, weist aber stets die Vorwürfe nach „engen Beziehungen“ zur russischen Regierung zurück. Zudem habe er mehrfach betont, dass Krieg niemals eine Antwort sei – somit hat er sich als einer der wenigen kritisch zu Putins Kriegsplänen geäussert.

Michail Borissowitsch Chodorkowski
Wie schnell und tief der Fall von einem der reichsten und mächtigsten Männer Russlands (2004 schätzte Forbes das Vermögen des Oligarchen auf 15,2 Milliarden Dollar – Platz 16 der reichsten Männer der Welt) bis ins Straflager bzw. bestenfalls zur Abschiebung ins Ausland gehen kann, zeigt der Werdegang von Michail Chodorkowski auf. Bereits während seines Chemiestudiums engagierte er sich in der Jugendorganisation der KPdSU Komsomol. Nach Studienabschluss absolvierte er noch den Volks-wirtschaftslehrgang. 1987 übernahm er die Leitung des Komsomol-Unternehmens „Zentrum für wissenschaftlich-technisches Schöpfertum der Jugendstiftung für Jugendinitiative (NTTM)“. Dort importierte er u.a. Computer und Jeans und exportierte Matrjoschka-Puppen. 1989 folgte der Vorsitz bei der NTTM-Bank „Innovationsbank für wissenschaftlich-technischen Fortschritt“ – eine der ersten Privatbanken Russlands. Über sie löste Chodorkowski die NTTM vom Obersten Sovjet los und gründete die Menatep-Invest, die in der zusammenbrechenden Sowjetunion rasch an Boden gewinnen konnte und Chodorkowski an Macht. Er war ab 1992 im Beraterstab des russischen Präsidenten Boris Jelzin vertreten und bekleidete mehrere politische Ämter. In Auktionen konnte die Menatep-Invest als Hausbank des Ölförderunternehmens Yukos zuerst rund 45 % und schliesslich die Aktienmehrheit am Konzern übernehmen. Chodorkowski wechselte in den Vorstand des Ölkonzerns. Diesen strukturierte er gemäss seines Leitmotivs „Ehrlichkeit, Offenheit und Verantwortung“ auf westlichen Standard um. Dabei versuchte er jedoch stets, durch die Finanzierung von Parteien wie Jabloko, die Kommunisten und auch der Regierungspartei Einiges Russland einen Fuss in der Innenpolitik zu behalten. Allerdings beschuldigte er die Regierung der Korruption, beabsichtigte mit Exxon Mobil und Chevron Texas zwei Ölmultis aus den USA an Yokus zu beteiligen und meinte lautstark vor den Duma- und Präsidentenwahlen, dass er als reichster Mann Russlands nicht nur Parlamente sondern auch Wahlergebnisse kaufen könne. Vor laufenden TV-Kameras gerieten sich im Februar 2003 Putin und Chodorkowski beim Thema Korruption in die Haare. Am 25. Oktober 2003 wurde er bei einem Zwischenstopp seines Flugzeugs in Nowosibirsk verhaftet und wegen Unterschlagung und Steuerhinterziehung angeklagt. 2005 folgte das Urteil zu neun Jahren Haft, später verkürzt auf acht Jahre. Im Dezember 2010 erfolgte die Verurteilung zu sechs weiteren Jahren wegen Unterschlagung von 218 Mio Tonnen Öl und Geldwäsche. Im Februar 2011 kündigte der damalige Staatspräsident Dmitri Medwedew die Überprüfung der zweiten Verurteilung Chodorkowski, seines Mitstreiters und Kollegen Lebedew und weiterer 30 Beschuldigter an. Der Tatvorwurf des Milliardendiebstahls wurde alsdann nicht mehr erhoben. 2012 verringerte ein Moskauer Bezirksgericht die Haftstrafen Chodor-kowskis und Lebedews um zwei Jahre. Im Dezember stellte Chodorkowski ein erneutes Gnadengesuch und wurde überraschend einen Tag später kurz vor Weihnachten begnadigt. Welche Rolle der damalige deutsche Aussenminister Hans-Dietrich Genscher als Vermittler dabei einnahm, ist nach wie vor nicht bekannt. Der ehemalige Oligarch lebt inzwischen in London. Während der Krimkrise rief er beide Seiten zum Einlenken auf. Der neuen prowestlichen Regierung der Ukraine sicherte er nach dem Euromaidan seine Unterstützung zu. 2017 engagierte er sich für die Präsidentschaftskandidatur des russischen Regierungsgegners Alexei Nawalny.

„Es geht nicht darum, Wladimir Putin zu ersetzen, sondern das System, welches zu meinem tiefen Bedauern in meiner Heimat entstanden ist.“
(Michail Borissowitsch Chodorkowski)

2022 wurde er vom russischen Justizministerium als ausländischer Agent eingestuft und erneut auf die Fahndungsliste gesetzt.

Und zum Schluss zum Meister persönlich. Schon vor einigen Jahren berichtete ein Finanzexperte vor dem US-Senat über das unglaubliche Vermögen Wladimir Putins. Damals war von 200 Milliarden Dollar die Rede. Doch weiss der Kremlchef dies gut zu verbergen – es fehlen die Beweise. Fakt ist, dass Putins Yacht „Graceful“ die Blohm & Voss-Werft in Hamburg bereits im Februar 2022 noch vor dem Einmarsch in die Ukraine in Richtung Kaliningrad völlig überstürzt verliess. Die Bootsbauer kamen nicht mal zu einer Probefahrt. Putins Dadscha, die Residenz am Kap Idokopas am Schwarzen Meer, wurde durch den russischen Architekten Lanfranco Cirillo geplant und von Spezstroi, einem Militärbauunter-nehmen, ab 2005 errichtet. Das 17.700 Quadratmeter grosse Gebäude steht in einem 68 Hektar grossen Anwesen und soll rund 1,1 Milliarde Euro gekostet haben.

Abschliessend noch einige Worte:
Es ist nicht der Neid, der mich angesichts solcher unvorstellbarer Vermögen zu diesem heutigen Blog bewogen hat. Es ist das System, das bislang nur wenige interessierte, da Russland weit weg scheint. Der Einmarsch russischer Truppen in einen unabhängigen Nachbarstaat jedoch hat aufgezeigt, dass uns diese besorgniserregende und gefährliche Entwicklung sehr wohl betrifft. Der erste wirklich grosse Krieg nach dem Zweiten Weltkrieg! Nicht vor den Toren, sondern vielmehr direkt in Europa! Tausende Menschen – darunter viele Zivilisten – starben inzwischen, zigtausende wurden verletzt, Millionen sind auf der Flucht! Für den Willen eines einzigen, vom Grössenwahn befallenen Despoten! Und niemand, nicht mal die Mächtigsten seines Landes, stellen sich ihm entgegen! Wie weit geht Loyalität? Bis zum eigenen Untergang? Bis zum möglichen Untergang unserer Welt?

PS:

An aktuellen, glaubhafte Zahlen nach dem Beginn des russischen Angriffskrieges 2022 ranzukommen, war trotz ausführlicher Recherche nicht möglich!

Filmtipp:

Der Fall Chodorkowski; Regie: Cyril Tuschi

Lesetipps:

.) Wohin steuert Russland unter Putin? Der autoritäre Weg in die Demokratie; Hrsg.: Gabriele Gorzka, Peter W. Schulze; Campus 2004
.) Das System Putin. Gelenkte Demokratie und politische Justiz in Rußland; Margareta Mommsen/Angelika Nußberger; C.H. Beck 2007
.) Putins Netz – Wie sich der KGB Russland zurückholte und dann den Westen ins Auge fasste; Catherine Belton; Harper Collins 2022
.) Russische Energiepolitik. Ent- oder Neuverflechtung von Staat und Wirtschaft?; Kirsten Westphal; Nomos 2000
.) The Political Economy of Russian Oil; Hrsg.: David Lane; Rowman & Littlefield, Lanham u. a. 1999
.) Michail Chodorkowski. Vom Jukos-Chefsessel ins sibirische Arbeitslager. Aufstieg und Fall des russischen Ölmilliardärs; Waleri W. Panjuschkin; Heyne 2006
.) Rich Russians: From Oligarchs to Bourgeoisie; Elisabeth Schimpfoessl; Oxford University Press 2018

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Der Schlächter von Srebrenica

Wir schreiben den 11. Juli 1995! Während des Bosnien-Krieges haben bosnische Serben gerade die UN-Schutzzone, die muslimische Enklave Srebrenica erobert. Was danach folgt, ist Völkermord!

Am 27. August dieses Jahres verstarb Ratko Mladić 84-jährig im UN-Gefängniskrankenhaus in Den Haag. Seine Biographie liest sich wie jene eines Massenmörders. Obgleich auch Mladić einst ein normales Leben hatte. 1942 in dem kleinen Dorf Božanovići 40 Kilometer südlich von Sarajevo geboren, jobbte er zunächst als Metallarbeiter, erkannte aber vorzeitig, dass dies nicht das war, was er eigentlich wollte. Also meldete er sich schon mit 15 Jahren beim Militär. Am 27. September 1965 beendete er die Militärakademie und wurde Berufssoldat in der jugos-lawischen Armee (JNA). Er arbeitete sich durch die unterschiedlichsten Positionen durch. Anfang der 1990er Jahren schloss er sich dem Kurs des Serben Slobodan Milošević an. Von nun an ging alles sehr rasch. So wurde er etwa am 04. Oktober 1991 zum Generalmajor befördert, nur ein knappes halbes Jahr später zum Generalleutnant. Bis zu diesem Zeitpunkt könnte man von einer „normalen“ militärischen Karriere sprechen. Am 2. Mai 1992 allerdings begann Mladić mit der Blockade von Sarajevo – vier Jahre sollte sie dauern. Alle Zufahrtsstrassen wurden blockiert, Wasser- und Stromleitung unterbrochen. Immer wieder wurde die Stadt von der Artillerie mit Granaten eingedeckt, Scharfschützen schossen in der Stadt auf alles, was sich bewegte. 10.000 Menschen kamen um’s Leben, darunter auch 1500 Kinder.

Eine Woche später wurde Mladić Stabschef-Vize-Kommandeur des Zweiten Militärdistrikthauptquartiers der JNA, einen Tag später übernahm er dessen Kommando.

Und dann kam dieser 11. Juli 1995: Mladić war inzwischen Ober-kommandierender der Armee der Serbischen Republik (VRS), einem Ableger der jugoslawischen Volksarmee, der sich aus bosnischen Serben und Angehörigen der Jugoslawischen Volksarmee, die aus Bosnien stammen, zusammensetzte. Nach der widerrechtlichen Einnahme der UN-Schutzzone Srebrenica ordnete er den Genozid an. An diesem und den darauffolgenden Tagen wurden mehr als 8000 bosnische Männer und männliche Jugendliche ermordet (inzwischen sind die Namen von 8.372 Opfern bekannt). Ihre Leichen wurden zunächst in Massengräbern zugeschüttet, später teilweise wieder ausgegraben und auf mehrere andere Massengräber verteilt, um Beweise zu beseitigen. Frauen und Kinder mussten Züge besteigen – sie wurden an die bosnische Grenze deportiert.

Am 24. Juni wurde Mladić zum Generalobersten befördert. 1995 klagte der Internationale Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien (ICTY – „UN-Kriegsverbrechertribunal“) in Den Haag Mladić wegen Völkermords an. Dieser aber entzog sich über 16 Jahre lang der Verhaftung. Obgleich für seine Ergreifung ein Kopfgeld von 5 Mio Dollar ausgesetzt war! Bis 2002 soll er völlig unbehelligt in Belgrad gewohnt haben. Am 26. Mai 2011 wurde Ratko Mladić in Serbien festgenommen. Schon am 03. Juni stand er erstmals vor Gericht. Am 22. November 2017 schliesslich wurde Mladić in 10 von 11 Anklagepunkten für schuldig gesprochen und zu lebenslanger Haft verurteilt. Knapp vier Jahre später wurde das Urteil durch die Berufungsinstanz des Nachfolgegerichtes bestätigt. Seither saß Mladić im Kriegsverbrechergefängnis des Internationalen Strafgerichts-hofes. Ein Antrag auf Entlassung wegen des schlechten Gesundheits-zustandes des Inhaftierten wurde abgelehnt.

Irritierend ist ein Bild vom 11. Juli 1995, das Mladić gemeinsam mit Oberstleutnant Thomas Karremans beim Weintrinken im Hotel Fontana zeigt. Karremans war damals Bataillonskommandeur des niederlän-dischen Peace-Keeping-Blauhelme-Kontingentes zum Schutz von Srebenica. 400 Mann unterstanden seinem Befehl. Er forderte bereits am 09. Juli NATO-Luftunterstützung zur Verteidigung der Region an. Am 21. Juli wurde das Dutchbat abgezogen. Mladić nutzte dies zur Verhöhnung der UN-Schutztruppe und deren Kommandeurs – weltweit im Fernsehen übertragen.

Mladić war zuletzt bettlägrig und auf einen Rollstuhl angewiesen. Untersuchungen zu seinem Tod wurden eingeleitet. Verabscheuungs-würdig war allerdings das Verhalten der deutschen AfD während der 30 Jahre- Erinnerungsveranstaltung im Deutschen Bundestag anlässlich des Massenmordes von Srebenica. Ein AfD-Abgeordneter der Partei stellte den Völkermord in Frage, da ja „nur“ die Männer erschossen wurden, die Frauen und Kinder „verschont blieben“! Er bezeichnete Bosnien-Herzegowina zudem als „fragilen Staat“! Des weiteren wurde dieser damalige Genozid thematisierend auf den Schulhof umgelegt. Proteste folgten, auch Aussenminister Johann Wadephul (CDU) trat ausserplan-mässig ans Rednerpult.

„Und ich bedaure, dass wir den Opfern den Angehörigen, insbesondere hier Anwesenden und dem Herrn Botschafter derartige Debatten zumuten!“

Auch, wenn es immer wieder heisst: Über Tote soll man nicht schlecht sprechen! Doch – was dieser Mann in seiner damaligen Allmacht verbrochen hat – kann und darf niemals vergessen werden. Damit reiht er sich nahtlos in die Liste der vielen Kriegsverbrecher ein. Er wird leider nicht der Letzte sein!

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Masern – keineswegs harmlos

Diese Woche erregte eine Meldung der US-Gesundheitsbehörde CDC mein Interesse: Die Impfquote bei Vorschulkindern geht in den USA nach wie vor leicht zurück! Im Schuljahr 2025/26 lag sie bei der Impfung gegen Diphtherie, Tetanus und Keuchhusten bei 92,0 Prozent. Bei jener gegen Masern, Mumps. Röteln und Polio bei 92,4 Prozent! Ein Rückgang von 0,1 Prozent. Bei der zweiten Kombinations-Impfung lag die Quote vor zehn Jahren noch bei 94,7 Prozent. Zugleich verzeichnen die USA heuer so viele Masern-Erkrankungen wie seit 35 Jahren nicht mehr! Die Verantwortung dafür tragen wohl US-Präsident Donald Trump und sein Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. Kennedy ist grundsätzlich ein Impfgegner, womit er als Jurist der Meinung der ausgebildeten Experten aus Medizin, Immunologie und Epidemiologie widerspricht. Trump will künftig die Kombinationsimpfung wieder aufteilen. Soll heissen: Eine Spritze gegen Tetanus, eine weitere gegen Keuchhusten und schliesslich eine dritte gegen Diphterie! Beide begründen ihre Meinung mit dem Schwurbeln über den Zusammenhang dieser Impfungen mit dem Autis-mus, obgleich dies bereits mehrfach wissenschaftlich widerlegt wurde.

Auch in den USA besteht eigentlich eine Impfpflicht, die jedoch aus medi-zinischen, religiösen oder weltanschaulichen Gründen abgelehnt werden kann. Diese Ausnahmen stiegen von zuletzt 3,6 auf 4,2 Prozent, 4 Prozent erfolgte aus nicht-medizinischen Gründen.

Kennedy, gegen dessen Nominierung zum Gesundheitsminister im Dezember 2024 77 Nobelpreisträger aus Medizin, Chemie, Physik und Wirtschaft in einem offenen Brief einen Appell an den Senat richteten, gab im Juni 2025 bekannt, dass die USA die internationale Impfallianz Gavi nicht mehr finanziell unterstützen werden.

Zurück zu den vermeintlich „harmlosen“ Masern: Bislang gab es in 45 Bundesstaaten der USA mehr als 2.300 Erkrankungsfälle. Das ist mehr als im gesamten Jahr 2025!

Tatsache aber ist, dass es die Krankheit so richtig in sich hat und deshalb niemals auf die leichte Schulter genommen werden sollte!

Masern oder auch Morbilli werden nach der „Internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme“ (ICD-10) unter B05 eingereiht. Es ist eine hochinfektiöse, humanpatho-gene (ausschliesslich menschliche) Krankheit, die durch rund 120-149 Nanometer grosse Viren aus der Familie der Paramyxoviren (Genus Morbillivirus) übertragen wird. Das Virus ist ein einzelstrangiges RNA-Virus, das mit den Viren der Hundestaupe oder der Rinderpest verwandt ist. Es dringt vornehmlich über die Epithelzellen der Schleimhaut des Atemtraktes (in Einzelfällen auch über die Bindehaut der Augen) in den Körper ein. Die Vermehrung nach der Infektion erfolgt in den regionalen Lymphknoten. Nach rund 48 Stunden breitet sich die Krankheit durch die Blutbahn auf den ganzen Körper aus (in das „retikulohistiozytäre System“). Nach fünf bis sieben Tagen erfolgt auch die Infektion der Haut und der Atemwege. Ab diesem Zeitpunkt ist die Erkrankung durch die typischen roten Hautflecken („Masern-Exanthem“) zu erkennen. Einher gehen zumeist zweimalige Fieberanfälle und ein erheblich geschwächter Allgemeinzustand mit schnupfenartigen Symptomen und Husten sowie einer akuten Bronchitis. Dieser Krankheitszustand kann sich über vier bis sechs Wochen erstrecken. Dabei ist es nicht selten, dass es zu einer zweiten Infektion kommt. Die Diagnose erfolgt über die Antikörper im Blutbild. Der Körper reagiert auf den Eindringling mit der Bildung von Killerzellen, den sog. „zytotoxischen T-Lymphozyten“. Später werden zudem IgM- und IgG-Antikörper gebildet, die den Betroffenen vor einer weiteren Erkrankung schützen.

Die typische Rachenrötung wurde durch den Gerichtsmediziner Wilhelm Reubold entdeckt und nach dem Kinderarzt des Mount Sinai Hositals in New York, Henry Koplik, als „Koplik-Flecken“ bezeichnet.

UV-Licht, höhere Temperaturen sowie Fettlöse- und Desinfektionsmittel machen den Erreger unschädlich. In der Luft bleibt er maximal für zwei Stunden infektiös. Sowohl in Deutschland, als auch in Österreich besteht seit 2001 eine Meldepflicht. Durchaus aufgrund der hohen Ansteckungs-gefahr berechtigt – aber auch durch das Risiko eines schweren Verlaufes! Und hier liegt der Hund im Pfeffer begraben: Masern können bei 20-30 % zu einer Enzephalitis, einer Meningitis, einer Pneumonie, einer Otitis media, Darm- oder auch andere Komplikationen führen, die durchaus lebensbedrohlich werden können (Letalitätsrate nach Angaben des Robert Koch-Instituts: 1:100 – also gar nicht mal so wenig). Damit ist auch die Ausrottung ganzer Übersee-Völker durch eine Masernepidemie erklärbar, die von den Seefahrern und Welteroberern angesteckt wurden.

.) Pneumonie

Hierbei entzünden sich die kleinen Bronchien („Bronchiolitis“), wobei die Flimmerhärchen direkt durch das Virus geschädigt werden. Dies bietet ausgezeichnete Voraussetzungen für den Angriff der unterschiedlichsten Bazillen – es kommt zu einer bakteriellen Superinfektion. Auch eine „Riesenzell-Pneumonie“ („Hecht-Riesenzellen“) kann auftreten, die in den meisten Fällen tödlich endet. Ansonsten liegt die Letalitätsrate bei der Folgekrankheit Lungenentzündung bei 6 %.

.) Meningoenzephalitis

Obgleich die Wahrscheinlichkeit dieser Gehirnentzündung nur bei 0,1 % liegt, verläuft sie bei 10-20 Prozent tödlich, bei 20-30 % bleiben Dauerschäden zurück. Hirnwasseruntersuchungen zeigten eine enorme Zellvermehrung sowie eine erhöhte Proteinkonzentration auf. Kopf-schmerzen, Erbrechen, Fieber, Nackensteifigkeit, Bewusstseinsstörungen und schliesslich Koma – es geht rasend schnell.

.) Subakute sklerosierende Panenzephalitis

Im Anschluss an eine Maserninfektion mit folgender Meningitis kann es auch zu einer SSPE als Spätkomplikation (Monate bis zu zehn Jahre nach der Erkrankung) kommen. Dabei werden Nervenzellen entmarkt („Demyelinisierung“) – in 95 % der Fälle endet dies mit dem Tod! Über die Häufigkeit der SSPE sind sich die Experten nach wie vor uneins, wurde sie doch zu Beginn des 20. Jahrhunderts von Medizinern als eine seltene neurologische Erkrankung eingestuft. Erst 1967 stellten John H. Connolly und Mitarbeiter einen Zusammenhang mit den Masern fest.

.) Otitis media

Bei rund 7 % der Masernerkrankungen tritt auch eine Mittelohrentzün-dung auf. Dabei wandern Erreger durch den Nasenrachenraum bis ins Mittelohr. Die Entzündung kann eitrig, aber auch nicht-eitrig verlaufen. Die Symptome sind Ohrenschmerzen, Schallleitungsschwierigkeiten und auch Ohrenerguss.

Zudem kann es zu Durchfall (8% der Erkrankungen), aber auch Lympho-penie (Schwächung des Immunsystems), Kunjunktivitis (Bindehautent-zündung des Auges), Hepatitis (Leberentzündung), Appendizitis (Wurm-fortsatz-Entzündung), Kehlkopfentzündung und vielem anderen mehr kommen. Bei Schwangeren droht eine Frühgeburt oder ein Spontan-Abort.

Seit Jahresbeginn gab es bereits sieben Masern-Todesfälle in der EU! Nun sollte es eigentlich klar sein, weshalb diese vermeintlich harmlose Kinderkrankheit niemals auf die leichte Schulter genommen werden darf. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat im Januar 2019 die Masern zur Bedrohung der globalen Gesundheit erklärt. Schützen vor der Erkrankung und schweren Folgeerkrankungen kann nur die in diesen Breitengraden durchgeführte Kombinationsimpfung Masern-Mumps-Röteln (MMR) oder Masern-Mumps-Röteln-Windpocken (MMRV), die normalerweise zwischen dem 11. bis 14. Lebensmonat (in Deutschland) und nach dem 9. Lebensmonat in Österreich als Doppelimpfung (nach frühestens vier Wochen erneut, spätestens jedoch vor dem 18. Lebensjahr) durchgeführt wird. In vielen Ländern besteht eine Impfpflicht – so auch in Deutschland seit dem 1. März 2020 (§20 Abs. 8 Infektionsschutzgesetz) für Kinder und Beschäftigte im Bildungs- und Gesundheitswesen. In den letzten Jahrzehnten konnte dadurch die Erkrankungswahrscheinlichkeit auf rund 5 bis 1 % verringert werden – die WHO wollte die Masern jedoch komplett ausrotten. Durch die zunehmende Zahl der Impfgegner allerdings nimmt auch die Zahl der Erkrankungen rasant wieder zu. 2019 starben nach Angaben der WHO und der CDC mehr als 200.000 Menschen weltweit an den Folgen einer Maserninfektion. Ein Jahr später wütete im Kongo eine Epidemie, die mehr als 6.000 Menschen das Leben kostete. Zwischen Januar und Oktober 2023 wurden in Europa rund 30.000 Erkrankungen gemeldet – ein 30-facher Anstieg im Vergleich zu den 941 Fällen im Jahr 2022. Österreich bildete 2024 gemeinsam mit Rumänien das EU-Schlusslicht. Im Jahr 2025 wurden in EU-Raum (inkl. Liechtenstein, Norwegen und Island) mehr als 35.000 Erkrankungen gemeldet. 23 Menschen starben an den Folgen der Masern-Infektion, 14 davon waren Kinder unter 5 Jahren (Quelle: Europäisches Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten ECDC). Zahlen für das laufende Jahr: Deutschland 60, Österreich 8 bestätigte Masern-Meldungen.

Übrigens: Wer mit seinen Kindern an den einst sehr beliebten Masern-Parties teilnimmt um sie durch eine Erkrankung zu immunisieren, begeht sowohl in Deutschland als auch Österreich den Straftatbestand der gefährlichen Körperverletzung!

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Erdbeben – Gewalt von Mutter Erde

„Die einzige Möglichkeit, Menschen vor Erdbeben zu schützen, ist durch erdbebensicheres Bauen!“

†(Fabrice Cotton, Professor für Seismologie, Geoforschungszentrum Pots-dam)

Es war ein verheerendes Erdbeben, das dieser Tage Kolumbien traf: 7,4 auf der Richterskala, Epizentrum nahe San José del Palmar im Departa-mento Chocó. 285 Topesopfer, mehr als 3.900 Verletzte, 379 Vermisste, 120 eingestürzte Gebäude (Zahlen: Stand 14. August 2026). In dieser Region muss allerdings ständig mit Erdbeben gerechnet werden, da Kolumbien im Pazifischen Feuerring liegt. Mehr hierzu etwas später.

Oder jenes Beben, das am 08. September 2023 Marokko heimsuchte: 6,8 auf der Richterskala, Epizentrum 74 km südwestlich von Marrakesch, 2.960 Tote, mehr als 2.500 Verletzte! Doch musste auch in dieser Region mit einem solchen Ereignis gerechnet werden – das Atlasgebirge zählt zu den Erdbebenregionen dieser Erde!

Ich erlebte bislang zwei Beben: Als Kind in Vorarlberg und in meiner Zeit im Tiroler Stubaital. Beide Male ist uns gottlob nichts geschehen – bei letzterem erlitt jedoch ein Gast eines benachbarten Hotels einen Herzinfarkt! Ein mehr als mulmiges Gefühl, wie machtlos man dieser Naturgewalt ausgeliefert ist. Dennoch sind Erdbeben auch in Mitteleuropa gar nicht mal so selten: Alleine am 12. August zählte die Geosphere Austria sechs Beben in Österreich, das stärkste davon bei Imst mit einer Magnitude von 1,7 auf der nach oben hin offenen Richterskala. Zumeist jedoch sind sie so klein, dass sie nahezu nicht bemerkt werden: Das Nachbeben in Umhausen bei Imst einen Tag später beispielsweise hatte eine Magnitude von 0,2. Die ETH Zürich verzeichnete in den ersten sieben Stunden des 15. August drei Beben, das stärkste davon in Bergamo mit einer Magnitude von 1,8 ml!

Wie aber entsteht ein solches Erdbeben? Die drei bekanntesten Ursachen habe ich an dieser Stelle in unterschiedlichsten Texten bereits geschildert – Tiefenbohrungen für die Geothermie und Vulkanausbrüche möchte ich deshalb heute aussen vor lassen. In diesem Blog geht es ausschliesslich um die Plattentektonik.

Vor 230 Millionen Jahren gab es nur einen Urkontinent, die „Pangäa“! In den folgenden 50 Millionen Jahren teilte sich dieser Riesenkontinent in zwei kleinere: „Laurasia“ auf der Nordhalbkugel und „Gondwana“ auf der Südhalbkugel. Zu „Gondwana“ zählen heute etwa Südamerika, Afrika, die Antarktis, Indien, Australien, Neuguinea, Madagaskar und Arabien. Beide Grosskontinente „schwimmen“ sozusagen auf dem extrem heissen Magma-Kern des Planeten und driften auch heute noch entlang des Mittelatlantischen Rückens auseinander („Kontinentaldrift“ nach Alfred Wegener 1915). Dabei werden rund 40 mm/Jahr zurückgelegt.

Diese Grosskontinente teilten und teilen sich nach wie vor in weitere Bruchstücke. So sind heute sieben grosse und mehrere kleinere Platten bekannt – die grössten davon sind die Pazifische, die Antarktische, die Nord- und Südamerikanische Platte, die Afrikanische, die Eurasische und die Australische Platte. Die schweren Platten liegen unter Wasser (Ozeanische), die leichteren über Wasser (Kontinentalplatten).

Entlang der Plattengrenzen kommt es immer wieder zu Erdbeben, da sich die Platten über- oder untereinander schieben bzw. beim Aneinander-reiben verhaken. Die Gesteinsmassen der oberen, festen Erdkruste sind damit immenser Spannung ausgesetzt. Werden diese Spannungen zu gross, so lösen sie sich ruckartig – ein Erdbeben („Epizentrum“)! Entlang dieser Plattengrenzen entsteht ein Becken, in dem sich die Sedimente Schicht auf Schicht übereinander ansammeln. Auf der anderen Seite jedoch driften die Platten aufeinander zu – es bildet sich ein Gebirge. Nordmarokko beispielsweise liegt in der Nähe der Grenze zwischen der Afrikanischen Platte und der Eurasischen Platte – der Azoren-Gibraltar-Bruchzone. Hier entstand das Atlas-Gebirge.

Eine der grössten Erdbebenzonen ist die San-Andreas-Verwerfung in Kalifornien, bei der sich die Pazifische und die Nordamerikanische Platte aufeinanderschieben. Das verursacht im gesamten pazifischen Raum Erdbeben und Vulkanausbrüche. Dies ist bekannt als der „Pazifische Feuerring“!

Das Atlasgebirge ist eine weitere dieser Zonen. In der Azoren-Gibraltar-Bruchzone schieben sich auf einer Strecke von 2.300 km (Marokko, Algerien und Tunesien) die Afrikanische und die Eurasische Platte aufeinander – es entstand im Laufe von Jahrmillionen das Faltgebirge „Atlas“. Die Anden entstanden dadurch, dass sich die Nazca-Platte unter die Südamerikanische Platte schiebt. An Bruchstellen der Platten tritt Magma aus – ein Vulkan wie beispielsweise der Kilimandscharo oder aktuell der Ätna auf Sizilien spucken Lava aus.

Im Jahr 2012 veröffentlichten Experten rund um Gottfried Grünthal vom Geoforschungszentrum Potsdam (GFZ) anhand unzähliger Daten einen Atlas für Erdbebenzonen in Europa. Demnach muss jederzeit im östlichen Mittelmeer (Türkei, Griechenland, den Balkanstaaten und auch Italien) mit schweren Erschütterungen gerechnet werden, da sich hier die Afrika-nische unter die Eurasische Platte schiebt. An dieser Schnittstelle ist die Eurasische Platte in tausende Bruchstücke zersprungen. Der italienische Stiefel etwa wird wie ein Nagel nach Mitteleuropa hineingetrieben. Die Folge: Die Alpen bildeten sich heraus. Doch kann das Gebirge die enorme Wucht nicht komplett schlucken. Entlang des Oberrheingrabens bricht Europa langsam auf. Auch an der tschechischen Grenze kommt es immer wieder zu Erschütterungen.

Seismologen bezeichnen Erdbeben mit einer Stärke von 5,0 als „schwere“ Beben, da ab hier sichtbare Schäden an Gebäuden auftreten können. Die Richterskala wurde in den 1930er-Jahren von dem US-amerikanischen Seismologen Charles Francis Richter entwickelt. Dabei verstärken sich die Werte um den Faktor 10. Soll heissen, dass ein Beben mit der Magnitude von 7 zehnmal so schwer ist als eines mit 6! Diese „Richterskala“ wäre eigentlich begrenzt mit dem Wert 9 – wird heute jedoch als „nach oben offen“ geführt.

Unter Wasser lösen Beben zumeist Tsunamis aus, mehrere Meter hohe Wellen, die – wenn sie auf Land treffen – grosse Überflutungen anrichten, wie etwa jener am 26. Dezember 2004 in West-Indonesien und Thailand, der rund 230.000 Menschenleben forderte. Dem voraus ging ein „Megathrust“, ein Erdbeben mit einer Magnitude von 9,1 nach Richter mit dem unterseeischen Epizentrum rund 85 km von der Nordwestküste von Sumatra entfernt.

Nach einem stärkeren Erdbeben treten zumeist kleinere Nachbeben auf, da sich die Platten noch weiterbewegen und erst langsam wieder zum Stillstand kommen. Derartige Nachbeben sind nicht zu unterschätzen, da durch das Hauptbeben bereits beschädigte Gebäude komplett zerstört werden. Im Imst etwa folgten bislang (Stand: 15. August) auf das Beben vom 12. August zwei Nachbeben, jeweils eines an den Tagen danach.

Erdbeben können nie unter Kontrolle gebracht werden. Also muss mit anderen Mitteln gegen hohe Opferzahlen gekämpft werden: Mit erd-bebensicherer Bauweise, wie sie in Japan bei mehrstöckigen Gebäuden ein Muss darstellt. Hier ist etwa die Firma Getzner aus Vorarlberg mit ihrer Sparte der Schwingungsisolierung gross im Geschäft. Doch – wie die Türkei (etwa in der ostanatolischen Verwerfung) oder zuletzt auch Marokko erwiesen haben, ist dies durch Pfusch oder zu wenig Geld nicht machbar. Wenn nun – wie etwa am Rheingraben – zusätzliche geo-thermische Tiefenbohrung durchgeführt oder gar Kernkraftwerke bzw. Endlagerstätten für Atommüll errichtet werden, so kann dies eine Katastrophe ungeahnten Ausmaßes nach sich ziehen.

Lesetipps:

.) Naturkatastrophen, Tsunamis, Hurrikane, Erdbeben, Vulkanausbrüche; Claire Watts; Gerstenberg Verlag 2008

.) Erdbeben – Gefahr aus der Tiefe; Gerd Höhler; Hoffmann & Campe 1984

.) Plattentektonik – Vulkane, Erdbeben & Co.; Friedhelm Heitmann; Kohl-Verlag 2015

.) Bauwerke und Erdbeben; Hrsg.: Konstanin Meskouris/Klaus-G. Hinzen/Christoph Butenwang/Michael Mistler; Vieweg und Teubner 2011


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Hochgiftig und extrem gefährlich

„Furocumarine“ – in der Tat: Ein wahrer Zungenbrecher! Doch auch ansonsten, hat es dies faustdick hinter den Ohren: Ein pflanzlicher Giftstoff, der auch dem Menschen gefährlich wird!

Der Bärenklau ist in heimischen Breiten eine weit verbreitete Pflanze. Er zählt wie etwa 69 andere Pflanzen auch zur Familie der Doldenblütler. Soll heissen, dass sich die weissen Blüten zu mehreren weissen Dolden zusammensetzen! Ich möchte in diesem Blog zwei davon hervorheben, die leicht zu verwechseln sind. Doch wenn geschehen, ist es meist zu spät: Der Wiesenbärenklau und der Riesenbärenklau!

Schon als Kinder streiften wir durch die Felder und sammelten den Wiesenbärenklau (Heracleum sphondylium). Er wird bis zu 1,50 m gross, die Blätter sind gefiedert, seine Blütezeit beginnt im Juni und endet im Oktober. Zu finden ist der Wiesenbärenklau auf Wiesen, an Bachufern und in lichten Waldgebieten. Wichtige Frage bei allem, was uns die Natur so bietet: Kann man ihn essen? Ja, man kann! Aber hier ist grösste Vorsicht geboten – der Koch muss wirklich wissen, mit was er da zu tun hat. Wer nicht, sollte lieber darauf verzichten. Einerseits ist er sehr leicht mit dem Riesenbärenklau zu verwechseln, andererseits entscheidet die Dosis über die Berkömmlichkeit. In der Naturheilkunde wird er gegen Magen-Darm-beschwerden, Menstruationsstörungen, Asthma und Blasenentzündungen eingesetzt. Zu viel davon kann schon mal kontraproduktiv werden. Auch der Wiesenbärenklau enthält Xanthotoxine! Hierüber gleich mehr dazu!

Der Riesenbärenklau (Heracleum mantegazzianum Sommier & Levier bzw. Heracleum giganteum Hornem) ist der gefährliche der beiden! Die auch als „Herkulesstaude“ bekannte Pflanze wurde 1895 erstmals beschrieben. Sie kann bis zu 3,50 m hoch wachsen. Auch seine Blätter sind gefiedert, stark gezackt und erreichen schon mal eine Grösse von einem Meter. Die Blüten bilden Tellerdolden, die bis zu 80 cm gross sein können. Seine Blütezeit reicht von Juli bis September – die Dolden blühen weiss bzw. zartrosa. Der bis zu 10 cm dicke Stängel ist ebenso behaart und weist weinrote bis dunkle Flecken auf. Aus dem Kaukasus stammend breitet sich der Neophyt seit 1950 ungehindert in Europa aus. Zu finden ist der Riesenbärenklau an Strassen-, Weges- und Waldrändern, an Flüssen und Bächen, aber auch im Garten. Dort sucht er sich vornehmlich nähr-stoffreiche Böden aus. Der Riesenbärenklau wurde im Jahr 2008 zur Giftpflanze des Jahres erkoren. Und das hat er sich wahrhaft verdient. Wer in Berührung mit dem Saft der Pflanze kommt und dann in der Sonne unterwegs ist (auch bis zu zwei Tage nach Kontakt), wird dies wirklich nur einmal machen: Der Schutzmantel der Haut wird zerstört, es drohen Verbrennungen 1. und 2. Grades! Begleitet zumeist von Fieber, Kreislauf-problemen und Atemnot. Verantwortlich dafür zeichnen die Pflanzen-toxine Bergapten, Psoralen und Xanthotoxie. Sie zählen zur Gruppe der Furocumarine. Enthalten in beiden Bärenklau-Arten, beim Riesenbären-klau allerdings in einer wesentlich höheren Konzentration. Der Experte bezeichnet solche Gifte, die in der Sonne reagieren als „Phytotoxine“. Durch die Verbrennungen kommt es zur Blasenbildung auf der Haut, Entzündungen, Depigmentierung. Einher gehen starke Schmerzen. Die Heilung dauert zumeist mehrere Wochen, zurück bleiben Narben. Jeglicher Hautkontakt sollte deshalb vermieden werden! Ist es dennoch geschehen, so helfen als Erstmassnahmen Sonnencreme und kalte Kompressen. Danach sollte ein Arzt aufgesucht werden. Allerdings kann die Pflanze diese Giftstoffe auch an besonders heisssen Tagen an die Umgebungsluft abgeben. Deshalb sollte man sich nie zu lange im Umkreis des Riesenbärenklaus aufhalten. Da dieser invasiv ist, muss er unbedingt entfernt werden. Dafür wird jedoch Schutzbekleidung, Atemschutz und Handschuhe empfohlen. Nicht geeignet hierfür sind Einmal-Handschuhe, da sie für die Gifte kein Hindernis darstellen – die gehen schlichtweg durch. Ein Abmähen nutzt nur kurze Zeit, die Pflanze muss mitsamt der 10 bis 15 cm in den Boden reichenden Wurzel entfernt werden. Dies möglichst vor der Samenbildung im Mai bzw. Juni, da der Riesenbärenklau etwa im Alter von drei Jahren bis zu 50.000 Samen bildet. Die entfernte Pflanze darf nicht in den Kompost – sie muss entweder verbrannt oder in einer Grosskompostanlage entsorgt werden. Werkzeug und Schutzbekleidung sollten nach dem Einsatz unbedingt gereinigt werden. Das alles können Sie natürlich auch den Spezialisten der regionalen Naturschutzbehörde überlassen. Viele Landwirtschafts-kammern oder Landesämter für Umwelt bzw. Landwirtschaft bieten eigene Informationsblätter zum Riesenbärenklau an – auch als Download.

Zuletzt noch ein wichtiger Hinweis: Klären Sie ihre Kinder über die Gefahr, die von dieser Pflanze ausgeht, ausführlich auf. Diese finden nämlich grossen Gefallen am Riesenbärenklau, etwa als Blasrohr oder Doldenhut!

Lesetipps:

.) Giftpflanzen. Ein Handbuch für Apotheker, Ärzte, Toxikologen und Biologen; D. Frohne, H. J. Pfänder; Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft 1997

.) Biologische Invasionen. Neophyten und Neozoen in Mitteleuropa; Ingo Kowarik; Ulmer 2003

.) Ecology and Management of Giant Hogweed (Heracleum Mantegazzianum; Hrsg.: Petr Pyšek, M.J.W. Cock, W. Nentwig, H.P. Ravn, M. Wade; CABI Books 2007

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