Posts Tagged ‘Rote Beete’

Nicht jedermanns Sache – aber unheimlich gesund!

Heute mal etwas anderes: Ein Ernährungs- bzw. Gesundheitstipp! Viele suchen ihr Heil in Früchten aus Übersee – dabei gibt’s diese Superfoods auch in heimischen Gefilden! Ganz ohne zigtausend tzrückgelegten Flug-kilometern aus Übersee. Sauerkraut wäre beispielsweise ein Vertreter dieses Genres. Doch daneben gibt es noch Weiss-Gott andere Alter-nativen. Die Rote Beete etwa, das Gemüse des Jahres 2023/24! Sie ist mehr als beliebt bei Sportlern oder auch Medizinern. Doch so wirklich auf den Mittagstisch – das hat sie nicht bei jedem geschafft. Ein grosser Fehler!

Die Rote Beete stammt eigentlich aus dem Mittelmeerraum, doch brachten die Römer sie bereits vor rund 2000 Jahren nach Mitteleuropa. Sie zählt zu den Rüben, weshalb sie mancherorts auch als „Rote Rübe“ bekannt ist. Weshalb sie ausgerechnet „Rote Beete“ heisst, ist nach wie vor nicht wirklich klar. Möglicherweise leitet sich der Name vom lateinischen „beta“ (dt. Rübe) ab, andere sehen den Ursprung eher darin, dass die Knolle in Beeten wächst.

Hierzulande ist die Rote Rübe vornehmlich ein typisches Wintergemüse, das es auch in der Farbe weiss gibt, jedoch eher weniger bekannt. Das intensive Rot kommt von Züchtungen aus dem 19. und 20. Jahrhundert. Aufgrund dieser Farbe wird sie auch als Färbemittel verwendet – in der Lebensmittelindustrie als E162 beispielsweise bei Gummibärchen oder Marmelade.

Doch ist die Rote Beete nicht nur ein Nahrungsmittel. Schon die ollen Römer schätzten sie als Heilpflanze. Sie ist reich an Vitaminen und Mineralstoffen. So etwa dem Beta-Carotin, das für die tiefrote Farbe der Rübe sorgt. Dieser Fruchtfarbstoff wird im Körper in das wichtige Vitamin A umgebaut, das im Körper in vielerlei Vorgängen benötigt wird. Als Seh-farbstoff etwa unterstützt er das Auge bei der Unterscheidung von hell und dunkel, aber selbstverständlich auch beim Farbensehen. In der Haut ist Vitamin A unerlässlich für die Zellerneuerung und somit wichtig für ein straffes Hautbild. Daneben versorgt es die Zellen mit Flüssigkeit. Auch viele andere Bereiche des Körpers wissen Vitamin A mehr als zu schätzen: Immunsystem, Blutbildung und alsdann das Knochenwachstum. Aus diesem Grund sollten Rote Beete gerade bei der Ernährung von Klein-kindern eine gewichtige Rolle spielen. Das nicht-gebrauchte Beta-Carotin wird über Harn und Kot wieder ausgeschieden. Kein Anlass zur Sorge – beides färbt sich nämlich rot, sodass man vermuten könnte, dass Blut in den Ausscheidungen enthalten ist.

Die Rote Beete ist zudem ein beliebter Lieferant der ebenso wichtigen Folsäure. 100 g Rote Rübe beinhaltet nicht weniger als 80 Mikrogramm. Das entspricht nahezu einem Drittel des Tagesbedarfs eines erwachsenen Menschen. Folsäure ist auch bekannt als Vitamin B9, das im menschlichen Körper ebenso vielfach benötigt wird: Zellteilung, Blutbildung und Wachstumsprozesse. Der Folsäure kommt deshalb eine enorm wichtige Bedeutung bei schwangeren Frauen bzw Frauen mit Kinderwunsch zu.

Wie heisst es immer so schön beim Teleshopping? Das ist noch lange nicht alles: Wer heute zubeisst bekommt noch einen ordentlichen Schub an Vitamin C hinzu – ganz umsonst! Nö – umsonst ist das auf gar keinen Fall: Schliesslich ist Vitamin C für das menschliche Immunsystem von enormer Bedeutung. 10 Milligramm des wertvollen Stoffes sind in 100 g Rote Beete enthalten. Auch die Vitamine B2, B1 und B6 sind in grosser Fülle enthalten. Sie stärken nicht nur das Abwehrsystem, sondern die beiden letzteren auch die Nerven und B2 alsdann den Stoffwechsel.

Und schliesslich der letzte, aber umso wichtigere Vitaminkomplex: Vitamin E! Es schützt den Körper vor freien Radikalen, die die unter-schiedlichsten Krankheiten wie auch den Krebs auslösen können. Ganze 100 Mikrogramm Vitamin E sind in 100 g Rote Beete enthalten. Hierfür bedarf es also keiner Superfood aus Südamerika wie dem Granatapfel oder der Sanddornbeere!

Zu den Mineralstoffen! Nach Angaben der deutschen Gesellschaft für Ernährung enthalten 100 g Rote Beete folgende für den Körper enorm relevante Mineralstoffe:

  • 410 Milligramm Kalium
  • 60 Milligramm Natrium
  • 45 Milligramm Phosphat
  • 20 Milligramm Magnesium
  • 15 Milligramm Calcium

Natrium und Kalium sind entschiedend für die Weiterleitung von Nerven-impulsen, den Herzrhythmus und dem Flüssigkeitshaushalt des Körpers. Gemeinsam mit dem Magnesium zudem für die Muskelleistung, unter anderem auch des Herzmuskels. Magnesium kurbelt ferner den Stoff-wechsel durch die Produktion von Enzymen an. Diese wiederum wirken auf die Zellen: Energiegewinnung der Mitochondrien, Regeneration und Sauerstoffnutzung. Phosphat beeinflusst den Energiestoffwechsel sowie die DNA. Gemeinsam mit Calcium alsdann den Knochenstoffwechsel und die Festigkeit des menschlichen Skeletts. Calcium ist zudem wichtig für die Zähne. In der Auflistung nicht enthalten sind Eisen (0,9 Milligramm) und Zink (0,4 Milligramm). Eisen regelt die Zellbildung, den Sauerstoff-transport und die Zellatmung, Zink den Eiweissstoffwechsel, die Spermienproduktion beim Mann und die Zellteilung.

Empfehlenswert ist die Rote Beete übrigens auch bei Abnehmkuren – 100 g enthalten gerade mal 40 kcal und nur neun Gramm Kohlenhydrate bzw. 0,2 g Fett.

Bei all diesen Eigenschaften ist es nicht verwunderlich, warum Leistungs-sportler gerne auf die Knolle zurückgreifen. So auch das vermutete Ergebnis einer Studie der Universität Exeter/GB zum Blutdruck: Das in der Rote Beete enthaltene Nitrat wird im Körper verarbeitet und senkt den Sauerstoffverbrauch, steigert aber die Muskelleistung. Weniger Energie-verbrauch bei grösserer Leistung. Nachweisen konnten dies die Wissen-schafter aber nicht. 39 Erwachsene unter 30 Jahre und 36 Erwachsene zwischen 60 und 80 Jahren mussten hierfür über zwei Wochen regelmässig Rote Beete-Saft trinken. Nach einer Auswaschzeit wurde ein Plazebo-Saft ohne Nitrate für ebenfalls zwei Wochen gereicht. Das nachgewiesene Ergebnis war jedoch umso überraschender: Bei den bis 30-jährigen zeigte sich kein eklatanter Unterschied, bei den älteren hingegen sehr wohl. Deren Blutdruck sank deutlich. Diesem Umstand ging die Studienleiterin Prof. Anni Vanhatalo auf den Grund. Bei älteren Menschen gibt es im Mund ein Ungleichgewicht guter und schädlicher Mundbakterien (Mikrobiom). Dies führt zur geringeren Produktion des körpereigenen Stickstoffmonoxids, was wiederum zu höherem Blutdruck und Herzinfarkt bzw. Schlaganfall führen kann.

Bei all diesen guten Eigenschaften der Knolle erkannten die Forscher aber auch negative.

Oxalate sind Verbindungen der Oxalsäure. Sie sind vornehmlich das Ergebnis des Stoffwechsels und werden normalerweise durch Darm und Niere ausgeschieden. Wird allerdings die Konzentration der Oxalate zu hoch, lagern sie sich im Körper an und können zu Nieren- bzw. Harnsteinen führen. Deshalb sollten Nierenpatienten besser auf den Verzehr von Rote Beete verzichten. Durch das Kochen der Knolle sinkt die Konzentration der Oxalsäure. Allerdings werden dadurch auch viele der bereits erwähnten positiven Inhaltsstoffe zerstört.

Nitrate werden im Körper unter gewissen Voraussetzungen zu Nitrit umgewandelt. Diese Salze und Ester der salpetrigen Säure HNO behindern den Sauerstofftransport und führen zu einer Erkrankung, die an einer Blaufärbung der Schleimhäute und der Haut zu erkennen ist: Der Zyanose. Daneben reagiert das Nitrit auch mit anderen Stoffen, was zur Bildung von Nitrosaminen führen kann. Diese, so vermutet die Wissenschaft, können krebserregend sein.

Die Rote Beete sollte also in Maßen immer mal wieder auf dem Speiseplan stehen. Ich mag sie etwa gerne als Ergänzung im Salat, andere bevor-zugen sie im heissen Zustand – etwa als Borschtsch. Am gesündesten ist die Knolle jedoch frisch und roh. Viele der Vitamine vertragen keine Hitze. Das Gerücht, wonach die Rübe roh giftig sei, muss zurückgewiesen werden. Allerdings sollte man bei der Zubereitung Handschuhe anziehen, da sich ansonsten das rote Beta-Carotin hartnäckig in der Haut und gegebenenfalls auch der Kleidung hält. Im Kühlschrank gelagert übersteht die Rote Beete rund eine Woche. Wer sich das alles nicht antun will, kann auch den Rote Beete-Saft trinken. Hierbei sollte allerdings darauf Bedacht genommen werden, dass der Saft möglichst natürlich produziert und kein Zucker hinzugeführt wurde. Als Nahrungsergänzung in Form von Pulver oder Kapseln rate ich persönlich ab: Selbst zubereitet schmeckt die Rote Beete wesentlich besser und jeder kann nach eigenem Gutdünken die Konzentration der Nährstoffe einstellen. Ausserdem sollte vor der Einnahme der Präparate ein klärendes Gespräch mit dem Arzt des Vertrauens geführt werden.

Das Ergebnis meiner Recherche:

Wer braucht Superfood aus Übersee, wenn diese direkt vor der Haustür im eigenen Garten wächst!!!

Links:

www.exeter.ac.uk

www.nutzpflanzenvielfalt.de

Lesetipps:

  • Nutzpflanzen in Deutschland; Udelgard Körber-Grohne; Mikol 2001
  • Frisches Gemüse aus dem Garten; Winfried Titze; Ulmer 1987
No Comments »

WP Login