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Das Massaker von Babyn Jar

Vorwort:

Dieses Vorwort wird wohl länger werden als der darauf folgende Blog! Und das hat seine Hintergründe!

Meine Eltern zählten zur Weltkriegsgeneration. Mein Vater etwa wurde direkt vom Sommercamp der Hitlerjugend in Frankreich an die Ostfront versetzt. Meine Mutter war als kleines Kind Zeugin der Bombardierung des Frankfurter Hauptbahnhofes. Europa lag 1945 in Schutt und Asche. Den Trümmerfrauen, danach der Nachkriegsgeneration und schliesslich den Baby-Boomern ist es zu verdanken, dass alles wieder aufgebaut werden konnte. Hitler hatte mit seinen Nationalsozialisten durch den Überfall auf Polen den verheerenden Zweiten Weltkrieg begonnen. Das ist nähere Zeitgeschichte, die eigentlich auch in der Schule durchgesprochen wird. Dennoch ist es in den Köpfen sehr vieler wieder in Vergessenheit geraten. Linkspopulisten, vor allem aber die Rechtspopulisten erhalten immer mehr Zulauf, obgleich Sie um ihre Gesinnung kein Geheimnis machen und auch vieles von den Nazis übernommen haben (nicht nur im Sprachgebrauch)! In Italien regieren die Postfaschisten, in Österreich erhielt die FPÖ bei den letzten Nationalratswahlen einen Grossteil der Stimmen und schenkt man den Umfragen in Deutschland Glauben, so könnte die AfD schon 2026 ihre ersten beiden Ministerpräsidenten stellen.

Mit diesen heutigen Zeilen möchte ich auf eine Greueltat der Nazis in der Ukraine hinweisen. Sie ging als das „Massaker von Babyn Jar“ in die Geschichte ein. Übrigens nicht das einzige Kriegsverbrechen: In allen besetzten Gebieten wurden vornehmlich durch die Waffen-SS Konzen-trations- und Vernichtungslager aufgebaut, die schliesslich von der Todeskopf-SS geführt wurden und der Vernichtung der Juden (Holo-caust), der Sinti und Roma, Kriegsgefangener und aller anderen dienten, die sich nicht mit dem Regime der Nazis einigten.

Es hiess stets, dass die Bevölkerung davon nichts wusste. Doch war die GESTAPO (Geheime Staatspolizei) in allen Bereichen des „Dritten Reiches“ berüchtigt. Wo diese Spezialtruppe Hitlers auftauchte, verschwanden Menschen spurlos. Die Nationalsozialisten wurden übrigens in den 1930er Jahren ganz normal gewählt. Da damals keine Einigung der anderen Parteien erzielt werden konnte, beauftragte Reichspräsident Paul von Hindenburg am 30. Januar 1933 den „böhmischen Gefreiten“ Adolf Hitler aus Österreich mit der Regierungsbildung. Danach gab es erst wieder Wahlen, als die alliierten Kriegsgewinner dies zuliessen.

Es sitzen gewählte Politiker im Deutschen Bundestag bzw. dem Öster-reichischen Nationalrat, die (bzw. deren Mitarbeiter) all das leugnen und derartige Verhältnisse wieder aktuell haben wollen oder sich nicht davon distanzieren! Unter dem Mantel der freien Meinungsäusserung oder Versammlungsfreiheit! Gab es diese im deutschen Reich oder der stali-nistischen Sowjetunion?

Menschen, die sich Gedanken machen, denken vor der Wahlurne darüber nach! Die Stammtisch-Krakeeler nicht – sie verstummen danach sehr rasch. Doch tragen sie die Schuld daran, was sich aufgrund ihrer Stimme daraus entwickelt. Auch, wenn sie danach nichtwissend gerne als unschuldig agieren!

Nun zum Blog!

Hitler und Stalin hatten eigentlich einen Vertrag abgeschlossen, der einen Nichtangriffspakt und die Aufteilung Polens beinhaltete. Hitler freilich hielt sich nicht daran, überfiel Polen und rückte weiter vor. Im Sommer 1941 schliesslich griff er die Sowjetunion an. Der Plan eines Grössen-wahnsinnigen – anders kann dies wohl nicht bezeichnet werden. Ein Zwei-Frontenkrieg – hätte er dies nicht befehligt, wäre der Zweite Welt-krieg wohl anders ausgegangen. Nicht vorzustellen, was das für die heutige Weltordnung bedeutet hätte. Als Nachbarstaat Polens war die Ukraine Hitlers nächstes Ziel. Dort fand er auch viele Kollaborateure, die mit der Entwicklung der Sowjetunion seit 1917 nicht zufrieden waren. Wie bereits zuvor geschildert, ging er in den besetzten Gebieten mit aller Härte vor, um Regimegegner aus dem Weg zu räumen, aber auch seine ideologischen Vorstellungen (die Massenvernichtungen der Angehörigen jüdischen Glaubens) umzusetzen – den Holocaust! Eines dieser Vernich-tungslager war Babyn Jar. In der „erweiterten“ Ukraine (inkl. der polnischen Gebiete, die durch die Sowjets besetzt waren) lebten vor dem Zweiten Weltkrieg 40 Millionen Menschen. Die Zahl der Juden wurde auf 2,35 Millionen geschätzt. 1,5 Millionen wurden durch die Nazis und ihren Helfern umgebracht – zuerst Männer, dann auch ganze Familien! Im westlichen Teil der Ukraine (westlich des Dnepr) stellte die jüdische Glaubensgemeinschaft schon mal bis zu 10 % der Gesamtbevölkerung – nach Osten nahm dies ab. Bis zum Jahr 2022 arbeitete die Ukraine an der Aufarbeitung dieser Kriegsverbrechen – dann kam der Angriffskrieg Putins auf das Land dazwischen: Der wollte fadenscheinig damit die Nazis aus der Ukraine vertreiben! Die Deutschen rückten 1941 dermassen schnell in der Ukraine vor, sodass den meisten Menschen keine Zeit für eine Flucht blieb – nach Angaben der Sowjetunion konnten weniger als eine Mio flüchten – in der Ostukraine wesentlich mehr. In Zahlen: In den Regionen Galizien, Wolhynien und Podolien wurden nahezu 80 Prozent der Juden ermordet. Wie war das in dieser kurzen Zeit möglich?

Eines der wohl grössten Kriegsverbrechen ereignete sich am 29. und 30. September 1941 in Babyn Jar. 34.000 Menschen jüdischen Glaubens mussten sich ausziehen und an ausgehobenen Gruben aufstellen. Sie wurden hinterrücks erschossen. Doch damit waren die grauenvollen Kriegsverbrecher nicht zufrieden: Es folgten Roma (19 -20.000), psychisch kranke Menschen (7 – 9.000), ukrainische Nationalaktivisten, sowjetische Kriegsgefangene, Kommunisten und auch „normale“ Bürger von Kiew, die bis zu diesem Zeitpunkt als Geiseln festgehalten wurden. Babyn Jar wurde neben Auschwitz zum grauenvollen Mahnmal eines menschenverachtenden Todes-Regimes. Jeder Einzelne davon ein Kriegs-verbrechen! Schätzungen sprechen von weiteren 345.000 vornehmlich galizischen Juden, die in den Gaskammern in Polen ermordet wurden!

Anlässlich des 50. Jahrestages des Massakers im September 1991 beschloss die ukrainische Regierung die Aufarbeitung von Babyn Jar! Präsident Petro Poroschenko bat 2015 in einer Rede vor der israelischen Knesset um Verzeihung für eine Tat, die nicht entschuldigt werden kann. Moskau allerdings behinderte die Aufarbeitung mit dem Argument „Verbrechen gegen das sowjetische Volk ohne ethnische Differenzierung“!

Wenn nun Putin seine „Polizeiaktion“ gegen die Ukraine damit abtut, die Nazis aus Kiew zu vertreiben, sollte er doch mal im Kreml aufräumen. Seine Säuberungsaktionen bei Regime-Kritikern sind ja sehr erfolgreich, wenn gleich auch Mord.

Die Ukraine ist ein unabhängiger Staat – werden seine Grenzen miss-achtet, so ist dies ein Verstoss gegen das Völkerrecht, den es zu ahnden gilt – mit allen Konsequenzen!

Der zunehmende Antisemitismus ist – Entschuldigung für meine rüde Ausdrucksweise: ZUM KOTZEN! Die Angehörigen der jüdischen Glaubens-gemeinschaft sind Menschen wie Du und Ich! Das Grundgesetz/die Bundesverfassung garantiert ihnen Religionsfreiheit in der deutschen und österreichischen Verfassung!

Wenn so viele Menschen meinen, dass „ein bisschen Diktatur“ Deutsch-land und Österreich nicht schlecht tun würden, plädiere ich für ein Praktikum in Russland oder Nordkorea kombiniert mit Geschichts-unterricht! Ein „bisschen Diktatur“ gibt es nicht, auch wenn sie von einigen Protestwählern gewünscht wird! Hat es in der Weltgeschichte nie gegeben!

Oder muss ich erst die restriktiven Massnahmen der deutschen und österreichischen Regierung während der Pandemie zur Diskussion stellen, bei welchen vornehmlich die rechte Seite sich widersetzte? Obgleich sie so obrigkeitshörig ist und sich eine starke Führung wünscht!

Filmtipps:

.) Spell your name; Steven Spielberg/Wiktor Pintschuk

.) Wordless; After Silence/Wanna Production

Lesetipps:

.) Babyn Yar: History and Memory; Vladyslav Hrynevych/Paul Robert Magocsi 2016

.) The Shoah in Ukraine: history, testimony, memorialization; Ray Brandon and Wendy Lower 2008

.) The Reception of the Holocaust in Postcommunist Ukraine / Bringing the dark past to light: the reception of the Holocaust in postcommunist Europe; John-Paul Himka/Joanna Beata Michlic 2013

.) War and memory in Russia, Ukraine and Belarus; Julie Fedor/Markku Kangaspuro/Jussi Lassila/Tatiana Zhurzhenko 2017

.) The Destruction of the Ukranian Jewry During World War II; Michael Gesin 2006

.) Kooperation und Verbrechen. Formen der „Kollaboration“ im östlichen Europa 1922-1945 (Beiträge zur Geschichte des Nationalsozialismus, Bd. 19); Hrsg.: Christoph Diekmann et al. 2003

Links:

– www.ukrainianhistoryportal.org

– encyclopedia.ushmm.org

– www.kas.de

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Werte Leser dieser meiner Zeilen,

Zum Jahresende möchte ich mich für Ihre Treue und die vielen Clicks bedanken – inzwischen mehr als so manche Wochenzeitung! Die „Click-Schallmauer“ durchbrach heuer erstmals der Blog zum US-Shutdown, gefolgt von der Vogelgrippe, dem Lachgas und der Genschere.

Ich bin stets bestrebt, das Spektrum der Bereiche möglichst breit zu halten, sodass für jeden Geschmack etwas dabei sein sollte.

Für die kommenden Tage sollte aber „Abschalten“ das Motto sein. Denn es gibt Menschen, Beziehungen und Kinder, die im täglichen Arbeitskampf zu kurz kommen.

Deshalb wünsche ich Ihnen ein ruhiges, besinnliches Weihnachtsfest im Kreise derer, die Ihre Zuneigung verdienen, und einen guten Rutsch in ein menschliches, v.a. aber gesundes Jahr 2026!!!

Den nächsten Blog gibt es am 03. Januar im neuen Jahr!

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Rauhe Nächte – uralte Sitten

Die Winternächte in den Alpen können sehr kalt und verdammt einsam sein. Schon unsere Urahnen hatten deshalb Riten und Bräuche, die ihnen halfen, über diese Jahreszeit gut hinwegzukommen. Über einige habe ich an dieser Stelle schon geschrieben – konnte so manch andere jedoch nur kurz anschneiden, da es ansonsten den Rahmen gesprengt hätte: Die Rauhnächte beispielsweise! Die Recherche damals fesselte mich der-massen, dass ich mir vornahm, diese mystische Zeit in einem eigenen Blog nochmals abzuarbeiten.

Die Rauhnächte oder auch Glöckel- oder Rauchnächte sind in den unterschiedlichsten Ausprägungen in ganz Europa seit Jahrhunderten gepflegt, dann wieder vergessen und erneut hervorgekramt worden. Bezeichnet werden so die zwölf Nächte zwischen dem Weihnachtstag (dem 25.12.) um 00:00 Uhr und dem Fest der Erscheinung des Herrn (Heilige Drei Könige am 06. Januar) um 24.00 Uhr. Die beiden genannten Nächte heissen übrigens „foaste Nacht“ – all dem, das in dieser Zeit geschieht, wird grössere Bedeutung zugeschrieben! Eine andere Version beginnt bereits am Thomastag (der Wintersonnwende am 21.12.) und endet mit dem Neujahrstag. Auch die Anzahl dieser sog. „Innernächte“ ist von Region zu Region verschieden. Die wichtigsten vier Rauhnächte sind somit die Thomasnacht (21./22.12.), die Christnacht (24./25.12.), die Silvesternacht (31.12./01.01) und die Vigilnacht (05./06.01.). Während dieser Tage sollte möglichst nicht gearbeitet werden. Anstatt dessen sass man mit der Familie zusammen und nahm wahr: Wie verläuft das Wetter, wie schmeckt das Essen, was tut sich in der Natur, was gab’s im ablaufenden Jahr, …! Momente des Innehaltens während der Schwellen-zeit. Alles hat dabei seine Bedeutung!

Sehr interessant ist übrigens die Thomasnacht, die „Winter-Sonnwende“. Der Apostel Thomas war als Zwillingsbruder von Jesus bekannt. Die beiden stehen alsdann für die Sommer- und Winter-Sonnwende. In so manchem Kirchenportal sind deshalb zwei Wölfe oder ein Wolfsdrache (Zwillingswölfe) abgebildet, die dies darstellen sollen.

Der Ursprung der Rauhnächte lässt sich leicht mit dem Abgleich des Mond- mit dem Sonnenjahr erklären. Das Mondjahr weist nur 354 Tage auf, das Sonnenjahr jedoch 365. Alsdann wurden die 11 „Toten Tage und 12 toten Nächte“ eingerichtet – die für den mystischen Anstrich des Ganzen verantwortlich zeichnen. Während dieser Zeit treiben der Sage nach behaarte Dämonen ihr Unwesen. Daher könnte auch die Bezeichnung stammen: „rüch“ kommt aus dem Mittelhochdeutschen und bedeutet „haarig“. Die weitaus gebräuchlichere Definition alsdann kommt vom Ausräuchern der Stallungen und des Wohnbereiches. Schriftlich ist dieses Ritual bereits im Jahr 1534 festgehalten, als Sebastian Franck schrieb:

Die zwolff naecht zwischen Weihenacht und Heyligen drey Künig tag ist kein hauß das nit all tag weiroch rauch in yr herberg mache / für alle teüfel gespenst vnd zauberey.“

Das Ausräuchern soll Vieh und Mensch vor Tod und Krankheit beschützen. Somit also die alternative Bezeichnung der „Rauchnächte“. Verwendet wird dafür nicht nur Weihrauch – dieser kommt zumeist erst mit den Heiligen Drei Königen in’s Haus. Einerseits sollen die Kräuter-mischungen reinigen, andererseits energetisieren: Myrrhe, Bartflechte, Engelwurz, Eschsamen, Fichtenharz, Holunder, Lavendel, Wacholder, Mariengras, Meisterwurz, Salbei, Dammar,… Mit diesem Räucherwerk geht dann der Haushaltsvorstand dreimal gegen den Uhrzeigersinn durch die Wohnung, anschliessend dreimal im Uhrzeigersinn. Schliesslich werden alle Räume „mit Licht und Liebe“ erfüllt.

Das Glöckeln hat ebenfalls mit diesem alten Treiben zu tun – mit riesigen beleuchteten oder Spiegel-Hüten und Lärm wurde von Haus zu Haus gezogen um die Geister fortzutreiben. Mit dabei in vielen Regionen immer auch die Aperschnalzler mit ihren Peitschen.

Woher tatsächlich dieser Brauch kommt, ist nach wie vor unklar. Auch die Rückführung auf die alten Germanen oder Kelten ist nicht nachgewiesen. Inwieweit die frühchristliche Kirche hierbei Einfluss nahm, ist ebenfalls umstritten, schliesslich geht es ja auch um Angelegenheiten, die in der Kirche nichts zu suchen haben.

Genau zur Mitte der Zwölfnächte – in der Silvesternacht – tun sich die Tore zu anderen Welten auf – Dämone und die Seelen der Verstorbenen ziehen in Form einer „Wilden Jagd“ durch die Lande. In der Eifel, den Ardennen, aber auch in Bulgarien und Griechenland dachte man, dass sich jene Menschen in Werwölfe verwandeln, die mit dem Teufel einen Pakt eingegangen sind. Sie bedrohen das Leben von Mensch und Tier. Im Alpenraum finden hierzu jedes Jahr die Perchten- oder Tuiflläufe statt. Die vorhin angesprochenen Glöckler, aber auch das Silvesterfeuerwerk sollen mittels Lärm helfen, diese Geister und Dämonen zu verjagen. In Norddeutschland kennt das Brauchtum anstatt dessen das „Rummelpott-laufen“.

In den Rauhnächten werden alsdann die unterschiedlichsten Orakel befragt – etwa das Bleigiessen zu Silvester. Selbstverständlich wird auch beim Orakeln geräuchert. Dazu eignen sich vornehmlich Alraunenwurz, Beifuss, Bilsenkraut, Lorbeer, Mistel und Schafgarbe. Dabei gelten jeweils zwei Stunden einer Rauhnacht für einen der kommenden Monate – jeden Tag. Andernorts stehen die Tage für jeweils einen Monat:

24.12. auf 25.12. – Januar (Basis-Grundlage)

25.12. auf 26.12. – Februar (innere Stimme, innere Führung, höheres Selbst)

26.12. auf 27.12. – März (Herzöffnung, Wunder zulassen)

27.12. auf 28.12. – April (Auflösung von Blockierendem)

28.12. auf 29.12. – Mai (Freundschaft)

29.12. auf 30.12. – Juni (Bereinigung)

30.12. auf 31.12. – Juli (Vorbereitung auf das Kommende)

31.12. auf 01.01. – August (Geburt des neuen Jahres)

01.01. auf 02.01. – September (Segen, Weisheit)

02.01. auf 03.01. – Oktober (Verbindung, Visionen, Eingebungen)

03.01. auf 04.01. – November (Loslassen, Abschied nehmen)

04.01. auf 05.01. – Dezember (Reinigung, Transformation)

Wie das Wetter an diesen Tagen der Rauhnächte, so soll es auch im entsprechenden Monat sein. Verwenden Sie zudem ein Traumbuch, in welchem Sie alles, was Sie in diesen Nächten geträumt haben, sofort schriftlich erfassen (ansonsten ist nach fünf Minuten alles wieder verflogen!). Im Brauchtum heisst es nämlich, dass die Seele in diesen speziellen Nächten zwischen Weihnachten und Drei König erahnen kann, was sich im zugeordneten Monat des nächsten Jahres ereignen wird!

Gar wundersames tut sich aber zu Silvester im Stall: Die Tiere sollen zu Mitternacht plötzlich sprechen und die Zukunft vorhersagen können. Jedoch ist es dem Menschen untersagt, zuzuhören, da er ansonsten nur kurze Zeit danach sterbe. Ein spezieller Hausgeist lauscht in manchen Regionen den Tieren und bestraft deren Besitzer, wenn dieser das Vieh schlecht behandelt hat. Auch wird beispielsweise in der Bretagne, Wales oder Schottland nachgesagt, dass unverheiratete Frauen zu Mitternacht an so manchem magischen Ort oder auch im Kreuzgang ihren zu-künftigen Bräutigam sehen können. Während er vorbeiwandelt, darf er jedoch nicht angesprochen werden, da dies ebenfalls tödlich für die Frau enden würde. Apropos Frau – der 5. Januar ist der Hohe Frauentag. Ihm kommt deshalb eine sehr wichtige Bedeutung zu. Ebenfalls ein Schlüsseltag ist der 28. Dezember – der Kindertag! Herrschte in der Familie zuvor der Streit, so sollte man sich dies an diesem Tag alles nochmals durch den Kopf gehen lassen. Anschliessend beleuchtete man die Stube mit zuerst weissem, dann violetten Licht. Und schon wandelte sich alles zum Positiven hin. Beiden Tagen kam deshalb zudem eine entscheidende Wirkung für das neue Jahr zu.

Rauhnacht san vier, zwoa foast und zwoa dürr.“

†(Essensspruch; zitiert von Rudolf Fochler)

Die Gläubigen verbrachten die meiste Zeit während dieser Tage und Nächte im Gebet. Zuvor jedoch musste noch Ordnung im Hause gemacht werden. In den vier wichtigsten Rauhnächten war Wäsche waschen tabu. Einerseits könnten sich die Reiter und Dämonen während der „Wilden Jagd“ in den gespannten Wäscheleinen verfangen, andererseits durch beispielsweise aufgehängte weisse Damen-Unterwäsche gar angelockt werden. Anderer weisser Wäsche wurde nachgesagt, dass sie gestohlen und in weiterer Folge als Leichentuch für deren Besitzer verwendet werden könne. Düstere Aussichten also zu einer Zeit, die eigentlich Glück und Hoffnung versprühen sollte. Kartenspielen war verboten, Frauen und Kinder durften nicht des nächtens alleine auf die Strasse gehen. Im Alpenraum überwachten Perchten die Einhaltung. Sie stehlen oder fressen der Legende nach die bösen Kinder auf, belohnen allerdings die guten! Die eigentliche Perchtennacht jedoch ist die letzte Rauhnacht – die Nacht auf das Fest der Heiligen Drei Könige – auch als „Erscheinungsfest“ („Epiphaniea“) bekannt. Im Alpenraum fanden hierzu die Perchtenumzüge oder -läufe statt, die heutzutage allerdings mehr der Volksbelustigung und des Tourismus dienen, deshalb auch schon im November beginnen. Im Allgäu übrigens gehören diese Perchten auch zur Begleitung des Nikolaus. Erst nach den darauf folgenden „Klossa“ (Krampus oder Knecht Rupprecht) erscheint der Heilige Mann mit der Bischofsmütze und den vielen Geschenken.

So manche Mär wird in diesen Tagen über diese Tage erzählt. Man möge an sie glauben oder auch nicht – etwas geheimnisvolles hat es allemal!

PS:

Wenn Sie mal wieder herzhaft lachen möchten, dann schauen Sie sich auf YouTube die ganzen selbstgemachten Videos der vielen selbsternannten Hexen, Schamaninnen, Zaubermeister etc. an. Es ist wirklich unglaublich, wie viel Schindluder mit der Esoterik getrieben wird!



Lesetipps:

.) Rauhnächte. Märchen, Brauchtum, Aberglaube; Sigrid Früh; Verlag Stendel 1998

.) Das Rätsel der Rauhnächte; Reinhardt Stiehle; Chiron Verlag 2011

.) Rauhnächte erzählen: Ein Lese- und Märchenbuch zu den zwölf heiligen Nächten im Jahr; Nina Stögmüller; Verlag Anton Pustet 2012

.) Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens; Hanns Bächtold-Stäubli (Hrsg.); 1927–1942 (Nachdruck 2000)

.) Die Tiere in den sieben Nächten. Erzählzyklus; Georg Rendl; Deutsche Verlagsanstalt 1937

.) Die Lebendigen und die Toten: in Volksglauben, Religion und Sage; Rudolf Kleinpaul; G. J. Göschen’sche Verlagshandlung 1898



Links:

https://www.jahreskreis.info/

http://www.brauchtumskalender.at/

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Weihnacht‘ wie früher – mmmh lecker!!!

Allerorts in der christlichen Welt wird die Geburt von Jesus Christus gefeiert! Allerorts jedoch komplett anders. Herzlich willkommen zu einem Blog über die lukullischen Weihnachten, wie sie früher einmal waren und teilweise noch sind!

Im Rahmen der Call-in-Sendung einer deutschen Radio-Station war ein Anrufer zu vernehmen, der meinte, dass er seine Grossmutter über alles liebte – doch das Weihnachtsessen …! Leber-, Blut- und Bratwürste – alles in der Pfanne herausgebraten: Es triefte nur so vor lauter Fett!

Andere Länder, andere Sitten!

In Österreich wird bereits in der Vorweihnachtszeit geschlemmt und gut getrunken! Auf den unzähligen Weihnachtsmärkten locken die unter-schiedlichsten Düfte: Heisse Maroni und Kartoffeln (Erdäpfel), Kiachln mit Sauerkraut oder Marmelade, Glühwein und Punsch. Am 06. Dezember kommt für die Kleinen der Nikolaus und belohnt brave Kinder traditionell mit Mandarinen, Nüssen und Schokolade. In manchen Bundesländern auch mit dem „Klosama“ – einem Hefeteiggebäck in Form eines Menschen mit Rosinen als Augen. Am 24. Dezember, dem Heiligen Abend, wird nach der Bescherung gegessen. Meist ohne Kinder, da die mit den Geschenken beschäftigt sind. Auch so mancher Vater soll das Mahl verpasst haben, als er mit dem Aufbau der Carrera-Rennbahn oder der elektrischen Eisenbahn für seinen Sohn beschäftigt war. In den meisten Haushalten allerdings fällt das Essen eher dürftig aus: Frankfurter (Wiener Würstchen) mit Kartoffelsalat. Dies aus zweierlei Gründen: Erstens geht die Familie nach dem Essen noch zur Christmette in die Kirche. Und zudem kommen endlich die leckeren Kekse (Plätzchen) auf den Tisch, die Muttern die letzten Wochen über an die Küche gefesselt haben. Nur im Burgenland verbringt zumeist die Mutter den Tag am Herd: Gansl mit Sauerkraut und Erdäpfeln. Im benachbarten Kärnten serviert man Selchwürsteln ebenfalls mit Sauerkraut und Schwarzbrot. Im westlichsten Bundesland Vorarlberg setzt sich immer mehr das Raclette durch. Am Weihnachtstag werden dann keine Kosten und Mühen gescheut: Meist sitzt die ganze Familie am Tisch. Es gibt Weihnachtsgansl, Karpfen, Roll-braten, … Oftmals mit Rotkraut und Semmel- oder Serviettenknödel, manches mal auch mit Kartoffelknödeln. Am Stephanstag schliesslich, dem 2. Weihnachtsfeiertag, werden häufig Freunde zum Essen einge-laden. Auch hier wird alles aufgetischt, was den Gaumen so richtig jubeln lässt. Erinnert mich meist an den Wettkampf der kochenden Mütter!!!

Ähnlich wird in Deutschland die Küche zu Weihnachten drangsaliert. In der Vorweihnachtszeit werden je nach Region neben den Plätzchen auch Nürnberger Lebkuchen, Aachener Printen, Liegnitzer Bomben und natür-lich der Stollen gebacken. Auch in deutschen Landen erfreuen sich die Weihnachts- oder Christkindles-Märkte grosser Beliebtheit. Anstatt der Kiachln jedoch gibt es oftmals Rostbratwürste mit Sauerkraut oder Schaschlik-Spiesse. Am Heiligabend serviert Muttern entweder einen Eintopf oder ebenfalls Würstchen mit Kartoffelsalat. Dieser wird im Norden mit Mayonnaise, im Süden mit Essig und Öl sowie Brühe zube-reitet. In Niederschlesien entlang der Oder wird zudem der „Breslauer Mehlkloß“ gereicht. Die grosse Ausnahme bildet das Erzgebirge und das Vogtland. Hier freut sich die Familie bereits auf das „Neunerlei“: Ein Menü mit neun Gängen, bestehend aus Bratwurst mit Sauerkraut und Klößen, Gänse- oder Schweinebraten mit Nüssen und Pilzen. Der Tradition entsprechend werden nach dem Essen Münzen unter die Teller gelegt. Am Christtag wird auch im Rest der Bundesrepublik ganz gross aufge-kocht – jedoch regional unterschiedlich. In Altbayern etwa gibt’s den „Weihnachter“ – zumeist einen Schweinebraten, wobei das Tier eigens für Weihnachten gemästet wurde. Seltener kommt die Weihnachtsgans auf den Tisch.

Wer nun denken sollte, dass die Schweizer nur das Käse-Fondue im Kopf haben, liegt völlig falsch! Ein traditionelles eidgenössisches Gericht zu Weihnachten ist das “Schüfeli“ mit Sauerkraut oder grünen Bohnen und Kartoffeln. Die flache Schweineschulter ist im benachbarten Südbaden bzw. dem Elsass auch als Schiifele oder Schiifeli bekannt – die meisten anderen sagen „Kasseler“ dazu. Gekocht je nach Geschmack mit „Saucissons“ (Rohwürsten), Speck am Stück, Rippli oder Rinderzunge. Die Weihnachtsgans ist nur in deutsch-stämmigen Familien angesagt – immer beliebter wird jedoch der in der Romandie gebräuchliche Truthahn. Oder der Kapaun mit Senfsauce aus dem Tessin, mit Ravioli in Bouillon als Vorspeise und Panettone als Nachspeise – einem luftigen Kuchen mit kandierten Früchten. Doch ganz ohne Fondue geht’s nicht: Trendy ist das „Foundue Chinoise“ mit Bouillon und Gemüse. Dabei werden Ravioli in die Bouillon getaucht und mit verschiedenen Saucen verfeinert gegessen. Alles weitere ist sehr regional geprägt: Im Bernerland etwa wird die „Berner Platte“ mit verschiedenem Fleisch, Dörrbohnen, Sauerkraut und Kartoffeln gereicht, im Aargau „Pastetli mit Milken“ (Blätterteigpasteten mit Kalbsbries). Natürlich gibt es auch in der Schweiz die Kekse – sie heissen „Guetzli“.

In Frankreich ist der 24. Dezember ein ganz normaler Arbeits- und Schultag. Erst mit der Mitternachtsmesse, die schon mal früher beginnen kann, startet auch dort das Weihnachtsfest. Danach kommt hier der Gaumen auf seine Kosten: „Le réveillon“, ein Truthahn gefüllt mit Kastanien oder ein Kapaun mit Pflaumen. Zusätzlich stellt der Ober Austern bzw. die gestopfte Gänseleberpastete („foie gras“), kandierte Maroni, Fisch und Käse auf den Tisch. Ja, richtig gelesen: Die Franzosen essen nicht selten im Restaurant! Getrunken wird dazu natürlich Champagner abgerundet mit dem Weihnachtsbaumkuchen („bûche de Noël“). Der Name resultiert aus dem alten Brauch, am Weihnachtstag einen Baumstamm zu verbrennen und die Asche auf den Feldern zu verteilen – für eine gute Ernte! Die Bescherung übrigens findet am Weihnachtstag statt, der Stephanstag ist in La Nation kein Feiertag mehr.

Ola – in Spanien geht’s so richtig ab!!! Dort gibt es ganze 21 traditionelle Weihnachtsgerichte – jedes davon ein kulinarischer Hochgenuss. Weih-nachten ist auf der Iberischen Halbinsel das schönste Fest des Jahres – doch unterscheidet sich die Küche ganz eklatant nach den Provinzen. Eines haben alle gemeinsam: Fisch! Die Weihnachtszeit beginnt bereits am 08. Dezember, dem Tag der unbefleckten Empfängnis („La Inma-culada Concepción“) und endet mit den Heiligen Drei Königen. In dieser Zeit werden Vorspeisen gereicht wie etwa „Ajoblanco“ mit Mandeln und Weintrauben (eine Art Gazpacho mit viiiiel Knoblauch), „Escudella de Nadal“ mit Galets (eine Nudelsuppe mit verschiedenen Fleischsorten, Gemüse und Kichererbsen), die „Andalusischen Chicharrones“ (gebratenes Schweinefleisch mit Salz, Pfeffer Zitrone und Olivenöl), Jamón (Serrano Schinken) etc. Nun zum Fisch und damit der Hauptspeise: Allseits beliebt ist der Seehecht („Merluza“) – im Baskenland in grüner Sauce („Merluza en Salsa Verde“). Daneben gibt es aber auch den Kabeljau („Bacalao“) – in der Pfanne mit verschiedenem Gemüse zubereitet („Bacalao al Ajoarriero“) in Nordspanien, in Zentralspanien den „Besugo“ (eine spezielle Art der Seebrasse), mit Zitrone und Zwiebeln im Ofen gebacken und mit Kartoffeln angerichtet („Besugo al Horno“) usw. Auch Fleischgerichte gehören natürlich dazu, wie der Fleischeintopf „Carna Guisada“, das geschnittene Spanferkel „Cochinillo“ oder „Cordero Asado“, alsdann der Truthahn-Braten „Pavo al Horno“ bzw. in Katalonien auch das Topffleisch „Carn d’olla“ etc. Dort übrigens werden die Überreste des Weihnachtstages am 2. Feiertag „San Esteban“ als „Canelons“ zubereitet. Das sind grosse Nudelrohre mit Fleisch gefüllt, übergossen mit Béchamelsauce und im Ofen gebacken. Kekse gibt’s in diesem Sinne keine, allerdings „Turrón“ (Schokolade mit Mandeln oder ohne), „Polvorones“ (einem Pulver, das vor dem Essen fest in den Handflächen gerollt werden muss) und den „Mantecados“ (wie die Polvorones, allerdings mit Butter, Mandeln und weihnachtlichen Gewürzen wie Zimt hergestellt). Sehr beliebt sind auch die kandierten Früchte („Frutas Confitadas“).

Damit in den Norden – nach Schweden. Dort heisst das Weihnachtsessen „Julmat“ und besteht zumeist aus demJulbord“. Das ist ein Buffet („Smörgåsbord“) mit den unterschiedlichsten Gerichten, bei dem sich jeder nach Geschmack bedienen kann. Es ersetzte Anfang des 20. Jahrhunderts das traditionelle Weihnachtsessen mit Brötchen, Stockfisch (“Lutfisk“) und Reisschleim als Nachspeise. Das Buffet besteht aus kalten und warmen Vorspeisen und Hauptgerichten. Als Vorspeise gilt etwa eingelegter Hering („SpeisInlagd sill“), Heringssalat („Sillsallad“), geräucherter oder gekochter Lachs („Gravad“) und natürlich Stockfisch („Lutfisk“). Die Hauptgerichte sind zumeist die warmen Speisen wie Weih-nachtsschinken („Julskinka“), Fleischbällchen („Köttbullar“), Rippchen von Schwein („ Revbensspjäll“), unterschiedlichste Würste oder ein Auflauf aus Kartoffeln und Anchovis sowie die unterschiedlichsten Kohlsorten. Daneben gehören Eier, Rote Beete, Leberpasteten und etwa auch Käse dazu. Regional gibt es auch dort Unterschiede. Die Nachspeisen sind Reisbrei („Risgrynsgröt“), Käsekuchen („Ostkaka“) oder auch Safranpfann-kuchen („Saffranspannkaka“) etc. Zwischendurch darf natürlich ebenso bei den Schweden genascht werden: Lebkuchen („Pepparkaka“), Safranzöpfe („Saffranssnurror“) oder beispielsweise auch Zuckerstangen („Polkagris“). Getrunken wird dazu ein Weihnachtsbier („Julöl“), Glühwein („Glogg“) oder der hochprozentige „Snaps“.

Zuletzt noch ein kurzer Blick auf andere Kontinente: In den USA bringt Santa Claus ebenfalls erst am Weihnachtstag die Geschenke. Gegessen wird zumeist Truthahn. Daneben gibt es aber auch Spezialitäten aus dem guten alten Europa, wie dem Baumstammkuchen oder den Punsch. Die Kekse („Cookies“) sehen etwas anders aus als jene aus den mittel-europäischen Backöfen – sie werden zumeist Nachbarn oder Freunden geschenkt. Aus den USA stammt übrigens die Tradition, einen Teller voller solcher Cookies und ein Glas Milch für Santa Claus auf den Kamin oder Tisch zu stellen. Das machte übrigens eine Freundin von mir. Als ich mit ihrem Sohn langsam voraus zur Kirche ging, leerte sie das Glas Milch auf einen Zug – danach war ihr fürchterlich übel.

Schliesslich zu den ausgeflippten Aussies – nach Australien. In Down Under wird der Weihnachtstag nicht selten mit dem Grill am Strand gefeiert („BBQ“) – dort ist zu dieser Zeit ja Hochsommer. Santa Claus bringt die Geschenke am Morgen des 25sten durch den Kamin. Der 2. Weihnachtstag ist der „Boxing Day“, der Startschuss für den Sommer-urlaub. Gegessen wird ein Sammelsurium aus allen möglichen euro-päischen Ländern – das meiste jedoch stammt aus Grossbritannien. Zu Heiligabend serviert Muttern einen Putenbraten bzw. Fisch oder sonstige Seefrüchte. Alsdann darf der „Plumpudding“ nicht fehlen, ein gekochter oder gedämpfter Pudding mit Nüssen und Rindernierenfett (heute vermehrt Pflanzenfett), getränkt in Brandy – lecker schmecker! Ich erinnere mich an eine Anekdote: Diesen Plumpudding wollte ein hoch-ehrenvoller Professor des Akademischen Senats an der Universität Innsbruck als Abschluss des Abendessens bei einem Besuch in London verzehren. Der Ober machte ihn darauf aufmerksam, dass dies nicht wirklich eine Nachspeise ist. Dann kam der Teller! …

Nun – ich hoffe, Sie haben unsere kulinarische Rundreise genossen und bei so manchem ist das Wasser im Munde zusammengelaufen! Was auch immer Sie davon bevorzugen, denken sie bitte daran, dass die ganze Arbeit nicht nur bei einer Frau anfallen sollte. Arbeitsteilung auch nach dem Essen gehörte für mich schon immer zu Weihnachten dazu. Zudem ist Weihnachten das Fest des Friedens – die Scheidungsquote jedoch ist ebenso wie nach dem gemeinsam verbrachten Sommerurlaub sehr hoch!

Mahlzeit!!!

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Gentechnik bleibt Gentechnik

Vorweg ein Hinweis:

Der Autor ist weder Experte für Genetik, noch Medizin. Deshalb werden beide Bereiche in diesem Blog nur gestreift, damit dies zudem für Jedermann verständlich bleibt!

Die EU hat entschieden! Einmal mehr nicht für den Konsumenten! Mussten bislang Lebensmittel, die eine gentechnisch veränderte Zutat beinhalten, eindeutig gekennzeichnet sein (etwa „Hergestellt aus gene-tisch veränderten Zuckerrüben, Soja und Mais“), so entfällt dies in Zukunft. Konnte sich bis zu diesem Zeitpunkt der Konsument selbst entscheiden, ob er der Gentechnik Einlass in seinen Haushalt gewährte, so muss er künftig sehr genau lesen und recherchieren, was er seinen Kindern zum Abendbrot auftischt! Diese Kennzeichnungspflicht entfällt nämlich bei einigen Nahrungsmitteln: Jenen, die mit der sog. „Genschere“ bearbeitet wurden!

Was steckt dahinter?

Die EU hat die weltweit strengsten Regel für den Einsatz und Verkauf gentechnisch veränderter Pflanzen. Dies war schon immer den global agierenden Saatgut-Konzernen wie Bayer/Monsanto, Syngenta und Co ein Dorn im Auge. Das soll nun aufgeweicht werden. Vorerst für Produkte, die mit der sog. „Genschere Crispr“ bearbeitet wurden. Hier muss fortan nurmehr das Saatgut eindeutig gekennzeichnet sein, damit der Bauer weiss, dass er gentechnisch veränderte Pflanzen anbaut! Dies beschlossen Vertreter des Europarlaments und der Kommission. Ziel ist es, dass Gemüse und Obst geschaffen wird, das resistenter gegen Dürre und Nässe ist um damit die Ernten zu vergrössern und die Pflanzen zudem weniger Dünger benötigen. Dies gilt für Pflanzen, die auch durch die natürliche Hybridzüchtung hätten resistenter gemacht werden können. Also der Kreuzung zweier reinerbiger Inzuchtlinien, um sie da-durch leistungs- und widerstandsfähiger zu machen. Die Wissenschaft freut sich über die Entscheidung, die Bio-Landwirtschaft schüttelt nur-mehr resignierend den Kopf.

Gentechnik könnte viel zu grüner, gesünderer Landwirtschaft beitragen!“

(Jiří Friml, Biochemiker und Zellbiologe)

Damit hinein ins Eingemachte! Die derzeitig geltende Regelung stammt aus dem Jahr 2001 und ist selbstverständlich nicht mehr zeitgemäss. Sie wird nun durch eine Reform gegenüber den Neuen Genomischen Techniken (NGT) erweitert. Hierunter fallen Werkzeuge bzw. Techniken wie etwa die 2012 durch die beiden Forscherinnen Emmanuelle Char-pentier aus Frankreich und Jennifer Doudna (USA) entdeckte „Genschere CRISPR/Cas9“. Im Jahr 2020 wurde ihnen dafür der Chemie-Nobelpreis zuerkannt. Wurden bislang in der klassischen Gentechnik fremde Gene in die DNA eines Organismuses eingebaut (es kommt dadurch zu „transgenen Organismen“), so wird dies mit CRISPR/Cas9 wesentlich präziser gemacht: Es können Teile der DNA entfernt, aber auch andere Teile eingefügt werden. Allerdings dürfen auch weiterhin keine art-fremden Gene bzw. – teile eingefügt bzw. eine gewisse Anzahl der Veränderungen nicht überschritten werden. Dadurch können diese bearbeiteten Pflanzen nicht mehr von den natürlichen Mutationen der herkömmlichen Züchtung unterschieden werden. Das kostet erheblich weniger Zeit als auf natürliche Art. Eigentlich ja eine gute Sache. Doch gibt es wie bei allen neuen Errungenschaften auch negative Seiten:

– Wie wirken sich diese gentechnisch veränderten Lebensmittel auf den Menschen aus? Es fehlen die Langzeitstudien

– Durch Windverfrachtung kann es zu einer Befruchtung der gentechnisch veränderten mit den Bio-Pflanzen kommen, wodurch der Biobauer seinen Hof dicht machen müsste

– Die Big-Player aus der Saatgut-Produktion werden die schon lange versuchte Monopolstellung durchboxen und endlich den grossen Reibach machen

Dafür hat die Wissenschaft jahrelang gekämpft!“

(Heinz Faßmann, Präsident der Österreichischen Akademie der Wissen-schaften)

Die Wissenschafter begrüssen diese Reform. Schliesslich sind viele Staaten wie China, die USA, Kanada und auch einige afrikanische Länder wesentlich weiter als die EU-Mitgliedsländer. So können Pflanzen etwa auch resistenter gegenüber Schädlingen und Krankheiten gemacht werden. Für die Monokultur-Landwirtschaft ein erheblicher Fortschritt.

Österreichs Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (ÖVP) hat aller-dings bereits eine Zustimmung in weite Ferne gerückt – noch deutlicher wird der Landwirtschaftssprecher der Grünen im Europäischen Parlament, Thomas Waitz:

Das Ergebnis ist eine totale Deregulierung: ein absoluter Super-GAU für Konsument:innen und für die europäische Biolandwirtschaft!“

Derselben Meinung ist sein deutscher Parteikollege Martin Häusling. Auch die FPÖ steht dem Ganzen skeptisch gegenüber. In Deutschland schliessen sich dem die Verbraucherverbände, der Bauernverband und die SPD im Europaparlament an. Die letzteren Beiden sehen vornehmlich unklare rechtliche Verhältnisse, steigende finanzielle Belastungen sowie eine starke Machtkonzentration auf die Landwirtschaft und Lebensmittel-industrie zukommen.

Durch die hohen Kosten der Regulierung wären die Klein- und Mittel-betriebe hier nicht konkurrenzfähig!“

(Eva Stöger, BOKU Wien, Institut für Angewandte Genetik und Zellbiologie)

So besteht beispielsweise die Gefahr, dass ein Bio-Bauer aus eigener Züchtung auf die Eigenschaften der Pflanze kommt, diese aber nicht mehr anbauen darf, da bereits ein Patent auf die NGT-Pflanze besteht. In Fachkreisen wird betont, dass die Hersteller ein Nachweisverfahren zu liefern hätten, was aber bislang noch nicht geschehen ist. Für die Nachweisbarkeit der Genschere ist die EU verantwortlich. Schliesslich sind veränderte Pflanzen so gut wie gar nicht von ihren natürlichen Kollegen zu unterscheiden. Allerdings sind bereits entsprechende Produkte auf dem Markt – etwa das Sojaöl des US-amerikanischen Unternehmens Calyxt aus Minneapolis.

In Österreich etwa sind mit CRISPR/Cas9 bearbeitete Pflanzen bereits genehmigt, wenn deren Anbau nicht im Freien erfolgt und sie in weiterer Folge für medizinisch/pharmazeutische Zwecke verwendet werden.

Dennoch – Gentechnik bleibt Gentechnik:

Das Ergebnis (nach Genveränderung mit der Genschere, Anm.) ist nicht natürlich passiert. Das macht die Technologie per Definition zur Gentechnik. Es ist ein gezielter Eingriff!“

(Sebastian Theissing-Matei, Greenpeace Österreich)

Er stellt die Frage, ob wir solche „tollen Innovationen“ überhaupt benötigen und fordert das Vorsorgeprinzip als Nachweis, dass diese Methode als sicher gilt, ebenso aber die Transparenz und Kennzeichnung bei betroffenen Produkten.

Dem gegenüber stehen nicht weniger als 93 europäische Forschungs-einrichtungen (darunter auch die BOKU in Österreich) bzw. fast 1.500 Wissenschaftler, die in einem offenen Brief an die Mitglieder des Europäischen Parlaments eine Lockerung des Gentechnikgesetzes und damit die Zulassung der Genschere fordern.

Und – wie schaut’s mit Tier und Mensch aus? Durchaus denkbar! Kühe, die gegen die Maul-und-Klauen-Seuche resistent sind, Geflügel gegen die Vogelgrippe, Schafe, die qualitativ hochwertige Wolle liefern, …! Probleme treten allerdings beim Menschen auf: Hier geht es um das Designer-Baby! Viele ethische Fragen müssten zuvor geklärt werden, wenn die Genschere etwa gegen Erbkrankheiten eingesetzt wird (wie die Sichelzellanämie und die beta-Thalassämie, bei welchen der Blutfarbstoff Hämoglobin missgebildet wird, wodurch der Sauerstoff-Transport im Blut erheblich eingeschränkt wird). Bei Stammzellen-Therapien beispielsweise sind Fälle beobachtet worden, bei welchen eine Leukämie ausgelöst wurde. Finanzierbar aber ist eine solche Therapie nur für reiche Menschen – rund 2 Mio Euro an Kosten stehen an! Und – wie ist es, wenn sich genau diese Reichen ein Baby zurecht schneidern lassen, das sie schon immer so haben wollten (Augen- und Haarfarbe, athletischer Typ, Intelligenz, …). 2018 machte ein chinesischer Forscher von sich Reden, als er behauptete, ein CRISPR-Baby geschaffen zu haben, das gegen HIV resistent ist. Ob dies tatsächlich der Realität entspricht oder nur ein gelungener Schachzug der chinesischen Propaganda war, lässt sich nicht mehr eruieren. Jedoch – auch in China ist ein solcher Eingriff wie auf den meisten anderen Erdteilen verboten!

Bleibt die abschliessende Frage:

Soll der Mensch tatsächlich in die göttliche Schöpfung eingreifen dürfen, mit der Gefahr, dass diese Eingriffe auch missbraucht werden???

Lesetipps:

.) Eingriff in die Evolution: Die Macht der CRISPR-Technologie und die Frage, wie wir sie nutzen wollen; Jennifer A. Doudna, Samuel H. Sternberg; Springer Verlag 2018

.) Technikfolgenabschätzung des CRISPR/Cas-Systems, Über die Anwen-dung in der menschlichen Keimbahn; Annika Hardt; De Gruyter 2019

.) Modern Prometheus; Jim Kozubek; Cambridge University Press 2016

Links:

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Schweinswale – vom Aussterben bedroht

Die Landesstelle Ostseeschutz des Naturschutzbundes NABU schlägt Alarm:

Die Population geht stark zurück!“

(Dagmar Struß, Leiterin der Landesstelle Ostseeschutz des NABU)

Frau Struß macht sich besonders große Sorgen um die Schweinswale (Phocoenidae), dem „Tier des Jahres 2022“. Diese zählen zu den Wal-artigen (Cetacea) und sind somit Meeressäugetiere. Der gewöhnliche Schweinswal gehört zur Gruppe der Zahnwale – er ist der kleinste dieser Gruppe. Aufgrund ihrer Morphologie und Anatomie bilden sie eine eigene Familie und werden nicht den Delphinen zugeordnet, vielmehr jedoch den Delphinartigen. Der Schweinswal besitzt einen eleganten, spindel-förmigen Körper.

Dagmar Struß weiter: Alleine zwischen 2016 und 2022 ist die Zahl der gewöhnlichen Schweinswale (Phocoena phocoena) in der westlichen Ostsee von rund 42.000 auf etwa 14.000 Exemplare geschrumpft. Doch das ist noch längst nicht alles – zwischen Kattegat und Bornholmer Becken (innere Ostsee) wird der Bestand nurmehr auf zwischen 100 bis 1.000 geschätzt. Damit ist diese Tierart akut vom Aussterben bedroht! Die Verantwortung hierfür trägt einmal mehr der Mensch: Überfischung, Unterwasserlärm, Veränderungen des Lebensraumes, … Doch krepieren die meisten Tiere elendigst in den Stellnetzen: Sie verfangen sich in den Netzen, können zum Luftholen nicht mehr auftauchen und ertrinken. Als Beifang landen sie auf den Fischkuttern und werden zumeist wieder in die See geworfen. Die Wissenschaftler des Deutschen Meeresmuseums in Stralsund fordern deshalb andere Fangmethoden. Bis dies allerdings umgesetzt würde, dürfte es kaum mehr Schweinswale in der Ostsee geben. Und hier stoßen die Meeresbiologen und Tierschützer auf eine durchaus starke Lobby: Die Fischindustrie! Erst in diesem Jahr bestätigte die EU die Fangquoten, wonach kleine Küstenfischer auch weiterhin auf diese Art Heringe fischen dürfen.

Doch betrachten wir uns die einzelnen Faktoren etwas genauer, da sie meist auch in der Hochsee-Fischerei ein Problem darstellen.

.) Unterwasserlärm

Wie an dieser Stelle bereits berichtet, nimmt dieser Lärm stets zu – vor allem, wenn es um den Abbau von Rohstoffen am Meeresboden geht. Wale und Delphine sind extremst lärmempfindlich. Für ihre Kommuni-kation und Orientierung verwenden Wale eine Art Biosonar (Echolokation) mit Klicklauten – erzeugt durch die „Phonischen Lippen“ (Frequenz von 130 kHz – weit außerhalb des menschlichen Schallbereiches). Die Laute breiten sich mit einer Geschwindigkeit von rund 1.500 m/sec aus. Das Echo nimmt der Schweinswal über den Unterkiefer auf. Hierdurch können sie miteinander kommunizieren, Hindernissen ausweichen und nicht zuletzt auch Beute ausmachen. Werden sie nun durch Schiffsschrauben, Windenergie-Rotoren oder gar Maschinen am Meeresboden gestört, tauchen sie zu ihrem Schutz an einer ruhigeren Stelle auf den Meeres-boden und verhalten sich still. Neben dem Sauerstoffmangel leidet auch ihre Ernährung darunter. Schweinswale nehmen täglich bis zu 10 % ihres Körpergewichtes an Nahrung auf. Viele der Kleinen Tümmler sind unter-ernährt. Dauert der Lärm an, verlassen sie ihren angestammten Lebens-raum.

.) Nahrungsangebot

Oftmals ist es die Überfischung durch Fischereiflotten, die den größeren Fischen oder Tieren die Nahrung praktisch wegfischen, so kommt in der Ostsee auch dem Klimawandel eine entscheidende Rolle zu: Schweinswale ernähren sich vornehmlich durch den Hering. Die Ostsee ist eines jener Meere, die sich am schnellsten erwärmen. Deshalb schlüpfen die Heringe früher, finden keine Nahrung und verhungern. Obwohl die Schweinswale über Zähne verfügen, wird die Beute mit dem Kopf voraus als Ganzes verschlungen. Die Zähne dienen nur dem Ergreifen der Beute.

.) Umweltverschmutzung

Es ist längst kein Geheimnis mehr: Die Ostsee droht zu kippen! 25 % des Meeresbodens gelten als biologisch tot! Nur alle 30 Jahre wird das gesamte Wasservolumen durch die Wasserzirkulation ausgetauscht. Somit bleiben all die menschlich verursachten Umweltverschmutzungen über Jahrzehnte hinweg in der Ostsee. Das betrifft einerseits die Ableitungen der Abwässer der Schiffe bzw. die Einleitungen von Abwässern vom Land aus, was zu einer Überdüngung der Ostsee führt. Andererseits die Verschmutzung durch Kunststoff aber auch Chemikalien. Auch hier spielt die illegale Giftmüllentsorgung eine entscheidende Rolle. Doch – wie ebenfalls an dieser Stelle bereits berichtet – wurden vornehmlich nach dem Zweiten Weltkrieg viele chemische Kampfstoffe zuhauf fassweise in der Ostsee entsorgt. Nervengifte, die nicht nur für den Menschen tödlich sind. Die Fässer sind inzwischen durchgerostet, wodurch immer mehr der Gifte freigesetzt werden. Sie reichern sich entweder in den Fischen an und kommen dadurch in die Nahrungskette oder führen etwa bei den Schweinswalen zu Fieber und Atemnot. Das Plastik reichert sich im Magen des Schweinswales an, er verhungert trotz vollen Magens.

Aus all diesen Mosaiksteinchen, werden sie zusammengefügt, ergibt sich nur eine einzige Möglichkeit für die Ostsee: Ein Nationalpark Ostsee!!! Und dies so rasch wie möglich, bevor es zu spät ist. Dadurch käme es zu keinem Unterwasserlärm, zu keinen Abwässern und zu keinen Chemikalien mehr. Das allerdings funktioniert nur im Ganzen, da ansonsten von den Umweltzerstörern auf jene Regionen ausgewichen wird, die nicht dezidiert geschützt sind. Durch die Strömungsverhältnisse wären weiterhin auch geschützte Regionen nicht wirklich geschützt! Experten warnen deshalb:

Gibt es keinen Schweinswal mehr in der Ostsee, gibt es auch keine Ostsee mehr.

Zuletzt (neben den bereits erwähnten) noch einige Daten zum Schweins-wal: Er wird rund 1,80 m lang, bis zu 75 kg schwer und bis zu 12 Jahre alt; er ernährt sich in der Ostsee vornehmlich von Heringen, Grundeln und kleineren Dorschen, in der Nordsee auch von Sandaalen und See-zungen.

Alfred Brehm beschrieb bereits 1877 den Lebensraum der „Braunfische“ (dunkler bis tiefschwarzer Rücken). Erstmals namentlich erwähnt wurden die Schweinswale 1935 durch die Hamburger Zoologin Erna Mohr, die davon berichtet, dass die „Schweinsfische“ zumeist in größeren Scharen schwimmen und sich recht häufig in der Umgebung von Fischkuttern aufhalten. In den 1980er Jahren wurde der Schweinswal in die Liste der bedrohten Tierarten aufgenommen.

Die Männchen werden bereits im Alter von ein bis zwei Jahren geschlechtsreif, die Weibchen mit 3 bzw. 4 Jahren. Die Paarungszeit läuft zwischen Mitte Juli bis Ende August. Der Wurf besteht aus einem Kalb mit bis zu sieben Kilogramm und 90 cm Länge. Die durchschnittliche Schwimmgeschwindigkeit liegt bei fünf bis sieben Stundenkilometern, für kurze Zeit können jedoch auch 22 km/h erreicht werden. Das Aus- und Einatmen findet zwei- bis viermal die Minute an der Wasseroberfläche statt und dauert gerade mal zwei Sekunden. Die Tauchtiefe liegt bei bis zu 60 m, in der kanadischen Bay of Fundy allerdings wurde ein Schweinswal auch in 226 m Meerestiefe beobachtet. Sehr interessant ist alsdann das Ruheverhalten der Schweinswale. Sie schlafen nicht an einem Stück, sondern legen mehrfach am Tag sekundenlange Dümpelphasen an der Wasseroberfläche ein.

Schweinswale kommen in vielerlei Arten auch in anderen Meeren vor: Der Kalifornische Schweinswal im Golf von Kalifornien (der „Vaquita“ gilt inzwischen als nahezu ausgestorben), der Burmeister-Schweinswal vor der Pazifikküste und der südlichen Atlantikküste Südamerikas, der Brillenschweinswal vor der südamerikanischen Atlantikküste und vor Südost-Australien; der gewöhnliche Schweinswal als Phocoena phocoena phocoena im Nordatlantik, als Phocoena phocoena relicta im Schwarzen und Asowschen Meer und als Phocoena phocoena vomerina im Nord-pazifik. Andere Gattungen im Indischen Ozean, dem Indo-Pazifik und dem nördlichen Pazifik bzw. im Yangtze-Fluss,

Natürliche Feinde sind nur verschiedene Haiarten oder Schwertwale. An angespülten Kadavern werden immer wieder Bissspuren von Kegelrobben entdeckt. Ob diese die Kadaver oder den lebenden Schweinswal anfressen, ist bislang nicht bekannt. Schweinswale wurden durch den Menschen jahrhundertelang gejagt – seit dem 1. Juli 1975 (Inkrafttreten des Washingtoner Artenschutzabkommens) ist diese Jagd zumindest in allen EU-Ländern verboten.

Lesetipps:

.) Die Schweinswale: Familie Phocoenidae; Gerhard Schulze; Westarp Wissenschaften 1996

.) Handbuch des Meeresnaturschutzrechts in der Nord- und Ostsee. Nationales Recht unter Einbezug internationaler und europäischer Vorgaben; H.-W. Louis; Springer 2012

Links:

www.deutsches-meeresmuseum.de

– schleswig-holstein.nabu.de

www.bfn.de

– www.deutschewildtierstiftung.de

www.stiftung-meeresschutz.org

www.greenpeace.de

www.wwf.de/

www.nabu.de

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Lachgas – nicht wirklich lustig!

Es ist wahrhaft pervers, was sich so manch Einer reinschmeisst um in höhere Sphären zu kommen und sich im Endeffekt selbst dadurch kaputt zu machen! Und – wie zumeist – geht die Techno-Szene mit grossen Schritten voraus. Derzeit etwa „in“ sind Ketamin und Lachgas! Doch so harmlos wie die Wörter klingen, sind beide Mittelchen absolut nicht!!!

Ketamin wurde in den 1960er Jahren eigentlich als Narkosemittel ent-wickelt, findet aber inzwischen in der Medizin (mit Ausnahme der Notfallmedizin) nahezu keinerlei Anwendung mehr, da es zu sehr vielen Nebenwirkungen führt: Übelkeit, Erbrechen, Verwirrtheit, Lähmungs-erscheinungen, hoher Blutdruck und Puls etwa. Diese können auch bis zu Stunden nach der Einnahme andauern. Das aber ist offenbar den Party-People vollkommen gleichgültig, ist Ketamin doch als „Vitamin K“, „Special K“, „K“ oder „Kate“ in der Partyszene sehr beliebt. So führt es zu Rauschgefühlen, Euphorie und zum sog. „K-Hole“ – halluzinogenen Momenten, bei welchen man sich in einem Loch befindet und aus dem eigenen Körper heraustritt. Dieser kann nicht mehr kontrolliert werden, obwohl man noch teilweise wahrnehmen kann. Ein Aussenstehender kann nicht beurteilen, ob es sich um einen lebensbedrohlichen Zustand handelt oder der Betroffene einfach nur schläft. Ketamin wird gespritzt (Wirkungsdauer etwa 5 Minuten), geschnupft (Wirkungsdauer ca. 60 Minuten) oder geschluckt (Wirkungsdauer rund 90 Minuten). Der Lang-zeitkonsum führt meist zu neurologischen Störungen, einer Schädigung des Zentralen Nervensystems und Schäden an Nieren und Harntrakt. Zudem belastet Ketamin das Herz-Kreislaufsystem, kann also auch hier zu Folgeschäden führen. Ketamin gibt es in zwei unterschiedlichen Dosierungen: Als R-Ketamin (Racemat) oder als S-Ketamin, das doppelt so stark ist und beispielsweise als Nasenspray bei therapieresistenten Depressionen medizinisch eingesetzt wird. Wer es verwendet, macht sich strafbar, obgleich Ketamin nicht explizit im Betäubungsmittelgesetz enthalten ist.

Lachgas wurde ebenso als Betäubungsmittel entwickelt, findet allerdings auch in vielen anderen Bereichen Anwendung – etwa zur Vereisung oder als Kapseln für Sahnespender. 1771 erwähnte erstmals der britische Pfarrer, Chemiker und Physiker Joseph Priestley das Distickstoffmonoxid (N2O). Selbstversuche mit dem Gas führte ab 1797 der englische Apotheker und Chemiker Humphry Davy durch. Medizinisch eingesetzt wurde es hingegen erst bei einem Selbstversuch des amerikanischen Zahnarztes Horace Wells aus Hartford/Connecticut, der sich im Jahr 1844 mit dem farblosen und leicht süsslich riechenden Gas betäuben liess, damit ein Weisheitszahn gezogen werden konnte. Deshalb wurde Lachgas gerade in der Zahnmedizin recht häufig für Kurzzeit-Narkosen einge-setzt. Inzwischen allerdings durch andere Narkosemöglichkeiten ersetzt. Lachgas wirkt unmittelbar auf das Zentrale Nervensystem. Durch die Aktivierung der Opioidrezeptoren im Gehirn verliert man Ängste und Schmerzempfinden, entspannt sich, verliert das Zeitgefühl und nimmt trotzdem noch wahr. Die Blutgefässe werden erweitert – eine bessere Durchblutung des Körpers findet statt. Alsdann werden Endorphine ausgeschütten, was zu eiunem Wohlgefühl führt. Als Partydroge wird es aus einer Kartusche in einen Luftballon gefüllt und hierüber eingeatmet. Ein Zug führt zu einer bis zu 3 minütigen Wirkung, angeblich mit Euphorie, Ruhe, Entspannung und Losgelöstsein. Auch hier kommt es zu Nebenwirkungen: Übelkeit, Lähmungserscheinungen, Desorientiertheit, Verlust des Gleichgewichtssinns, Kopfschmerzen etwa. Bei längerem Konsum kann es zu Blutarmut(Anämie) kommen, zudem wird der Vitamin B12-Stoffwechsel extremst beeinflusst. Soll heissen, dass das Vitamin, das normalerweise mit der Nahrung in den Körper gelangt, nicht mehr seiner Wirkung nachgehen kann, da es mit dem Lachgas reagiert. Das führt zu Schädigungen des Rückenmarks, da Vitamin B12 vornehmlich für die Produktion von Nervenzellen gebraucht wird. Siehe hierzu die fran-zösische Studie, die zwischen 2018 und 2021 insgesamt 181 Patienten mit schweren Lachgasvergiftungen untersuchte. In Deutschland wurden 2024 insgesamt 50 Lachgasvergiftungsfälle behandelt. Wer das Gas übrigens direkt aus der Kartusche inhaltiert, riskiert Kälteverbrennungen an Fingern und Lippen sowie einen möglichen Lungenriss, aufgrund des explosionsartigen Ausbreitens des Gases in den Atemwegen. Der Lunge wird zudem Sauerstoff entzogen. Dies kann zur Bewusstlosigkeit führen. Als Droge wurde Lachgas bereits in den 1830er Jahren vornehmlich auf Jahrmärkten als „Belustigungsmittel“ eingesetzt, weitere Höhepunkte erreichte es in der Psychedelic-Phase der 1970er Jahre und schliesslich bei den Raves in den 1990er Jahren. Leider ist Lachgas auch in Kiosken oder Automaten erhältlich. Allerdings: Wie in Frankreich bereits seit einiger Zeit, ist in Deutschland der Verkauf an Minderjährigen bundesweit ab dem Frühjahr 2026 verboten (Beschluss des Bundestages vom 15. November) – in einigen Regionen gilt dieses Verbot bereits jetzt schon (Hamburg, Schleswig-Holstein, Frankfurt/Main, Osnabrück und weitere). In den Niederlanden und Grossbritannien gilt Lachgas als Droge. Dort und zudem in Dänemark ist der Verkauf generell verboten. Tödlich kann das Gas wirken, wenn man es über eine Maske oder durch eine über-gestülpte Tüte konsumiert. Übrigens: Lachgas ist ein starkes Treib-hausgas mit einem Anteil von rund 10 %.

Filmtipp:

Lachgas: Harmloser Rausch oder Partydroge mit Risikjo; ZDF-Reportage 2024

Lesetipps:

.) Nitrous oxide and climate change; Hrsg. Keith Smith; Earthscan 2010

.) Handbook of Nitrous Oxide and Oxygen Sedation; Morris S. Clark, Ann. L. Brunick; Mosby Elsevier 2008

Link:

https://www.bfr.bund.de/mitteilung/lachgas-riskante-partydroge/
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Weltklimakonferenz – Alle zwei Jahre grüsst das Murmeltier!!!

Ein Schelm, der erwartet, dass bei der Weltklimakonferenz COP 30 im brasilianischen Belèm ein durchschlagender Erfolg für das Klima, für unsere Umwelt erzielt werden könnte! Anstatt dessen werden sich die Vertreter von 196 eingeladenen Staaten dieser Erde erneut auf einen faulen Kompromiss einigen – dafür werden schon Russland, China und Saudi Arabien verantwortlich sein. Erstere werden sich gegen alles stellen, was aus dem Westen kommt, China hat Angst vor einem weiteren Einbruch seiner Wirtschaftszahlen und die Saudis wollen ohnedies stets den Reibach machen. So haben die Saudis und Russland vor der letzten COP die Rohöl-Förderquoten gedrosselt, was ein Steigen des Ölpreises nach sich zog. Andere OPEC-Staaten folgten ihnen allerdings nicht.

Dabei hat sich Brasiliens Staatschef Luiz Inácio Lula da Silva im Vergleich zu seinen Vorgängern die Latte gar nicht mal so hoch gelegt: Er rief zum „Mutirão“ auf! Ein brasilianisches Konzept zum Erreichen eines gemeinsamen Zieles – durch gemeinschaftliche und kollektive Anstren-gung! Ja richtig – keine neuen Ziele, sondern ein gemeinsames Erreichen der bislang ohnedies bereits beschlossenen Ziele! An diese hat sich nämlich nahezu kein einziges Teilnehmerland gehalten.

Wir müssen anerkennen, dass das Prinzip der gemeinsamen, aber unterschiedlichen Verantwortlichkeiten nach wie vor die unverhandel-bare Grundlage jedes Klimapakts ist!“

(Lula da Silva in einem Gastkommantar der FAZ)

Ähnlich wie die Zusammenkünfte zuvor ist auch in Belèm keinerlei Einigung zu erwarten – auch hier droht eine Verlängerung des Gipfels. Kommt es alsdann dieses Mal zu einem seit Jahren ohnedies gewohnten Eilverfahren durch den Präsidenten von COP-30, Lula da Silva, um zumindest die Gipfeldokumente abzeichnen zu können? Oder sind sich alle (na ja – die meisten) einig, da die Ziele ja schon beschlossen wurden?

Aber – dies ist ja sowieso vollkommen gleichgültig. Schliesslich sind die Zusagen auf dieser Veranstaltung nicht verbindlich. Soll heissen, dass die Versprechen etwa zu Kyoto oder Paris von den meisten Ländern nicht eingehalten wurden. Ob es Lula in diesem Jahr schaffen wird? Vorbildlich etwa Japan und Kanada: Beide Länder sind vor einigen Jahren aus dem Vertrag ausgetreten, um auf freiwilliger Basis unter die vereinbarten Werte zu kommen. Japan etwa hat in den Jahren 2005-2020 bei 5 % Wirtschaftswachstum ein Minus beim CO2-Ausstoss von 22 % erzielt, Kanada im selben Zeitraum bei +10 % Wirtschaftswachstum 31 % Redu-zierung des CO2-Ausstosses!

Erstmals kam es vor diesem Treffen zu einer Gipfelkonferenz (normaler-weise erst in der 2. Woche). Einer freilich fehlte: Donald Trump! Ansons-ten waren viele Staatschefs, wie der deutsche Bundeskanzler Merz, der französische Staatspräsident Macron und der britische Primeminister Starmer sowie die Spitzen der EU und UNO vorort präsent. Die Abwesen-heit eines Vertreters des zweitgrössten CO2-Verursachers, den USA, zeigt wohl am besten auf, welche Bedeutung diese dem Klimaschutz unter der Regierung Trump zukommen lassen: Nur warme Luft! Ganz anders China: Wie kein anderer Staat bauten die Chinesen innerhalb kurzer Zeit mehr PV-Anlagen als die gesamte restliche Welt auf. China bewegt sich immer weiter weg von der Spitzenposition des weltweit grössten CO2-Verur-sachers.

„Wir stehen in diesen Tagen an einer Weggabelung!“

(Friedrich Merz, dt. Bundeskanzler bei der Gipfelkonferenz)

Merz forderte den vermehrten Einsatz von Technologie und Innovation um dem Klimawechsel Einhalt zu gebieten. Doch das, sehr geehrter Herr Kanzler, gibt es schon! Es wartet auf seinen flächendeckenden Einsatz. Mehr ist wohl von diesem Bundeskanzler nicht zu erwarten, kommt er doch aus der Finanzwirtschaft und fordert mehr wirtschaftliches Wachs-tum! Ob dieses nachhaltig ist oder nicht…? Sein Vorgänger, Olaf Scholz, hatte zumindest damals zum raschest möglichen Ausstieg aus den fossilen Energien aufgerufen!

Was gibt es nun von dieser Weltklimakonferenz zu berichten? Einiges!

.) Die Vorbereitung der städtischen Infrastruktur auf dieses Event umfasste 650 Mio Euro – das ist nahezu so viel wie das städtische Jahresbudget

.) Schon im Juni streikte ein Grossteil der Bauarbeiter für gerechtere und pünktliche Löhne! Es kam auch zu Ausschreitungen

.) Obdachlose wurden gewaltsam aus der Stadt entfernt, damit kein schlechtes Bild auf die Veranstaltung fällt

.) Viele Delegationen (auch Lula da Silva) sind auf Kreuzfahrtschiffen untergebracht. Nicht wenige davon fahren noch mit Schweröl!

.) Die Übernachtungskosten sind explodiert! 61 der ärmeren Länder wollten deshalb ihre Teilnahme absagen – sie sind nun kostenlos auf den Kreuzfahrtschiffen untergebracht. Die Stadt verfügt normalerweise über 18.000 Hotelbetten! 60.000 Gäste werden jedoch erwartet. Viele Privat-personen haben ihre Wohnungen renoviert und bieten sie nun zu horrenden Preisen an (mit Klimaanlage wesentlich mehr!). Hängematte für 300 US-Dollar…!

.) Belèm ist die Stadt mit den meisten Slums und dem wenigsten Grünland Brasiliens; dies obgleich der einstige Reichtum der Stadt vom Kautschuk stammte – und damit vom Wald! Die Abwässer v.a. der Slums fliessen ungeklärt in die Flüsse und Kanäle. In den Innenstadt- und Nobelvierteln wurden die Kanäle ausgebaggert und der Schlamm in den Armenvierteln abgeladen.

.) Trinkwasser musste in vielen Stadtteilen gekauft werden, da sie entweder keinen Wasseranschluss hatten oder das Wasser nicht brauch-bar war; Brauchwasser zum Duschen oder für die Toiletten wurde eimer-weise jenen Nachbarn abgekauft, die sich dieses aus dem Fluss hoch-gepumpt hatten.

.) Der Parque Linear das Docas ist kein normaler Park. Seine Bäume bestehen aus recycelten PET-Flaschen!

.) Bagger rissen für etwa die vierspurige Avenida Liberdade riesige Schneisen in ein Regenwald-Naturschutzgebiet und drei Siedlungen – 68 Hektar Wald wurden planiert und asphaltiert

Präsident Lula wollte das COP 30-Treffen im Herzen des Klimawandels vonstatten gehen lassen – im Amazonas-Delta. Von der Grundüberlegung eigentlich eine gute Sache, da sich jeder der Teilnehmer selbst ein Bild von den verheerenden Auswirkungen des Klimawandels machen kann! Doch tatsächlich hat er noch weitaus mehr Wunden in die Region gerissen, da die vielen Delegierten ja nicht auf ihren gewohnten Standard verzichten wollen. Viele der Veranstaltungen finden in Bierzelten statt – so manch Einer wird sich gefragt haben: „Was denn – ernsthaft?“ Und zudem: Ausgerechnet in dieser extremst sensiblen Region hatte Lula zuvor Probebohrungen für den halbstaatlichen Konzern Petrobras genehmigt! Wird hier künftig die Natur zugunsten der Erdölförderung den Kürzeren ziehen?

Bei alledem muss die Frage gestellt werden: Muss diese Konferenz wirklich stattfinden? Rund 56.000 Delegierte sind vorort – das ist zwar viel weniger als in den Jahren zuvor, doch werden sich viele unserer Nachkommen verzweifelt an den Kopf greifen, wenn sie den CO2-Fussabdruck dieser Veranstaltung vor Augen haben: myclimate.org berechnet diesen auf 2,7 to CO2 pro Passagier! Nicht zu vergessen: Nach einer Studie der University of Edinburgh stossen die Webseiten der Klimakonferenzen mehr als zehnmal so viel CO2 aus als andere Webseiten!

Das Jahr 2024 ist nach den Beobachtungen des EU-Erdbeobachtungs-programms Copernicus das heisseste Jahr seit Beginn der Aufzeich-nungen. Der Datensatz stützt sich auf Milliarden Daten von Satelliten, Flugzeugen und Wetterstationen. Anstieg der Erderwärmung 1,6 Grad über dem vorindustriellen Niveau! Ob die angestrebte Grenze von 1,5 Grad Temperatur-Erhöhung im Jahr 2100 eingehalten werden kann, ist mehr als fraglich. Hätten die Verschmutzer ihre Zusagen eingehalten, stünden wir heute in einer anderen Ausgangsposition. Doch wurde viel zu lange dahingewartet – jetzt die Ziele erreichen zu wollen, bedeutet wohl umgreifende Änderungen im täglichen Leben eines jeden Einzelnen. Um nicht zu sagen: Das ist unmöglich! „Hallo?“ werden nun einige lauthals schreien: „Ich fahre mit dem Bus!“ Ja, sehr löblich – wirklich. Doch wie viele Produkte haben Sie aus China in Ihrem Haushalt stehen oder liegen? Bevorzugen Sie auch im Winter T-Shirt-Raumtemperaturen? Apropos – wie sieht’s mit den Dämmwerten Ihres Hauses aus? Wohin fliegen Sie in Ihrem Urlaub?

Was nützt all das Geld dem kleinen Bauern, der Jahre gebraucht hat, um eine Ernte zu erhalten, von welcher er gerade mal so leben kann, wenn diese und seine Wohnhütte innerhalb von Minuten von Wasser oder Muren zerstört wird – anstatt weltweit die Emissionen von Treibhaus-gasen stark einzuschränken, wodurch die Ursache bekämpft worden wäre.

Es ist zwar sehr schön, wenn Deutschland bzw. Österreich die Kyotoziele möglicherweise doch einhalten, andere Staaten aber nach wie vor aus vollen Schornsteinen ballern!

Kohlen- und Schwefeldioxid oder auch Methan kennen keine Grenzen. Die Insel der Seeligen wird es zumindest klimatologisch nicht geben. Im Gegenteil: Die Erdatmosphäre wird sich bis ins Jahr 2100 um geschätzte vier Grad erwärmen! Viele Paradiese, die auf Atollen entstanden, werden aufgrund der Schmelze der Polkappen und der Gletscher auf Grönland untergehen. Überflutungen und riesige Murenabgänge in ehemaligen Urwaldgebieten werden tausende Opfer fordern. Der Regenwald als Wasserspeicher ist ja nicht mehr da! Dürrekatastrophen werden für grosse Hungersnot sorgen. Auch Europa hat bereits mit Naturer-scheinungen wie Hurricanes oder Windhosen Bekanntschaft gemacht.

Gilt somit auch heuer wieder:

Ausser Spesen nichts gewesen?

PS:

Ich halte dennoch sehr viel vom brasilianischen Präsidenten Lula da Silva! So haben sich die Brandrodungen im Amazonas-Regenwald von Januar bis Juli 2025 im Vergleich zum Vorjahr halbiert!

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Was können denn die Gänse dafür???

Warnung: Der heutige Blog ist nichts für Zartbesaitete! Leser/-innen mit schwachen Nerven sollten v.a. Abstand von den verlinkten Videos nehmen. Trotzdem wieder mal ein trauriger Fingerzeig darauf, was Menschen an unschuldigen und wehrlosen Tieren verbrechen!

Der heilige Martin von Tours war ein gar bescheid’ner Mann! Als ihn das Volk von Tours zum Bischof wählen wollte, soll er sich in einem Gänse-stall versteckt haben. Einem Bettler gab er seinen Mantel, den Kranken half er, die Sterbenden begleitete er. Sein Namenstag wird am 11. November gefeiert! Weshalb hingegen sehr viele der armen Gänse ausgerechnet rund um diesen Tag ihr meist qualvolles Leben beenden müssen, ist noch nicht ganz geklärt. Denn: Auch die Gänse sind Geschöpfe Gottes (Genesis, Moses 2-19), die nicht auf diese unmenschliche Art gehalten oder getötet werden sollten – besonders nicht zu Ehren von Heiligen! Doch wie ist es möglich, hier einen Bezug herzustellen?!

Einerseits begann in früheren katholischen Zeiten am 11. November eine vierzehntägige Fastenzeit. Davor wurde nochmals so richtig geschlemmt. Andererseits ist der 11. November ein sog. „Zinstag“. Hier begannen und endeten etwa Pachtverträge, Arbeitsverhältnisse,… Das musste natürlich gefeiert werden. Auch die Lehnspflicht („Martinsschoss“) war am 11. November fällig. Sie bestand meist aus einer oder mehreren Gänsen. Viele Bauern wollten ihre Tiere zudem nicht durch den Winter füttern. Die Legende vom Heiligen Martin besagt ferner, dass eines schönen Tages eine ganze Gänseschar die Predigt des Bischofs störte. Das Federvieh wurde eingefangen und zu einer Mahlzeit für die Kirchengemeinde verar-beitet – andere Zeiten, andere Gebräuche.

Somit lässt sich also das Naheverhältnis zwischen dem Heiligen Martin und der Martinigans erklären. Und schön knusprig gebraten, mag sie vielleicht auch tatsächlich ausgezeichnet schmecken, kann ich mir vor-stellen. Hatte der Vogel ein erfülltes Leben, habe ich eigentlich auch nichts gegen diese Schlachtungen. Doch werde ich in diesem Blog aufzeigen, dass dies in den meisten Fällen nicht so ist.

Viele der Gänse sterben noch bevor sie ein Jahr alt sind. Zeit ihres Lebens wurden sie wegen Ihrer Daunen gerupft oder mussten im Akkord Küken produzieren. Das jedoch war schon einmal Inhalt einer meiner Aus-führungen. Die Schlachtung ist dann vielfach eine Erlösung für die armen Geschöpfe.

Und dann gibt es die anderen. Jene, die gemästet werden. Glücklich können sich jene schätzen, die wie in diesem Video genügend Auslauf haben.

https://www.ardmediathek.de/video/natuerlich/wo-sich-bio-gaense-wohlfuehlen/swr/Y3JpZDovL3N3ci5kZS9hZXgvbzE1NzM1MTU

Andere hingegen verbringen die Hölle auf Erden – v.a. wenn sie gestopft werden. Diese Tiere sollen keinen Auslauf haben, da es weniger um ihr Fleisch als vielmehr um ihre Leber geht. In Frankreich eine gern gesehene Delikatesse („Foie gras“) – auch hierzulande finden sich immer wieder sog. „Kulinarische Feinspitze“, die zu Gabel und Messer greifen und sich dieses grausame Machwerk der Tierhaltung schmecken lassen. Aus der Fettleber entsteht übrigens auch die Gänseleberpastete („Paté de Foie“). Bei diesem „Stopfen“ („Gavage“) wird dem Tier über drei bis vier Wochen 3- bis 4-mal täglich ein 50 cm langes Rohr in den Hals geschoben. Durch dieses wird ein stark gesalzener Futterbrei direkt in den Magen gepumpt – jede Fuhr entspricht rund 20 % des Gesamtgewichtes der Vögel! Der Brei besteht zu 95 % aus Mais und zu 5 % aus Schweineschmalz. Meist sind auch Antibiotika enthalten. Die mechanisierte Fütterung dauert drei Sekunden – so können pro Stunde rund 400 Tiere gestopft werden. Ein Gummiband um den Hals soll das Erbrechen der Tiere verhindern. Eine solche gestopfte Leber wiegt bei der Schlachtung zwischen einem bis zwei Kilogramm, eine normale im Vergleich hingegen nur 300 Gramm (bei Enten 700 g mit einem Fettgehalt von 56 – 60 %) bei Gänselebern liegt dieser bei 40-50 %. V.a. Triglyceride lagern sich in dem Organ an. Eine solche Überfütterung der Vögel fand bereits im alten Ägypten gegen 2500 v. Chr. statt. Frankreich ist in der „Produktion“ mit 75 % Weltmarktführer. Damit Sie eine Vorstellung über das Ausmass des Ganzen bekommen: Jedes Jahr werden alleine in Frankreich, Ungarn, Spanien und Bulgarien mehr als 24.000 Tonnen (!) Fettleber produziert, rund 96 % davon kommt von Enten. Mehr als 25 Mio Tiere mussten hierfür ihr Leben lassen. Zirka 30.000 Menschen sind in diesem Industriezweig vornehmlich im Elsass und im Perigord beschäftigt. Hauptabnehmer der traurigen Delikatesse ist neben Frankreich selbst auch Spanien. Doch Deutschland liegt mit 121 Tonnen (im Jahr 2004) bereits an Stelle Nummer 5 – Verbrauch übrigens steigend. Bis zu 70,- € muss der Konsument für ein Kilogramm Stopfleber auf den Tisch blättern. 70,- € für sechs Monate Höllenqualen eines Tieres! Und nun zur perversen Tatsache: In 22 der 27 EU-Staaten (darunter auch Deutschland und Österreich, aber auch die Schweiz) ist das Stopfen verboten (so auch in Australien, Argentinien, Israel und der Türkei) – der Verkauf der Produkte jedoch genehmigt! Eigentlich ist die Herstellung von Stopfleber in der EU grundsätzlich verboten, da dies gegen die EU-Richtlinie 98/58CE verstösst (Schutz von Tieren auf Zuchtfarmen – „Die Art des Fütterns und Tränkens darf den Tieren keine unnötigen Leiden oder Schäden verursachen.“) – in Deutschland auch gegen § 17 sowie § 3 TSchG. Deshalb hat die Tierschutz-Lobby-Organisation PETA immer wieder Strafanzeige wegen „Beihilfe zur quälerischen Tiermisshandlung“ erstattet. So etwa Anfang 2022 gegen viele Restaurantbetreiter, die die Stopfleber auf ihrer Speisekarte haben/hatten, zuletzt im März dieses Jahres gegen eine Feinkosthandlung aus Berlin. Letztere wurde zu einer Zahlung von 500,- € an einen Tierschutzverein verurteilt.

Man möchte es nicht glauben – doch hat die indische Regierung als bislang einzige den Import dieser Produkte untersagt – ein gutes Beispiel. In der Schweiz wurde ein solches Einfuhrverbot in den Jahren 2017 bis 19 diskutiert – der Ständerat jedoch lehnte eine entsprechende Gesetzes-vorlage ab. Immer wieder gab es auch in unseren Breitengraden Initiativen: So erstattete die Tierschutzorganisation PETA anno 2008 Strafanzeige gegen rund 50 Restaurants und deren Köche – erfolglos. Im Oktober 2012 scheiterten mehrere EU-Parlamentarier bei ihrem Versuch, die Herstellung von Stopfleber zu verbieten – selbes Spiel im Juli 2019, als einige dänische Abgeordnete vor dem Hintergrund der moralischen Grenzen ein Importverbot durchsetzen wollten. In Frankreich ist die „Gavage“ gar seit 2004 „Nationales und gastronomisches Kulturerbe“ und damit von etwaigen Tierschutzgesetzen ausgenommen. Enten etwa werden innerhalb von nur 7-8 Wochen dermassen gemästet, dass ihre Leber zum Schlachtzeitpunkt 4-5mal grösser als das normale Organ ist.

Und damit leider noch kein Ende! Nach all dieser lebenslangen Tortur hat sich in Rouen und Umgebung eine weitere grausame kulinarische Spezialität gebildet: Die Blutente („Canards au sang“)! Hier wird die Ente in einem Vakuumkasten erstickt. Somit bleibt das Blut im Körper – es sorgt für ein etwas rötliches Fleisch. Das Tier muss innerhalb von zwei Stunden nach seinem Tod zubereitet werden und wird hierfür nur kurz angebraten, damit das Blut und das Eiweiss nicht gerinnt. Das deutsche Tierschutzgesetz verbietet diese Tötungsart, das Lebensmittelgesetz das Schlachten ohne Blutentzug. In Österreich ist dies hingegen durch die Schlachtverordnung v.a. für rituelle Tötungen genehmigt. Nach EU-Gesetz dürfen jedoch auch Blutenten hierzulande verkauft werden.

Lobend zu erwähnen sei, dass der US-Promi-Starkoch mit öster-reichischen Wurzeln, Wolfgang Puck, seit 2006 keine Gänseleber mehr anbietet. Zudem wurde 2004 in Kalifornien ein Gesetz auf den Weg geschickt, das die Herstellung und den Verkauf mit Federn oder anderer Produkte von gestopften Enten und Gänsen verbietet. Eine Klage dagegen wurde durch den Supreme Court zurückgewiesen. Es trat zum 01. Juli 2012 in Kraft. Wieso ist es dort machbar – in unseren Breitengraden jedoch nicht? Die Unterschrift unter dieses Gesetz hat übrigens kein Geringerer als der 38. Gouverneur des Landes, der in Österreich geborene Arnold Schwarzenegger gesetzt. Auch der Stadtrat von Chicago versuchte ein solches Verkaufsverbot durchzudrücken – die Verordnung wurde jedoch zwei Jahre später anno 2008 wieder aufgehoben. In New York City jedoch untersagt seit Oktober 2019 ein Gesetz den Verkauf. Bei Missachten der Verordnung droht ein Bussgeld von bis zu 2.000 US-Dollar.

Welche Qualen diese Tiere durchzumachen haben, war ihnen anzusehen. Immer mehr Prominente unterstützen deshalb Initiativen, die an die Gaumenfreude unserer Mitbewohner appellieren: Nein zur Martini-Gans und v.a. Nein zur Stopfleber. So meinte beispielsweise der Obmann des Tierschutzvereins „Animal Spirit“, Dr. Franz-Joseph Plank:

„Es ist unmoralisch, ein ‚Luxus‘-Produkt zu verkaufen bzw. zu verzehren, welches so viel Leid verursacht hat!“

Auch die beiden durch die UNO anerkannten Tierschutzorganisationen „WSPA“ und „Advocates for Animals“ haben zum Verzicht auf französische Gänseleber-Produkte aufgerufen.

Auf dieser Website können Sie eine Petition in Deutschland unterschreiben, um den Bundes-Landwirtschafts- und Ernährung- bzw. Heimatsminister Alois Rainer (CSU) zu weiteren Massnahmen „anzuregen“ – verpflichten kann man ihn leider nicht.

Die Verlogenheit der Stopfleberindustrie

Zurück zum Heiligen Martin: Jedes Jahr landen alleine in Österreich vornehmlich zu Martini oder zu Weihnachten rund 300.000 Gänse auf den Festtagstischen. Und mit „heimischer Produktion“ ist da leider nicht viel los: Etwa 90 % stammen von industriellen Mastbetrieben aus Ungarn, Polen oder Frankreich. Keulen und Brust sind in der Stopfleber-Produktion zumeist Abfallprodukte – finden sich jedoch nicht selten auf den Tellern der Feinspitze wieder. Auch in Deutschland werden 7 von 8 Gänsen importiert. In diesen Dunstkreis der Tierfolter fallen nun auch jene Gänsebauern, die Ihren Tieren sechs Monate „Leben“ ermöglichen. Mit Auslauf, normaler Nahrung und der benötigten Weidemöglichkeit. Deshalb sollte es doch auch im Interesse jener Bauern sein, wenn solche grauenhafte Tierhaltung und der Handel der daraus entstehenden Produkte verboten wird. Da lobe ich mir den Martini-Brauch in Süd-deutschland, wo die Kinder, die gerade vom Martini-Laternenumzug zurückkommen, kleine Martinigänse aus gebackenem Keks- oder Hefeteig erhalten.

Die Gans hat in den Legenden und Sagen immer wieder eine heraus-ragende Bedeutung. Gänse haben im alten Griechenland die Tempel bewacht, das römische Capitol soll aufgrund des Geschnatters der Gänse vor dem Angriff der Gallier gerettet worden sein. Julius Cäsar rühmte den Anmut und den Geist der Gänse, Konrad Lorenz baute seine Verhaltens-psychologie nicht etwa auf Beobachtungen der Spezies „Mensch“ auf, sondern verdankt seine Erkenntnis den Graugänsen. Wieso vergehen sich dann ausgerechnet jene Menschen an den anmutigen Vögeln, die von sich aus behaupten, etwas besseres zu sein und sich diesen Luxus leisten wollen? Zudem – weshalb schiessen Jäger zusätzlich Wildgänse aus Skandinavien, die in Bundesländern wie Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt überwintern möchten (2023/24 waren es nicht weniger als 148.851 Vögel, nach Angaben des Deutschen Jagdverbandes). Darunter auch sehr viele Kraniche. Nur jeder 17. Schuss ist tödlich, viele der Vögel krepieren elendigst. Immer wieder jagen Hobbyschützen ausserdem in Naturschutzgebieten – 2003 wurden 27 solcher illegaler Jäger angezeigt.

PS: Achten Sie beim Kauf einer Ente oder Gans darauf, dass auch die Innereien enthalten sind. Fehlen diese, so könnte es sich um eines dieser armen Tiere handeln, das die schlimmste Tortur durchgemacht hat, die man einem Tier nur antun kann. Hier können Sie überprüfen, ob dies der Fall ist:

https://media.4-paws.org/1/9/8/7/19876b500c71b3ef70d85ff42e30f3bd63b0bd97/20190521_Positivliste_deutsch_aktualisiert_Final.pdf

PPS: Angesichts solcher Bilder, solcher Zahlen empfinde ich es als mehr als geschmacklos, dass der Morgenmoderator eines bayrischen Rundfunksenders einst meinte, dass er nun auch alle Martinigänse begrüsse, an diesem Tage, der ihr letzter sein werde!

Links:

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Vogelgrippe – es war noch lang nicht alles!

Eigentlich sollte man meinen, nach der Corona-Pandemie müsste es zumindest für diese Generation genug sein! Doch ist dem offenbar ganz und gar nicht so. In Deutschland wütet derzeit eine Seuche so schlimm, wie schon lange nicht mehr: Die Vogelgrippe (Geflügelpest oder auch Aviäre Influenza)!

Tausende Tiere aus Geflügelhaltungs-Betrieben mussten bereits gekeult (notgeschlachtet) werden, aber auch tausende Kraniche und andere Wildvögel sind jämmerlich verendet. Tendenz weiterhin steigend. Vor allem in den Korridoren der Zugvögel ist die Lage derzeit mehr als dramatisch. Dies betrifft vor allem die deutschen Bundesländer Mecklen-burg-Vorpommern, Brandenburg, Thüringen, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen. Aber auch in Baden-Württemberg sind einige Betriebe betroffen. Dies resultiert aus der Tatsache, dass viele Zugvögel beim Flug in den Süden am Bodensee Rast einlegen. Nach Angaben des zuständigen Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) handelt es sich heuer um den hochan-steckenden Virus HPAIV des Subtyps H5N1. Er führt zu einem sehr schweren Verlauf der Krankheit und zumeist zum Tod der Vögel. Das FLI hat deshalb das Risiko für weitere Ausbrüche auch in Haltungen auf „Hoch“ gesetzt. Dies bedeutet für Geflügelhalter die sofortige Umsetzung der Biosicherheitsmassnahmen (Stallpflicht, Absagen von Geflügel-märkten, …); für die Bevölkerung: Meiden Sie Wildvögelkolonien, greifen Sie keinesfalls verendete Vögel an und melden sie möglichst rasch Vorfälle bei den zuständigen Behörden. Die Kadaver müssen schnellstens beräumt werden, damit sich nicht Aasfresser wie Krähen, Raben, Seeadler oder auch Füchse infizieren und den Virus damit weiter verbreiten können. Ja – auch Füchse, Marder, Ottern und gar ein Schwarzbär sind in der Vergangenheit bereits an den Folgen einer Infektion gestorben: Die meisten davon an einer Meningoenzephalitis. Allerdings wurden noch keine Infektionsketten festgestellt.

„Was uns warnen sollte, sind doch eine Reihe von Fällen bei Säuge-tieren mit genau diesem Virus!“

(Prof. Dr. Timm Harder PhD, Nationales Referenzlabor für Aviäre Influenza (AI) / Geflügelpest)

Gefahr besteht etwa für Menschen mit Atemwegserkrankungen, die Kontakt mit Geflügel haben. Sie werden zu Tests aufgerufen, damit eine mögliche Erkrankung vorzeitig bemerkt werden kann. In vielen Staaten wurden inzwischen Krisenpläne für den Fall einer massiven Ausbreitung der Vogelgrippe erarbeitet, die nun wohl nach und nach aus den Schubladen geholt werden. Sie sehen u.a. eine Impfung innerhalb von 16 Wochen und eine Folgeimpfung vor. Bei der Impfmoral der mitteleuro-päischen Bevölkerung – ein Tropfen auf den heissen Stein.

Viren, die sowohl Tier als auch Mensch infizieren können, werden als „Zoonosen“ bezeichnet. Ebola, die Schweinegrippe, Tollwut, SARS und CoVid19 – aber auch die Vogelgrippe werden durch derartige Zoonosen ausgelöst. Das Virus wechselt den Wirt – seit 1997 auch bei der Vogelgrippe nachgewiesen. Das menschliche Abwehrsystem steht dem Angriff zumeist machtlos gegenüber, da es bis zu diesem Zeitpunkt nicht mit einer solchen Infektion zu tun hatte. Somit bestehen keine Abwehr-mechanismen wie v.a. Antikörper. Deshalb sind derartige Infektionen umso gefürchteter.

„Wenn wir es schaffen, den Prozess des Wirtswechsels zu verstehen, verbessert sich unser grundsätzliches Verständnis zur Entstehung neuartiger Epidemien!“

(Prof. Dr. Christian Drosten, Institut für Virologie am Universitätsklinikum Bonn)

Auch der Humangrippe-Erreger bzw. andere menschliche Viren wurden in umgekehrter Richtung schon bei Schweinen nachgewiesen – daraus entwickelte sich beispielsweise der Typ H1N2. Diese Virusvarianten werden mit einem „v“ gekennzeichnet – etwa A(H1N1)v. Wissenschaftliche Studien des US-amerikanischen Virologen Jeffery Taubenberger et.al. kamen zu dem Ergebnis, dass die verheerende Pandemie der Spanischen Grippe in den Jahren 1918/19 durch einen mutierten Vogelgrippe-Virus ausgelöst wurde. Diese Erkenntnis ergab die Untersuchung von in Formalin eingelegtem Autopsie-Materials eines Opfers, aber auch untersuchtem Lungengewebes eines im Permafrost begrabenen weiteren Opfers.

Deshalb warnen die Vereinten Nationen vor derartigen Pandemien, die im Worst Case bis zu 150 Mio Menschen das Leben kosten können. Das soll jedoch nicht dazu animieren, die normale Grippe „Influenza“ auf die leichte Schulter zu nehmen. Grosse Grippe-Epidemien gab es beispiels-weise in den Jahren 1957 und 1968, aber auch 2005. Alleine in Deutsch-land mussten bei letzterer bis zu 32.000 Personen in Krankenhäuser eingewiesen werden – 15-20.000 verstarben daran. 2 Millionen Menschen wurden krankgeschrieben. Die Influenza ist und bleibt eine schwere Infektionskrankheit, die durchaus tödlich enden kann. Das öster-reichische Gesundheitsministerium rät deshalb, Risikopatienten, aber auch allen Menschen ab dem 60. Lebensjahr zu einer kombinierten Grippe-/CoVID-19-Impfung. Das deutet schon mal auf eine erhöhte Alarmbereitschaft bei den Gesund-heitsbehörden hin. Wenn nun auch die Vogelgrippe mitmischt, könnte es durchaus zu einem Schreckensszenario kommen. Es macht also Sinn, die FFP2-Schutzmaske alsdann gegen die Influenza wieder zu verwenden – auch wenn es keine Tragepflicht geben sollte. Die normale Grippeimpfung übrigens wirkt ebenso wenig gegen die Vogelgrippe wie eine präventive Einnahme von etwa Tamiflu®! Davon ist übrigens unbedingt abzuraten, da die Erreger gegen die Arzneimittel resistent werden können. Soll heissen: Das Arzneimittel hilft bei einer Erkrankung nicht mehr.

Die Influenza wird durch die sog. „Orthomyxoviren“ der Typen A, B und C übertragen. Die Humangrippe durch Erreger der Typen A sowie der Subtypen H1 bis H3. H5 und H7 lösen vornehmlich bei Hausgeflügel die Vogelgrippe aus. A(H7N9) trat beim Menschen erstmals im Frühjahr 2013 in China auf – es spielt hierzulande noch keine Rolle – ist aber auch für den Menschen sehr gefährlich! Mehr als 1.500 Erkrankungen wurden bislang gemeldet – einige hundert Personen verstarben an den Folgen: Schwere Lungenentzündung, ARDS, septischer Schock bzw. Multiorgan-versagen. Ebenso beim Menschen nachgewiesen wurden: A(H10N8), A(H9N2) und A(H5N6) vornehmlich bei Patienten in China. Tödlich verliefen in einigen Fällen die A(H5N6)-Erkrankungen – während die A(H9N2)-Verläufe recht mild ausfielen.

Die Symptome einer A(H5N1)-Erkrankung treten 2-5 Tage nach der Infektion auf, in Einzelfällen auch bis zu 14 Tage danach. Sie gleichen den Symptomen der Humangrippe: Hohes Fieber, Halsschmerzen, Atem-not und Husten. Hinzu kommt bei rund der Hälfte der Erkrankungen Durchfall und seltener auch Bauchschmerzen und Erbrechen. Der weitere Verlauf ist gekennzeichnet durch eine Lungenentzündung, die zu einem Lungenversagen und dem Tod führen kann. Im Frühstadium der Erkrankung werden sog. „antivirale Neuraminidase-Hemmer“ wie Oseltamivir (Tamiflu®) bzw. Zanamivir (Relenza®) eingesetzt.

Wildvögel können alle 18 H-Typen übertragen. „H“ steht dabei für Hämagglutinin-Proteine. Zusätzlich werden neun verschiedene N-Subtypen unterschieden – „N“ steht dabei für Neuraminidase-Proteine. Einige dieser Influenza-Viren treten nur bei speziellen Arten auf: Schweine, Wale, Pferde, Wild- und Hauskatzen, Seehunde und eben der Mensch. Die Human-Grippe wird vornehmlich durch den Typus A(H3N2) oder A(H1N1) mittels Tröpfcheninfektion übertragen. Der Virentyp B bildet keine Subtypen aus – hier unterscheidet man nach Linien (etwa der Yamagata- und der Victoria-Linie). Er trat bislang nur bei Menschen auf! Der Vogelgrippe-Virus hingegen ist ein hochinfektiöser Typ A(H5N1). Er wird zumeist mit dem Kot der Tiere ausgeschieden und bleibt etwa im Wasser oder feuchtem Schlamm für längere Zeit infektiös. Hierbei ergibt sich für den Menschen der Übertragungsweg durch virenbelastete Tröpfchen oder Staub. In Deutschland kursiert der Subtyp A(H5N8). Auch wenn hier noch keine Infektion nachgewiesen werden konnte, heisst dies nicht automatisch, dass eine solche nicht möglich ist.

Taubenberger konnte eine Korrelation der Virolenz (Aggressivität) des Viruses mit seiner Erbsubstanz nachweisen. Werden Sequenzen davon durch Sequenzen normaler Grippe-Viren ersetzt, ist das Virus weitaus weniger ansteckend. Eine Forschergruppe rund um Elodie Ghedin vom Institute for Genomic Research wies zudem nach, dass sich die Viren in jeder Saison ändern (mutieren) und neue Stämme hervorbringen. So könnte sich auch der Vogelgrippe-Virus „menschentauglich“ mutiert haben.

Seit Mitte der 90er-Jahre sucht der Subtyp A(H5N1) jährlich Südostasien heim. Mehr als 100 Mio Tiere sind bislang daran verendet oder mussten gekeult werden. Nach Angaben des Europäischen Zentrums für Seuchen-kontrolle (ECDC) haben sich bis heute weltweit insgesamt 992 Menschen mit H5N1 angesteckt, 60 Menschen sind an den Folgen einer H5N1-Vogelgrippe-Infektion verstorben. Sie hatten sich an Tieren angesteckt – eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist bislang nicht nicht bekannt – kann sich jedoch rasch durch eine Mutation ändern. Die grössten Befürchtungen der Verantwortlichen! Beispielsweise wenn zwei unter-schiedliche Virentypen (etwa H5N1 und H3N2) in einem Wirt aufein-andertreffen, wodurch sich das Erbgut vermischen könnte.

Versuche ergaben, dass sich Stockenten zwar anstecken und das Virus weitergeben können, jedoch selbst nicht daran erkranken. Eine Impfung von Hausgeflügel ist zwar möglich, jedoch unheimlich aufwendig. Wie kann geimpftes Geflügel von nicht-geimpftem unterschieden werden? Die Antikörper sind nahezu dieselben. Ergo: Es muss ein Marker-Impfstoff verwendet werden. Dies kann zudem nur in der Küken-Phase erfolgen. Doch da werden die Tiere bereits mit allen möglichen pharmazeutischen Produkten vollgepumpt. Und auch hier ist Vorsicht geboten: Impfstoffe gelangen dadurch in die Nahrungskette. Ähnlich wie bei Hormonen oder Antibiotika bei Säugetieren kann das zu erheblichen Auswirkungen beim Konsumenten und der Humanmedizin führen.

Bei Verhaltensauffälligkeiten von Haustieren, die eine Ansteckung und Erkrankung vermuten lassen, sollte dringenst der Tierarzt aufgesucht werden. Auf Rügen und in Österreich hatten sich nachweislich Katzen infiziert. Bei Geflügelhöfen wird eine Sperrzone mit einem Radius von 3 km eingerichtet. Zudem eine Beobachtungszone von daran anschliessend 10 km und eine Kontrollzone von 13 km.

In diesem Winter kann wahrhaftig einiges auf uns zukommen. Deshalb hier einige Tipps:

– Regelmässiges Händewaschen

– Greifen Sie niemals totes Geflügel an

– Melden Sie grössere Tod-Funde (Gänse, Enten, Greifvögel, …) der Polizei oder dem Veterinäramt, die auch die Beseitigung übernehmen

– Leinen Sie Hunde vornehmlich im Uferbereich stets an und halten Sie Katzen davon fern

– Braten oder kochen Sie Geflügelfleisch und auch Eier ordentlich durch (mindestens fünf Minuten über 70 Grad)

– Vorsicht auch im Umgang mit Schweinen, die als Zwischenwirte dienen können

– Bei Fernreisen vorher über die aktuelle Situation vorort informieren (Zusatzversicherung für einen möglichen Rücktransport)

Hier noch weitere Hinweise:

.) Tierhalter

Österreich:

Deutschland: https://www.bmleh.de/DE/themen/tiere/tiergesundheit/tierseuchen/gefluegelpest-massnahmen-tierhalter.html

.) Reisen in betroffene Gebiete: https://www.krankenkassen.de/gesundheit/gesundheit-aktuell/Vogelgrippe/vogelgrippe-reisen/

.) Weiterführende Informationen:

Österreich

https://viro.meduniwien.ac.at/forschung/virus-epidemiologie-2/ueberwachung-der-zirkulation-respiratorischer-viren-in-oesterreich/influenza-diagnostisches-influenza-netzwerk-oesterreich-dinoe/

https://www.ages.at/mensch/krankheit/ages-radar-fuer-infektionskrankheiten

Deutschland

https://www.gmkonline.de/documents/pandemieplan_teil-i_1510042222_1585228735.pdf

https://edoc.rki.de/bitstream/handle/176904/174/29x3vlR5Miwxa6.pdf?sequence=1&isAllowed=y

Schweiz

https://www.bag.admin.ch/de/nationaler-pandemieplan-schweiz

Lesetipps:

.) Vogelgrippe. Zur gesellschaftlichen Produktion von Epidemien; Mike Davis; Assoziation A 2005

.) The Fatal Strain: On the Trail of Avian Flu and the Coming Pandemic; Alan Sipress; Viking 2009††

.) Bird Flu. A Virus of Our Own Hatching; Michael Greger; Lantern Books 2006

Links:

– www.zoonosen.net

– www.who.int

– www.ecdc.europa.eu

– www.fli.de

– www.bundesregierung.de

– www.bmel.de

– www.gesundheitsforschung-bmbf.de

– www.sozialministerium.at

– www.bfr.bund.de

– www.llv.li

– www.rki.de

– www.ukbonn.de/virologie/

– www.mpg.de

– www.ages.at

– www.lungenaerzte-im-netz.de

– www.lbv.de

– www.afip.org

– www.cdc.gov

– www.jcvi.org

– www.askjpc.org

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