Archive for Juli, 2026

Candy-Hype – sehr gefährlich

Hypes sind heutzutage sehr rasch gemacht: Ein Influencer mit vielen Followern macht etwas vor, alle anderen machen es nach und feddisch! Ob sinnvoll, gesund oder einfach nur lächerlich – das ist vollkommen gleichgültig. So manches kann auch gesundheitsschädlich oder gar töd-lich sein. Beispielsweise der aktuelle Candy-Hype!

Innerhalb kürzester Zeit wurden über TikTok und Instagram in trendigen Online-Candyshops oder eigens darauf spezialisierten realen Candyshops in Fussgängerzonen zig-millionen von knallbunten, meist extrem scharfen oder sehr sauren Drops verkauft. Zielklientel: Kinder! Tendenz: Stark steigend! Produziert vornehmlich in Japan, China bzw. den USA entsprechen sie keineswegs unseren Lebensmittelbestimmungen. So fehlen die Warnhinweise, daneben ist auch die Zutatenliste nicht leserlich: Gesetzlich gesehen darf die kleinste Schriftgrösse gerade mal 1,2 mm betragen (bezogen auf das kleine x). Ist die Packung kleiner als die Hälfte eine herkömmlichen Postkarte, so darf auch die Schrift kleiner werden – 0,9 mm! Wer kann das ohne Lupe lesen??? Andere sind auf Englisch oder japanisch gehalten, bei vielen v.a. aus den Online-Shops fehlen sie überhaupt. Dort nämlich könnte man lesen, dass Azofarbstoffe ebenso enthalten sind wie bestimmte Haltbarmacher oder eine hohe Konzen-tration an Zitronensäure. Vieles davon ist gesundheitsschädigend.

Betrachten wir uns das doch im Detail:

1,) Azofarbstoffe

Azofarbstoffe beeinträchtigen die Aktivität und Aufmerksamkeit bei Kindern. Das muss deshalb in der EU unbedingt mit entsprechenden Warnhinweisen versehen werden. Die Farbstoffe E102, E104, E110, E122, E124, E129 etwa stehen im Verdacht, bei Kindern Pseudo-Allergien auszulösen, was zu Aufmerksamkeitsstörungen und Hyperaktivität führen kann. Seit 2010 sind diese Farbstoffe nahezu aus der EU verschwunden – jetzt jedoch wieder aufgetaucht.

2.) Tert-Butylhydrochinon/TBHQ (E319)

ZBHQ ist ein Antioxidationsmittel. Es steht im Verdacht, das Immun-system nachhaltig zu beeinträchtigen und Krebs auszulösen. Für Säuglings- und Folgenahrung ist es in der EU verboten.

3.) Butylhydroxytoluol/BHT (E321)

BHT kann in grossen Mengen zur Blausucht und damit zum Erstickungs-tod führen. Auch kann es den Hormonhaushalt stören. Deshalb ist es ebenso in Säuglings-und Folgenahrung verboten.

4.) Zitronensäure (E330)

Der enorme Säuregehalt greift den Zahnschmelz der Milchzähne an. Daneben können bei Sprays auch die Haut, vor allem aber die Augen stark gereizt werden. Anstelle der Zitronensäure verwenden manche Anbieter auch Apfel- oder Milchsäure bzw. Fumarsäure.

5.) Zucker

Die meisten solcher Produkte enthalten ein Übermaß an Zucker. Gerade on solchen Zeiten, als die Politik den Zuckerverbrauch einschränken will, knallt ein solcher Hype aber sowas von rein. Zucker ist nicht nur für Übergewicht bis hin zu Adipositas verantwortlich, sondern kann auch zu Insulin-Problemen und somit Diabetes Typ 2 führen.

Durch die Gefriertrocknung der Süssigkeiten wurde Wasser entzogen. Dadurch verstärkt sich der Geschmack. Daneben schmecken sie leicht und knusprig. Die bekanntesten Marken hierzulande sind wohl Munch Punch, Noomz und Chaos Candy. Leider springen auch die wirklich grossen Süssigkeiten-Hersteller auf den fahrenden Zug auf. Es ist also erneut ein massiver Angriff auf das Taschengeld und Gesundheit der Kiddies!

Sehr bedenklich auch das Marketing-Konzept: Die Kleinen werden u.a. aufgefordert, an einer Challenge teilzunehmen. Der mit den meisten Likes gewinnt. Der wohl bekannteste Wettbewerb, die „Hot Chip-Challenge“ endete für viele Teilnehmer im Krankenhaus. Eine andere Werbemassnahme bilden die sog. „Boxing-Videos“: Grossbesteller werden mit einem eigenen Video mit Namensnennung belohnt. In den Social Medias erhalten derartige Filme meist eine hohe Click-Zahl. Apropos – Influencer heissen in diesem Bereich „Candyfluencer“! Sie haben immens viele Follower. Dabei stellen sie in ihren Filmchen Kindern Aufgaben – welches diese löst, wird mit Süssigkeuten belohnt. Das jüngste in einem Werbevideo gezeigte Kind war gerade mal vier Jahre alt! Verbraucher-schutzorganisationen wie etwa Foodwatch fordern deshalb das Ende der Aussenwerbung und der Vermarktung über die Social Medias für Kinder bzw. eine bessere Überwachung von Online-Shops.

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Arche Noah – eine Möglichkeit?

„Die in diesem Bericht veröffentlichten Daten geben Anlass zu großer Sorge!“

(UN-Generalsekretär António Guterres bereits 2018 zum Bericht über den Anstieg des Meeresspiegels)

Getan hat sich freilich im Kampf gegen den Anstieg seither wenig bis überhaupt nichts. Im Frühjahr veröffentlichte das Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) in der Zeitschrift „Nature“ eine Studie, die nicht nur Anlass zur Sorge gibt, sondern eine katastrophale Zukunft voraus-sagt: Der Anstieg des Meeresspiegels beträgt bis zum Jahr 2100 zwischen 0,28 und 1,01 Meter! Da viele Küstengebiete niedriger liegen als eigent-lich gedacht wären im Worst Case 80 bis 100 Mio Menschen vor allem im Pazifikraum, Südostasien und dem restlichen globalen Süden davon betroffen. Bisher ging man von „nur“ 50 Mio aus. Diese neuen Berech-nungen sagen nicht aus, dass die bisherigen Werte der Weltwetter-organisation der UN falsch berechnet wurden. Diese richteten sich nach dem sog. „Geoid“ – der Schwerkraft und der Erdrotation. In der neuen Studie wurden nun auch regionale Faktoren wie Meeresströmungen, Winde und Temperaturunterschiede (dynamische Effekte) miteinbezogen.

Doch – für die meisten Medien war dies gerade mal Stoff für eine Tagesschlagzeile! Da damit jedoch ein Rekordwert vorausberechnet wurde und die Kurve auch weiterhin nach oben geht, möchte ich dies heute etwas detaillierter betrachten und damit den Beweis antreten, dass nicht unerhebliche Teile der Menschheit damit wirklich ein Problem bekommen: Ein neuer Flüchtlingsstrom wird die Folge sein – die Klima-Flüchtlinge.

Nach Angaben des Europäischen Zentrums für mittelfristige Wettervor-hersage (ECMWF) waren die letzten drei Jahre die wärmsten seit Beginn der Messgeschichte anno 1850. Das heisseste davon 2024 (+1,6 Grad zum Mittelwert) – das heurige Jahr liegt bisher etwa mit dem vergangenen gleich auf. Allerdings wird sich dies durch die seit Juni andauernde Hitzewelle ändern.

Unter Berücksichtigung, dass die Industrielle Revolution in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts begann und das komplette 19. Jahrhundert hinweg bestimmte, wurden auch Daten zu einem Zeitpunkt gesammelt, in dem noch alles ungefiltert durch den Schornstein geblasen bzw. unbe-handelt in die Flüsse eingeleitet wurde. Glaubt man den Industriebossen, so liefen Maschinen und Motoren noch nie so sauber wie in der Gegen-wart. Und dennoch wird die Atmosphäre mit Treibhausgasen verdichtet, wie nie zuvor. Dadurch kann immer weniger Wärmestrahlung in das All entweichen. Detaillierter möchte ich an dieser Stelle nicht darauf ein-gehen, da dies schon Thema mehrerer meiner Ausführungen war.

Fakt ist jedoch, dass die alpinen, aber auch die arktischen und antark-tischen Gletscher und Eisfelder schmelzen. Obgleich interessanterweise zuletzt etwas wenige – in der Antarktis kam es gar zu einem Anstieg des Eises, In der Aktis ging die Eisschmelze nach Angaben dem Meereis-indizes des NSIDC und der OSISAF von -0,35 im Jahrzehnt 2005-2015 auf -0,29 Millionen km² 2015-2024 zurück. Dennoch ein Minus! Ganz schlimm erwischt es allerdings die alpinen Gletscher – viele davon wird es in einigen Jahren nicht mehr geben! Und dies in einer dermassen rasanten Geschwindigkeit, dass eine Klima-Umkehr nicht mehr vorstell-bar erscheint. Neben der Tatsache, dass ganze Meeres-Ströme, wie der Golfstrom, durch den hohen Anteil an Süsswasser komplett aus dem Ruder gebracht werden – diese Massen an schmelzendem Eis sorgen auch für einen sehr ernstzunehmenden Anstieg des Meeresspiegels. Hinzu kommen immer heftigere Überschwemmungskatastrophen wie 2025 beispielsweise der Zyklon „Chido“, sodass das Wasser nicht mehr auf der Landfläche durch versickern gebunden wird, sondern direkt durch die Flüsse in’s Meer abfliesst. Die Abholzungen der Regenwälder zeigen sich dadurch in dramatischem Ausmaß.

Im Vergleich: Nach Angaben des Unternehmens MERCATOR OCEAN ist der globale mittlere Meeresspiegel zwischen 1901 und 2018 um 15 bis 25 cm bzw. zwischen 2011 und 2020 um durchschnittlich 4,5 mm pro Jahr gestiegen – zwischen 2001 und 2010 waren es noch 2,9 mm.

Mein Gott, werden sich nun viele denken, das sind Millimeter und damit kein Anlass gleich laut aufzuschreien. Experten hingegen meinen: DOCH! Für die Fleissigen unter Ihnen eine Rechenaufgabe: Die Erdoberfläche beträgt 510 Mio qkm – 71 % davon sind von Wasser bedeckt. Diese 361,2 Mio qkm teilen sich wie folgt auf:

Pazifik 47 %

Atlantik 24 %

Indischer Ozean 20 %

Südlicher Ozean 5 %

Arktischer Ozean 4 %

Wenn Sie möchten, können Sie ausrechnen, wie viele Liter nun diese Steigerung von 4,5 Millimeter ergeben.

Die Durchschnittstemperatur war zuletzt um 1,5 Grad Celsius höher als der Referenzwert aus der vorindustriellen Zeit. Während sich die Politiker streiten, ob 2,1- 2.5 oder 2,8 Grad Erwärmung in’s Auge gefasst werden sollen und ob der Protest der Kinder gut oder schlecht ist, schmilzt das ewige Eis immer mehr.

„Zum Zögern ist keine Zeit mehr!“

(UN-Generalsekretär Antonio Guterres)

Es ist somit nurmehr eine Frage der Zeit, wann idyllische Südseeinseln für immer von der Weltkarte verschwinden werden. Auch wir in Europa bekommen dies zu spüren, liegen doch etwa die Niederlanden zu einem Grossteil unter dem Meeresspiegel. Eine solche Steigerung werden die dortigen Deiche nicht mehr halten. Auch in Norddeutschland wird es „Land unter“ heissen – die meisten der Halligen-Inseln im nordfriesischen Wattenmeer haben alsdann ein Ablaufdatum. Somit rückt also auch Europa immer mehr zusammen. Apropos: Nach Angaben des UN-Flüchtlingshilswerk UNHCR gab es im vorhergehenden Jahr 2025 117,8 Mio Binnenflüchtlinge. Darunter sehr viele Klima-Flüchtlinge. 2024 etwa waren dies 45,8 Mio. Diese Zahl wird künftig eklatant ansteigen. Dürren trocknen ganze Länder aus, Überschwemmungen zerstören ganze Land-striche und Stürme verwüsten ganze Regionen.

Hitzewellen dauern inzwischen um 0,37 Tage länger als in der Zeit von 1986 bis 2007 – zwischen 2000 und 2016 waren davon nicht weniger als 125 Millionen Menschen betroffen, so ein WMO-Bericht. In Europa sterben jedes Jahr mehr als 28.000 Menschen an den Folgen solcher Hitzewellen.

Durch die Zunahme der Meerestemperatur gibt es immer heftigere Hurrikane, Taifune oder Zyklone, da weitaus mehr Wasser verdampft. 90 % der zusätzlichen Energie nämlich wird in den Weltmeeren gespeichert. Natürliche Strömungen, die das Klima ganzer Teilkontinente beeinflussen und einen Ausgleich zwischen den warmen Zonen am Äquator und den kalten in der Arktis und Antarktis brachten, funktionieren damit plötzlich nicht mehr.

Doch zurück zum Meeresspiegel. Der Meeresspiegel an den Küsten wird durch Faktoren wie den Gezeiten, Strömungen oder Wind beeinflusst. So ist der Amsterdamer Pegel beispielsweise nicht mit dem Genua- bzw. Triest-Pegel (+/- 30 cm) oder dem Kronstädter Pegel gleichzusetzen. Für Deutschland und die Niederlanden beispielsweise gilt der Amsterdamer Pegel als mittlerer Wasserspiegel, als Nullniveau. Von hier aus werden alle Anstiege und Senkungen über Jahre bzw. Jahrzehnte hinweg beobachtet und in den mittleren Wert einbezogen. Dadurch können jahreszeitliche Effekte sowie Ebbe und Flut nahezu ausgeschlossen werden.

Allerdings muss zudem die Dichteverteilung im Erdinneren berücksichtigt werden. Je dichter der Erdmantel ist, desto höher ist die Erdanziehungs-kraft. Das sorgt beispielsweise dafür, dass der Wasserpegel bei Sri Lanka (Indischer Ozean) um rund 105 m tiefer und bei Neu Guinea bis zu 80 m höher liegt als im Durchschnitt. Dies alles muss in Berechnungen zum Anstieg des Meeresspiegels einbezogen werden. Deshalb verwende ich im Folgenden nurmehr die Bezeichnung „Meeresspiegel“ – er bezieht sich auf den „mittleren Meeresspiegel“.

Von 1860 bis 2009 stieg der Meeresspiegel um rund 25 cm – seit 1870 merklich und zunehmend rasanter. Die Ursache dafür liegt – wie bereits kurz angesprochen – im Abtauen des ewigen Eises an den Polkappen und in den Bergen. Aber auch in der wärmebedingten Ausdehnung des Wassers. Kurz erklärt: Bei Solaranlagen (nicht Photovoltaik) gehört ein Ausgleichsbehälter stets dazu. Er sorgt dafür, dass sich an besonders sonnenintensiven Tagen das immer wärmer werdende Wasser im Puffer ausdehnen kann und dieser nicht explodiert. Sinkt die Temperatur im Puffer, so gibt das Rücklaufventil das im Ausgleichsbehälter befindliche Wasser wieder zurück in die Anlage. Oder: Das Wassererhitzen auf dem Herd. Geben Sie kaltes Wasser in einen Topf, markieren sie an der Topfwand den Wasserstand und erwärmen das Wasser. Es muss nicht mal kochen, also den Aggregatzustand in gasförmig ändern, sondern es reicht das Erwärmen, damit der Wasserstand steigt. Das ist selbstver-ständlich auch bei diesen ungeheuerlichen Wassermassen der Ozeane der Fall. Sorgen nicht Strömungen dafür, dass die Wärme abgeleitet wird. so bewirkt die zunehmende Wassertemperatur etwa in der Südsee einen höheren Meeresspiegel als der kühle Atlantik an der Küste Frankreichs. Diese beiden Faktoren werden die Zukunft nicht nur an den kontinentalen Küstengebieten bestimmen, sondern selbstverständlich auch auf den vielen Trauminseln, die kaum höher liegen als der dortige Meeresspiegel.

„Wir haben bereits einige Atolle verloren. Auf anderen zerstört das ansteigende Meer das Zuhause von Menschen und spült Särge und Skelette aus den Gräbern.“

(Tony de Brum, Aussenminister der Marshall Inseln)

Messungen via Satellit haben einen Anstieg des Meeresspiegels um 17 cm nur im Laufe des 20. Jahrhunderts aufgezeigt. Bei der sog. „Satelliten-altimetrie“ werden vom Satelliten kurzwellige Radioimpulse senkrecht auf die Erde geschickt. Die Meeresoberfläche oder auch das polare Eis reflek-tiert diese Impulse und schickt sie wieder zum Satelliten zurück. Hier-durch können Millionen von Vergleichsdaten gesammelt und die Zunahme der Meereshöhe oder die Abnahme der Eisfläche durch die Laufzeit der Impulse gemessen und berechnet werden. Die ersten derartige Messungen wurden in den 1970er Jahren mit den Satelliten Geos C und Seasat durchgeführt, die Messungen mit TOPEX/Poseidon folgten 1992 und im Dezember 2001 schliesslich Messungen mit Jason. Auch die Satelliten im Rahmen der Projekte Champ und Grace bzw. IceSAT und seit September 2018 auch IceSAT-1 lieferten bzw. liefern wichtige Daten.

Dieser mittlere Meeresspiegelanstieg von 3,1 +/- 0,7 mm teilt sich zwischen 1993 und 2003 in etwa auf wie folgt:

Expansion durch Wärme 1,6 +/- 0,5 mm

Schmelzende Gletscher und Polkappen 0,77 +/- 0,22 mm

Schmelzen der grönländischen Gletscher 0,21 +/- 0,07 mm

Schmelzen des antarktischen Eisschildes 0,21 +/- 0,35 mm

Seither nahm der Anteil durch Expansion aufgrund der Wärme ab – dafür stieg jener durch abschmelzendes Eis eklatant an – alleine im Jahr 2006 beispielsweise verloren Arktis und Antarktis 475 Gigatonnen Eis. Ein Vergleich? Der Bodensee fasst 48 Gigatonnen Wasser.

Die Erde befindet sich eigentlich in einem Stadium mit besonders niedrigem eustatischen Meeresspiegel (Meeresspiegelschwankungen im globalen Maßstab), wie es in der Erdgeschichte beispielsweise im Karbon, Perm oder Trias der Fall war (demgegenüber steht ein hoher Meeresspiegel wie etwa während der Oberkreide oder dem Ordovizium). Der Anstieg des Meeresspiegel ist somit einzig und allein auf einen klimatischen Ursprung zurückzuführen.

Im Worst Case – wie wirkt sich ein komplettes Abschmelzen des Eises auf den Meeresspiegel aus?

Gletscher 24 cm

Eiskappen 27 cm

Thermische Ausdehnung pro zusätzlichem Grad 20 bis 40 cm

Grönland-Eis 7 m

Antarktisches Eis 57 m

Eine Studie von Forschern der Ohio State University ergab, dass derzeit beispielsweise das grönländische Eis viermal schneller schmilzt als noch 2003. Dabei sprechen wir nicht von einigen Tonnen. Jedes Jahr verliert Grönland rund 200 Kubikkilometer an Eis. Mit dem Schmelzwasser könnten 5 Bodenseen gefüllt werden. Das alleine reicht für einen Anstieg des Meeresspiegels um 0,8 mm pro Jahr.

„Jetzt erkennen wir aber noch ein zweites ernstes Problem: Immer mehr innere Eismasse fließt als Schmelzwasser dem Meer zu.“

(Michael Bewies, Studienleiter Ohio State University)

Bis zum Jahr 2100 erwarten Forscher aus den unterschiedlichsten Fachgebieten einen Anstieg von bis zu 2 Metern. Die letzte Warm-klimaphase fand vor 35 Millionen Jahren statt – im sog. „Eozän“. Während dieser Zeit schmolzen die Polkappen nahezu gänzlich ab. Der Meeres-spiegel befand sich um rund 70 m höher als derzeit.

Doch wen betrifft dieser Pegelanstieg eigentlich? Es sind vor allem kleine Inselstaaten oder Atolle im Pazifik und der Karibik, die es schon in absehbarer Zeit nicht mehr geben wird. Deshalb hier nun eine kleine Auflistung inkl. der Bevölkerungszahlen, da auch diese Menschen nach und nach zu Flüchtlingen werden:

– Kiribati (115.000)

– Malediven (269.000)

– Marshall-Inseln (58.000)

– Mikronesien (500.000)

– Nauru (10.000)

– Palau (22.000)

– Tokelau (1.400)

– Tuvalu (9.000)

Die höchste Land-Erhebung auf Tuvalu beläuft sich auf 5 Meter über dem Meeresspiegel. Die ersten Umsiedelungen aufgrund des steigenden Meeresspiegels gab es bereits auf der pazifischen Insel Vanuatu im Jahr 2005. Auch auf den nicht unmittelbar gefährdeten Fiji-Inseln wurden schon küstennahe Dörfer in höhere Regionen verlegt. Insgesamt sind 43 Inselstaaten von der Überflutung betroffen. Die Atolle umso mehr, als das wärmere Meerwasser zur Korallenbleiche führt, die das Wachstum der Korallen stark einschränkt bzw. sogar stoppt.

Auch die Kontinentalküsten sind selbstverständlich davon betroffen:

– Ägypten

– Bangladesh

– China

– Indonesien

– Niederlanden

– Pakistan

– Thailand

Die 20 Millionenstadt Shanghai beispielsweise liegt durchschnittlich 4 m über dem dortigen Meeresspiegel. In Ägypten wären bei einem Anstieg von nur 50 cm nicht weniger als 12 Millionen Menschen betroffen, in Bangladesh leben 10 Millionen Menschen auf einer Fläche, die max. 1 m über Meeresspiegel-Niveau liegt. Nach Berechnungen der OECD würden im Jahr 2070 bei einem Anstieg des Meeresspiegels von +/- 50 cm ganze 150 Millionen Menschen weltweit zu Klima-Flüchtlingen – nur in küsten-nahen Millionenstädten!

„Ich kann aus persönlicher Erfahrung sagen, wie erschütternd es ist die Gleichgültigkeit zu sehen, mit der der Misere kleiner Inselstaaten begegnet wird.“

(Marlene Inemwin Moses, Ex-UNO-Botschafterin des Inselstaates Nauru)

Seit einem Viertel Jahrhundert laufen nun die Klimaverhandlungen – zumeist ohne Resultat. Was wird mit den Menschen geschehen, die ihre Heimat, ihre Jahrhunderte alte Tradition, ihre Kultur verlieren. Sollten auch Klimaschutzmassnahmen sofort gesetzt werden, so würde dies dennoch den Anstieg des Meeresspiegels nicht mehr stoppen. Hier ist der Point-of-no-return bereits überschritten.

Ich hoffe, ich habe mit diesem Blog etwas zum Verständnis der Greta Thunberg und anderer Klimaaktivisten beitragen können und den einen oder anderen Skeptiker über die Dringlichkeit ihrer Forderungen über-zeugen können, denn:

WIR HABEN KEINE ZEIT MEHR!!!

Lesetipp:

.) Mut zur Nachhaltigkeit. 12 Wege in die Zukunft; Hrsg.: Klaus Wiegand; FISCHER Taschenbuch 2016

.) Der Klimawandel. Diagnose, Prognose, Therapie; Stefan Rahmstorf / Hans Joachim Schellnhuber: Beck 2006

.) Sea Level Rise: History and Consequences; Bruce C. Douglas / Michael S. Kearney / Stephen P. Leatherman; Academic Press 2000

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Nicht jedermanns Sache – aber unheimlich gesund!

Heute mal etwas anderes: Ein Ernährungs- bzw. Gesundheitstipp! Viele suchen ihr Heil in Früchten aus Übersee – dabei gibt’s diese Superfoods auch in heimischen Gefilden! Ganz ohne zigtausend tzrückgelegten Flug-kilometern aus Übersee. Sauerkraut wäre beispielsweise ein Vertreter dieses Genres. Doch daneben gibt es noch Weiss-Gott andere Alter-nativen. Die Rote Beete etwa, das Gemüse des Jahres 2023/24! Sie ist mehr als beliebt bei Sportlern oder auch Medizinern. Doch so wirklich auf den Mittagstisch – das hat sie nicht bei jedem geschafft. Ein grosser Fehler!

Die Rote Beete stammt eigentlich aus dem Mittelmeerraum, doch brachten die Römer sie bereits vor rund 2000 Jahren nach Mitteleuropa. Sie zählt zu den Rüben, weshalb sie mancherorts auch als „Rote Rübe“ bekannt ist. Weshalb sie ausgerechnet „Rote Beete“ heisst, ist nach wie vor nicht wirklich klar. Möglicherweise leitet sich der Name vom lateinischen „beta“ (dt. Rübe) ab, andere sehen den Ursprung eher darin, dass die Knolle in Beeten wächst.

Hierzulande ist die Rote Rübe vornehmlich ein typisches Wintergemüse, das es auch in der Farbe weiss gibt, jedoch eher weniger bekannt. Das intensive Rot kommt von Züchtungen aus dem 19. und 20. Jahrhundert. Aufgrund dieser Farbe wird sie auch als Färbemittel verwendet – in der Lebensmittelindustrie als E162 beispielsweise bei Gummibärchen oder Marmelade.

Doch ist die Rote Beete nicht nur ein Nahrungsmittel. Schon die ollen Römer schätzten sie als Heilpflanze. Sie ist reich an Vitaminen und Mineralstoffen. So etwa dem Beta-Carotin, das für die tiefrote Farbe der Rübe sorgt. Dieser Fruchtfarbstoff wird im Körper in das wichtige Vitamin A umgebaut, das im Körper in vielerlei Vorgängen benötigt wird. Als Seh-farbstoff etwa unterstützt er das Auge bei der Unterscheidung von hell und dunkel, aber selbstverständlich auch beim Farbensehen. In der Haut ist Vitamin A unerlässlich für die Zellerneuerung und somit wichtig für ein straffes Hautbild. Daneben versorgt es die Zellen mit Flüssigkeit. Auch viele andere Bereiche des Körpers wissen Vitamin A mehr als zu schätzen: Immunsystem, Blutbildung und alsdann das Knochenwachstum. Aus diesem Grund sollten Rote Beete gerade bei der Ernährung von Klein-kindern eine gewichtige Rolle spielen. Das nicht-gebrauchte Beta-Carotin wird über Harn und Kot wieder ausgeschieden. Kein Anlass zur Sorge – beides färbt sich nämlich rot, sodass man vermuten könnte, dass Blut in den Ausscheidungen enthalten ist.

Die Rote Beete ist zudem ein beliebter Lieferant der ebenso wichtigen Folsäure. 100 g Rote Rübe beinhaltet nicht weniger als 80 Mikrogramm. Das entspricht nahezu einem Drittel des Tagesbedarfs eines erwachsenen Menschen. Folsäure ist auch bekannt als Vitamin B9, das im menschlichen Körper ebenso vielfach benötigt wird: Zellteilung, Blutbildung und Wachstumsprozesse. Der Folsäure kommt deshalb eine enorm wichtige Bedeutung bei schwangeren Frauen bzw Frauen mit Kinderwunsch zu.

Wie heisst es immer so schön beim Teleshopping? Das ist noch lange nicht alles: Wer heute zubeisst bekommt noch einen ordentlichen Schub an Vitamin C hinzu – ganz umsonst! Nö – umsonst ist das auf gar keinen Fall: Schliesslich ist Vitamin C für das menschliche Immunsystem von enormer Bedeutung. 10 Milligramm des wertvollen Stoffes sind in 100 g Rote Beete enthalten. Auch die Vitamine B2, B1 und B6 sind in grosser Fülle enthalten. Sie stärken nicht nur das Abwehrsystem, sondern die beiden letzteren auch die Nerven und B2 alsdann den Stoffwechsel.

Und schliesslich der letzte, aber umso wichtigere Vitaminkomplex: Vitamin E! Es schützt den Körper vor freien Radikalen, die die unter-schiedlichsten Krankheiten wie auch den Krebs auslösen können. Ganze 100 Mikrogramm Vitamin E sind in 100 g Rote Beete enthalten. Hierfür bedarf es also keiner Superfood aus Südamerika wie dem Granatapfel oder der Sanddornbeere!

Zu den Mineralstoffen! Nach Angaben der deutschen Gesellschaft für Ernährung enthalten 100 g Rote Beete folgende für den Körper enorm relevante Mineralstoffe:

  • 410 Milligramm Kalium
  • 60 Milligramm Natrium
  • 45 Milligramm Phosphat
  • 20 Milligramm Magnesium
  • 15 Milligramm Calcium

Natrium und Kalium sind entschiedend für die Weiterleitung von Nerven-impulsen, den Herzrhythmus und dem Flüssigkeitshaushalt des Körpers. Gemeinsam mit dem Magnesium zudem für die Muskelleistung, unter anderem auch des Herzmuskels. Magnesium kurbelt ferner den Stoff-wechsel durch die Produktion von Enzymen an. Diese wiederum wirken auf die Zellen: Energiegewinnung der Mitochondrien, Regeneration und Sauerstoffnutzung. Phosphat beeinflusst den Energiestoffwechsel sowie die DNA. Gemeinsam mit Calcium alsdann den Knochenstoffwechsel und die Festigkeit des menschlichen Skeletts. Calcium ist zudem wichtig für die Zähne. In der Auflistung nicht enthalten sind Eisen (0,9 Milligramm) und Zink (0,4 Milligramm). Eisen regelt die Zellbildung, den Sauerstoff-transport und die Zellatmung, Zink den Eiweissstoffwechsel, die Spermienproduktion beim Mann und die Zellteilung.

Empfehlenswert ist die Rote Beete übrigens auch bei Abnehmkuren – 100 g enthalten gerade mal 40 kcal und nur neun Gramm Kohlenhydrate bzw. 0,2 g Fett.

Bei all diesen Eigenschaften ist es nicht verwunderlich, warum Leistungs-sportler gerne auf die Knolle zurückgreifen. So auch das vermutete Ergebnis einer Studie der Universität Exeter/GB zum Blutdruck: Das in der Rote Beete enthaltene Nitrat wird im Körper verarbeitet und senkt den Sauerstoffverbrauch, steigert aber die Muskelleistung. Weniger Energie-verbrauch bei grösserer Leistung. Nachweisen konnten dies die Wissen-schafter aber nicht. 39 Erwachsene unter 30 Jahre und 36 Erwachsene zwischen 60 und 80 Jahren mussten hierfür über zwei Wochen regelmässig Rote Beete-Saft trinken. Nach einer Auswaschzeit wurde ein Plazebo-Saft ohne Nitrate für ebenfalls zwei Wochen gereicht. Das nachgewiesene Ergebnis war jedoch umso überraschender: Bei den bis 30-jährigen zeigte sich kein eklatanter Unterschied, bei den älteren hingegen sehr wohl. Deren Blutdruck sank deutlich. Diesem Umstand ging die Studienleiterin Prof. Anni Vanhatalo auf den Grund. Bei älteren Menschen gibt es im Mund ein Ungleichgewicht guter und schädlicher Mundbakterien (Mikrobiom). Dies führt zur geringeren Produktion des körpereigenen Stickstoffmonoxids, was wiederum zu höherem Blutdruck und Herzinfarkt bzw. Schlaganfall führen kann.

Bei all diesen guten Eigenschaften der Knolle erkannten die Forscher aber auch negative.

Oxalate sind Verbindungen der Oxalsäure. Sie sind vornehmlich das Ergebnis des Stoffwechsels und werden normalerweise durch Darm und Niere ausgeschieden. Wird allerdings die Konzentration der Oxalate zu hoch, lagern sie sich im Körper an und können zu Nieren- bzw. Harnsteinen führen. Deshalb sollten Nierenpatienten besser auf den Verzehr von Rote Beete verzichten. Durch das Kochen der Knolle sinkt die Konzentration der Oxalsäure. Allerdings werden dadurch auch viele der bereits erwähnten positiven Inhaltsstoffe zerstört.

Nitrate werden im Körper unter gewissen Voraussetzungen zu Nitrit umgewandelt. Diese Salze und Ester der salpetrigen Säure HNO behindern den Sauerstofftransport und führen zu einer Erkrankung, die an einer Blaufärbung der Schleimhäute und der Haut zu erkennen ist: Der Zyanose. Daneben reagiert das Nitrit auch mit anderen Stoffen, was zur Bildung von Nitrosaminen führen kann. Diese, so vermutet die Wissenschaft, können krebserregend sein.

Die Rote Beete sollte also in Maßen immer mal wieder auf dem Speiseplan stehen. Ich mag sie etwa gerne als Ergänzung im Salat, andere bevor-zugen sie im heissen Zustand – etwa als Borschtsch. Am gesündesten ist die Knolle jedoch frisch und roh. Viele der Vitamine vertragen keine Hitze. Das Gerücht, wonach die Rübe roh giftig sei, muss zurückgewiesen werden. Allerdings sollte man bei der Zubereitung Handschuhe anziehen, da sich ansonsten das rote Beta-Carotin hartnäckig in der Haut und gegebenenfalls auch der Kleidung hält. Im Kühlschrank gelagert übersteht die Rote Beete rund eine Woche. Wer sich das alles nicht antun will, kann auch den Rote Beete-Saft trinken. Hierbei sollte allerdings darauf Bedacht genommen werden, dass der Saft möglichst natürlich produziert und kein Zucker hinzugeführt wurde. Als Nahrungsergänzung in Form von Pulver oder Kapseln rate ich persönlich ab: Selbst zubereitet schmeckt die Rote Beete wesentlich besser und jeder kann nach eigenem Gutdünken die Konzentration der Nährstoffe einstellen. Ausserdem sollte vor der Einnahme der Präparate ein klärendes Gespräch mit dem Arzt des Vertrauens geführt werden.

Das Ergebnis meiner Recherche:

Wer braucht Superfood aus Übersee, wenn diese direkt vor der Haustür im eigenen Garten wächst!!!

Links:

www.exeter.ac.uk

www.nutzpflanzenvielfalt.de

Lesetipps:

  • Nutzpflanzen in Deutschland; Udelgard Körber-Grohne; Mikol 2001
  • Frisches Gemüse aus dem Garten; Winfried Titze; Ulmer 1987
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Es ist ja nicht nur der Stich…!

Sommer – für viele wohl die schönste Jahreszeit im Jahr. Man trifft sich mit Freunden oder Nachbarn zum Grillen, geniesst Musik oder Theater unter freiem Himmel, sitzt abends noch mit einem Glas Wein auf dem Balkon oder der Terasse, …!

Wenn da nicht diese Biester wären! Was hat sich der Herrgott eigentlich dabei gedacht, als er die Stechmücken erfand???!!! So was von überflüssig – nicht mal als Nahrung für die Fledermäuse taugen sie, da an ihnen schlichtweg zu wenig dran ist! Aufgrund der milden Winter mit nur wenigen Frosttagen können sie in Tümpeln und anderen kleinen Wasserstellen (Regentonnen, Vogeltränken, Giesskannen, verstopftem Regenrinnen, im Freien gelagerte Autoreifen, …) immer besser über-wintern und werden im Sommer vermehrt zu Plagen. Die heimischen Arten sind zwar lästig, jedoch zumeist ungefährlich. Durch die klima-tischen Veränderungen allerdings gelangen zuhauf invasive Arten aus tropischen Gefilden in unsere Regionen, die durchaus gefährlich werden können: Etwa Moskitos und auch die Tigermücke werden zu Problemen. Vor allem dann, wenn sie einen Menschen zuvor gestochen haben, der von seinem Urlaub ein ungewünschtes Mitbringsel einführte: Eine tropische Krankheit: Dengue, Zika, Malaria, West-Nilfieber, etc.

Die erste Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) wurde beispielsweise in Österreich vor 14 Jahren entdeckt, in Deutschland vor 19 und der Schweiz vor 23 Jahren. Sie dürfte durch Altreifen oder auch den „Glücksbambus“ (Lucky Bomboo) importiert worden sein. Inzwischen hat sie sich nach Angaben des Gelsenmonitorings der AGES in allen Bundes-ländern und auch Deutschland bzw. der Schweiz etabliert und fühlt sich aufgrund des übermässigen Nahrungsangebotes „sauwohl“! Die Hotspots finden sich in Wien, Linz und Graz, Freiburg, entlang des Oberrhein-grabens, Heidelberg, Karlsruhe und München bzw. Basel, Genf und Zürich. Dies sollte durchaus ernst genommen werden, da heimische Arten keine oder kaum Krankheiten übertragen können, diese Spezies jedoch sehr wohl. Experten zählen bis zu 20 unterschiedliche Krankheiten und Fadenwürmer auf, die durchaus lebensgefährlich verlaufen können. So warnt das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC), wie beispielsweise Chikungunya, das von einem Virus übertragen wird, der für den heimischen Europäer bislang keine Rolle spielte, sollte er nicht aus Asien eingereist sein. Das österreichische Gesundheitsministerium nimmt die Bedrohung derart ernst, dass ein eigenes Monitoring eingerichtet wurde: Das Ovitrap-Monitoring. Ovitraps sind Fallen, die wöchentlich auf das Eigelege der Gelsenarten überprüft werden. Aufgestellt werden sie dort, wo eine Einschleppung von Krank-heiten am wahrscheinlichsten sind: Flughäfen, Autobahnraststätten, Fernbus-Haltestellen, … So wurde die Tigermücke in Wien vornehmlich durch den Fernverkehr eingeschleppt. Und dort findet sie in den Gärten, aber auch etwa auf Friedhöfen ausgezeichnete Lebensbedingungen vor. Bürger in Europa werden deshalb gebeten, Sichtungen der Tigermücke bzw. der Gelbfiebermücke (Aedes aegypti) über eine App (Mosquito Alert) zu melden. Sie wurde bereits von vielen Hunderttausenden downge-loaded, führte zu zigtausend Meldungen und zeigte eine Unmenge von Brutstätten auf. Experten analysieren die Daten und setzen Massnahmen zur effektiven Bekämpfung. Die App können Sie unter www.mosquitoalert.com/en/ kostenfrei herunterladen. Auch in Deutsch-land bitten die Wissenschafter um entsprechende Meldung an www.mueckenatlas.de. Bislang rund 42.000 Meldungen!

Ein Tigermückenweibchen legt pro Eiablagezyklus 40 bis 90 Eier. Sie verteilt sie an unterschiedlichen Orten, sodass ein Überleben der Spezies am wahrscheinlichsten erscheint. Die rund 0,5 mm langen Eier sind sehr robust – sie überdauern auch monatelange Trockenphasen bzw. einige Frosttage. Die Eier werden knapp oberhalb der Wasseroberfläche festge-klebt. Steigt der Wasserspiegel, so schlüpfen die Larven. Nun folgen vier Larvenstadien bis schliesslich aus der Puppe nach 10 bis 15 Tagen die ausgewachsenen, zwei bis zehn Millimeter grossen und durchaus gefähr-lichen Flieger werden. Die Tigermücke kann einfach an den schwarz-weiss-geringelten Beinen und der weissen Mittellinie am Brustkorb erkannt werden (die ähnlich aussehende Ringelmücke besitzt diesen weissen Streifen nicht). Die männlichen Mücken ernähren sich von zuckerhaltigen Pflanzensäften, die weiblichen hingegen von Blut. Sie stechen vornehmlich im Freien und sind unheimlich hartnäckig. Um eine Plage zu vermeiden, wäre es deshalb wichtig, die idealen Brutstätten im Garten gar nicht erst einzurichten. Biologisch können Stechmücken durch die Toxine (Proteine) der Bazillen Bacillus Bacillus thuringiensis israelensis (Bti) und Lysinibacillus sphaericus bekämpft werden. Sie stellen für andere Organismen keine Gefahr dar. Die Eiweisse der abgetöteten Bazillen werden isoliert und in Pulver- oder Tablettenform angeboten. Erhältlich im Gartenhandel. Sie werden in mögliche Brut-stätten gegeben.

Bislang ist eine Virus-Übertragung in unseren Gefilden sehr selten, da die entsprechenden Krankheiten zumeist durch den globalisierten Tourismus eingeschleppt werden. Die Krankheiten sind jeweils meldepflichtig, Patienten werden zumeist sofort unter Quarantäne gesetzt. Über das Zika-Virus habe ich an dieser Stelle bereits berichtet. Er wird vornehmlich über die Gelbfiebermücke übertragen, die beispielsweise in der DACH-Region noch nicht nachgewiesen wurde. Eine Infektion durch die normale Tigermücke ist noch nicht vollständig wissenschaftlich geklärt. Das Zika-Virus ist nicht lebensgefährlich, kann jedoch bei Frauen zu Fehlgeburten führen. Dengue kann beim Menschen langanhaltende Gelenksschmerzen verursachen. Lebensbedrohlich hingegen ist das West-Nil- und das Chikungunya-Virus. Entsprechende Ausbrüche gab es bereits im Mittelmeerraum, in Mitteleuropa wurden die Krankheiten zumeist einge-schleppt. Das West-Nil-Fieber verläuft in den meisten Fällen ohne erste Symptome. Fieber und Hautausschlag werden meist als harmlos abgetan. Für ältere Personen oder Menschen mit Vorerkrankungen jedoch besteht durch einen neuro-invasiven Verlauf Lebensgefahr. Ähnlich auch beim Chikungunya-Virus. Fieber, Hautausschlag, Augenentzündung, Kopf-schmerzen und schliesslich langandauernde Gelenksschmerzen. In wenigen Fällen können auch innere Organe betroffen sein, etwa durch eine Leber- oder Herzentzündung und schliesslich Meningitis!

Sie sehen also: Mit einem Stechmückenstich ist nicht zu scherzen!!!

Lesetipps:

.) Seuchen, die die Welt veränderten – Von Cholera bis SARS; übersetzt von Meike Grow und Ute Mareik; Gruner & Jahr 2009

.) The Mosquitoes of the South Pacific (Diptera, Culicidae)M University of California Press 1962

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