Archive for September, 2026

Wo bleibt denn die Buchstabenfee???

Eigentlich wollte ich diese Woche an hiesiger Stelle ein Best-of von Posts aus den Social Medias bringen – ganz nach dem Motto: Nix Deitsch, nix Arbeit und nix Wohnung! Sozusagen als Nachschlag zu den hervor-ragenden PISA-Ergebnissen von Deutschland und Österreich. Allerdings käme ich damit in eine mehr als ungemütliche Zwickmühle: Einerseits dürfen in den Social Medias belastende Aussagen nur nach vorher-gehender Anonymisierung weitergeleitet werden, andererseits bin ich jedoch verpflichtet, Zitate als solche zu kennzeichnen und die Quelle anzugeben! Was also tun?

Die Studie war für eine Woche Thema, doch inzwischen leider wieder vom Bildschirm verschwunden. Das darf nicht sein, schliesslich geht es um die Zukunft einer ganzen nachfolgenden Generation! Deshalb auch von mir einige Gedanken zu diesem Thema nach dem grossen Sturm!

Fiel im 20. Jahrhundert das Wort “Pisa”, so dachten wohl die meisten unter uns an den Schiefen Turm, Sonne, italienisches Flair und vielleicht so manch einer auch an Pizza und Pasta! Das allerdings hat sich in den Jahren seit der Jahrtausendwende schlagartig geändert, denn der Schiefe Turm ist zwischenzeitlich umgefallen – zumindest bildungstechnisch!!!

Unter ”PISA” verstehen der Eingeweihte bzw. Interessierte inzwischen eine Erkenntnis, die alle drei, künftig vier Jahre eintritt, wenn eine spezielle Studie veröffentlicht wird: Die Erkenntnis, dass es mit der Bildung in den zivilisierten Staaten offenbar bergab geht! Doch wäre es verfrüht, vom Untergang Roms zu sprechen, denn noch kann der Karren aus dem Schlamm gezogen werden – mit gemeinsamen Bemühungen! Im drei-jährigen Zyklus veröffentlicht die OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) das ”Programme for International Student Assessment”; Schuluntersuchungen, die messen sollen, was unsere 15- bzw. 16-jährigen Kinder eigentlich alles draufhaben, wenn es um die alltags- und berufsrelevanten Kenntnisse geht! Offiziell heisst dies: ”das Wissen, die Fähigkeiten, die Kompetenzen, … die relevant sind für persönliches, soziales und ökonomisches Wohlergehen” (OECD 1999). Dabei soll das Wissen bereichsspezifisch eingesetzt werden um authen-tische Probleme zu lösen. Soll heissen, die Aufgaben werden in “Persön-liche oder kulturelle Kontexte eingebettet!”. Die Aufgaben werden teilweise in Multiple Choice oder als offene Fragen gestellt. In jedem teilnehmenden Staat werden zumindest 5.000 Stichproben gezogen, die Studien selbst im Auftrag der Regierungen durchgeführt und sind beliebig erweiterbar – etwa durch Bundesländervergleiche (PISA-E) oder ein nochmaliges Testen derselben Klasse ein Jahr später (PISA-International Plus) bzw. auch durch die Hinzunahme der Eltern (PISA-Elternstudie). Dabei werden insgesamt drei Bereiche abgefragt: Lese-kompetenz, Mathematik und Naturwissenschaften! Mittels Schwerpunkt-setzung sollen diese auch alle drei bzw. vier Jahre betont werden: Lesen, Mathematik, Naturwissenschaften und schliesslich wieder Lesen! Damit sind wir in der Gegenwart gelandet: Beim letzten Test 2025 stand eigentlich die Naturwisssenschaftskompetenz im Schwerpunkt. Daneben wurde auch das „Lernen in der digitalen Welt” und damit die Kompe-tenzen beim computergestützten Problemlösen überprüft (ausser in den Ländern Kurdistan/Irak, Kambodscha, Mauritius, Ruanda, Duschanbe/Tadschikistan und Sambia). Doch auch das geschriebene Wort wurde einbezogen. Und da erlebte dieser Tage so mancher Bildungs-Verant-wortliche sein blaues Wunder! Weltweit nahmen dieses Mal 91 Länder teil (2023 waren es noch 81), darunter alle “43 OECD-/EU-Länder”. Rund 760.000 Schüler/-innen beteiligten sich daran. In Deutschland waren es rund 6.700 aus 250 Schulen, in der Schweiz rund 7.200 aus 300 und in Österreich 6.987 per Zufalls-Code ausgesuchte Probanden aus 265 Schulen.

Hier die diesjährigen Ergebnisse:

.) OECD-Durchschnitt:

Naturwissenschaften 482 Punkte

Lesekompetenz 461 Punkte

Mathematik 463 Punkte

.) Deutschland:

Naturwissenschaften 486 Punkte

Lesekompetenz 465

Mathematik 464

.) Österreich:

Naturwissenschaften 497 Punkte

Lesekompetenz 467 Punkte

Mathematik 477 Punkte

.) Schweiz:

Naturwissenschaften 501 Punkte

Lesekompetenz 470 Punkte

Mathematik 499

China führt die Liste an – da ich diesen Zahlen jedoch nicht ganz traue – hier jene des Zweitplatzierten zum Vergleich:

Singapur:

Naturwissenschaften 560

Lesekompetenz 535

Mathematik 563

Obgleich alle drei deutschsprachige Staaten – wenn auch nur leicht!) über dem OECD-Mittel liegen, zeigt uns der Vergleich mit Singapur vor allem Eines auf:

ES GIBT VIEL LUFT NACH OBEN!!!

In Deutschland herrscht Bildungs-Katerstimmung – es sind die mit Abstand schlechtesten Zahlen, die jemals beim PISA-Test erreicht wurden.

“Wir sind zwar nicht dramatisch abgehängt. Aber wir werden unserem eigenen Anspruch als Bildungsnation nicht gerecht. Wir spielen nicht mit unter den Top-Staaten!”

(Univ.-Prof. Samuel Greiff, Leiter des Zentrums für internationale Bildungsvergleichsstudien ZiB an der Universität München)

Jubel im Alpenstaat? Weit gefehlt – es gilt, noch viel anzupacken. So spricht etwa Bildungsminister Christoph Wiederkehr (Neos) von “Licht und Schatten”. Österreich befinde sich zwar bei den Naturwissenschaften im Spitzenfeld, bei der Lesekompetenz und Mathematik ortet er aber “einen signifikanten Rückgang von Grundkompetenzen”, was in weiterer Folge auch zu einem Handlungsbedarf führe.

Im Vergleich zu Deutschland und Österreich schneiden die Schweizer zwar nicht wesentlich, so aber dennoch besser ab. Doch auch hier sinkt das Niveau. So fordert etwa der Schweizerische Arbeitgeberverband, “die Grundkompetenzen wieder stärker ins Zentrum zu rücken. Unternehmen stellten insbesondere beim Schreiben und in der Mathematik seit Jahren grössere Defizite bei Lernenden fest.”

Ursachen gibt es derer viele – so war etwa 2023 die Pandemie der aus-schlaggebende Faktor. Heuer sehen die Experten vornehmlich zwei Probleme: Der soziale Unterschied und die Herkunft! Kinder bzw. Jugendliche aus besseren Verhältnissen haben ganz andere Möglichkeiten und Lebensabläufe als jene, die aus ärmlicheren Verhältnissen stammen. Und: Wird in Familien mit Migrationshintergrund zuhause kein Deutsch gesprochen – wie soll das Kind/der Jugendliche dies dann nachholen und verbessern können?

Allerdings darf auch Eines nicht ganz ausser Acht gelassen werden:

“Kinder und Jugendliche, die bis spät in den Abend soziale Medien nutzen oder algorithmisch getriggert, aufwühlende Videos konsu-mieren, werden vom gesunden Schlaf abgehalten!”

(Dr. Michael Hubmann, Präsident des Berufsverbandes der deutschen Kinder- und Jugendärzte BVKJ)

Alle drei Meinungen gelten anscheinend über die Grenzen hinaus auch für die vornehmlich die Rechtsparteien-Wählenden, wenn man deren Äusserungen so liest und mit Wahl-Analysen vergleicht.

Wie alsdann 2023, nach der letzten PISA-Studie, tobt auch heuer wieder die Opposition und die Regierungen versprechen Reformen im Bildungs-system.

Die Wissenschafter betonen immer wieder, dass PISA nicht etwa als Leistungsranking anzusehen ist. Vielmehr sollen Stärken und Schwächen der einzelnen Bildungssysteme ausfindig gemacht werden! Alle drei Jahre wird somit eine neue Diskussion über den Bildungssektor eingeläutet. Hierbei treffen die Meinungen von Experten beinhart aufeinander. Dabei sollte allerdings eines nicht vergessen werden: Der Jugendliche selbst! Er steckt mitten in der Sturm-und-Drang-Phase der Pubertät. Somit sollte dies in die Ursachenforschung mit einbezogen werden: Den Unterricht für diese Altersgruppe interessant zu machen, den Unterricht erlebenswert aufzubauen! Das stupide Stucken, das unsereins noch machen musste um das Abitur/die Matura zu bestehen – das sind Unterrichtsmethoden aus dem Jahr Anno Schnee!!!

Nettes Detail am Rande: Die PISA-Studie wurde von einem Deutschen entwickelt, dessen schulische Leistungen in der Grundschule einen Wechsel ins Gymnasium nicht zuliessen!

PS: Tipp- und Rechtschreibfehler sind durchaus beabsichtigt; schliesslich kommt der Autor aus Österreich!!!

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General H. Norman Schwarzkopf jun. – ein wahrer Held

„Je mehr man im Frieden schwitzt, desto weniger blutet man im Krieg!“

(General H. Norman Schwarzkopf)

Auch wenn es sehr reizt, so möchte ich an dieser Stelle nicht immer nur von aktuellen Ereignissen berichten, stets in der Gefahr, dass ich mich wiederholen könnte. Deshalb ist es höchst an der Zeit, wieder mal einen Histo-Blog zu veröffentlichen. Und diesen möchte ich einem wahren Helden widmen, der kurz nach Weihnachten 2012 verstarb: Herbert Norman Schwarzkopf jun.!

Im Vorfeld befragte ich mehrere Bekannte, wer denn diesen Mann noch kennt. Frustrierend – niemand! Kürzlichst stolperte ich über einen Satz, der Schwarzkopf sehr zutreffend beschreibt:

„Sein Ziel war niemals der Applaus, sein Ziel war die Mission!“

General H. Norman Schwarzkopf jun. (er selbst mochte seinen ersten Vornamen nicht) befehligte im Zweiten Golfkrig die Armee der Koalitions-truppen. Nachdem der Irak in Kuwait eingefallen war, unterstanden dem General rund 740.000 Soldaten aus 34 Nationen. Viele, darunter auch sehr viele Experten, prophezeiten einen zweiten, langjährigen Vietnam-krieg mit hohen Verlusten und vielen Familien, die ihre Söhne, Väter und Onkeln in Särgen zum letzten Weg begleiten mussten. Tatsächlich waren es 292 Gefallene. Denn: Es rechnete niemand mit der Taktik Schwarz-kopfs! Sein Geheimnis war der „left hook“ (linke Haken). Der Irak verfügte unter Saddam Hussein über die viertgrösste Armee der Welt (mit rund 500.000 Mann-Stärke). Kampferprobt! Die grössten Teile davon waren in Kuwait stationiert, da die militärischen Führungskräfte des Irak und auch Saddam Hussein selbst damit rechneten, dass ein möglicher Angriff über Kuwait erfolgen würde. Schwarzkopf täuschte dies mit einer Truppen-verstärkung entlang der kuwaitischen Grenze auch vor, umging dann allerdings den Kuwait und griff nach der grössten Truppenverlegung nach dem Zweiten Weltkrieg und präzise durchgeführten Luftanschlägen auf Kommando- und Führungszentralen des Iraks westlich über Saudi Arabien an. Die Operationen „Desert Shield“ und „Desert Storm“ gingen als „brilliante Kriegsführung“ in die Annalen der Militärgeschichte ein. Der Krieg war nach vier Tagen beendet, da den Irakern der Nachschub fehlte und ganze Divisionen, nicht nur in Kuwait eingekesselt waren. So manch einer der Zeitzeugen wird heute noch die Bilder vor Augen haben, als sich hunderte irakischer Soldaten einem nur kleinen „Stosstrupp“ der Koalitionsarmee ergaben. Tatsächlich waren es Divisionen – kampflos.

General Schwarzkopf war ein charismatischer und gerechter Führer. Er mutete seinen Soldaten nur das zu, was er auch sich selbst zumuten würde. Er aß beim kleinen Fussvolk zu Mittag und hörte sich stets deren Meinungen an. So wird erzählt, dass das von Schwarzkopf befehligte Bataillon während des Vietnamkrieges am 28. Mai 1970 auf der Halbinsel Batangan in ein Minenfeld geriet. Viele lösten die Detonationen selbst aus und starben, weitere verletzten sich schwer. Die anderen müssen entsprechend ihrer Ausbildung dort stehen bleiben, wo sie sich gerade befanden. Die weitere Vorgehensweise: Auf das Minenräumkommando der Pioniere warten, die zumindest einen sicheren Weg zurück wieder herstellen sollen. Das aber dauerte Lieutenant Colonel Schwarzkopf zu lange. Mitten im Minenfeld krümmte sich einer seiner Kameraden vor Schmerzen. Eine Mine hatte ihm ein Bein abgerissen. Er ging selbst in das Minenfeld. Langsam tastete er sich vor bis zu diesem Verletzten und hielt ihn fest, bis der Rettungshubschrauber ihn abholte. In diesem Falle bestand die Gefahr, dass der Soldat durch seine Bewegungen noch weitere Minen auslösen würde, bis nichts mehr von ihm übrig bleiben würde. Er rettete ihn und viele andere durch seinen sicheren Weg.

Die Auszeichnungen Schwarzkopfs sind nahezu unendlich. Hier nur eine Auswahl – sortiert nach der „Order of Precedence of the Military Awards“:

  • Defense Distinguished Service Medal
  • Army Distinguished Service Medal (4x)
  • Navy Distinguished Service Medal
  • Air Force Distinguished Service Medal
  • Coast Guard Distinguished Service Medal
  • Silver Star (3x)
  • Defense Superior Service Medal
  • Legion of Merit
  • Distinguished Flying Cross
  • Bronze Star (3x)
  • Purple Heart (2x)
  • Meritorious Service Medal (7x)
  • Air Medal (9x)
  • Army Commendation Medal (4x)
  • National Drefense Service Medal (2x)
  • Vietnam Service Medal (5x)
  • Presidential Medal of Freedom
  • Grossoffizier der Französischen Ehrenlegion
  • Knight Commander des Order of the Bath (ohne Ritterstand)
  • Congressional Gold Medal

Und nicht zu vergessen, der Titel „Ehrensoldat der Französischen Fremdenlegion“ (Caporal honoraire de la Légion étrangère) sowie die Ehrendoktorwürde der United States Sports Academy im Jahre 1990.

Auch der immer wieder mit seiner militärischen Karriere angebende derzeitige Verteidigungsminister der USA wurde mehrfach ausgezeichnet. Doch erhielt er aus dieser hochrangigen Liste nur jeweils einmal den Bronze Star und die National Defense Service Medal. Norman Schwarzkopf war also einer der wirklichen, ganz grossen Helden, die aufgrund ihrer Erfolge und ihres Mutes alles überstrahlten. George Bush sen. bezeichnete den Vier-Sterne-General als „einen der grössten Militärchefs seiner Generation“! Spätestens seit „Desert Storm“ kannte ihn damals jeder in den USA. Wenn auch unter dem Spitznamen „Stormin‘ Norman“, den er niemals so richtig mochte. Verantwortlich dafür zeichneten seine weltweit ausgestrahlten Pressekonferenzen während der Kuwait-Krise. Jeder kleine amerikanische Junge wollte so werden wie er!

Norman Schwarzkopf war zu Beginn der Kuwait-Krise 56 Jahre alt. Nur ein Jahr später quittierte er den Dienst und trat auf dem Höhepunkt seiner Karriere in den Ruhestand über. Seine Aufgabe war erfüllt: Er hatte seinem Land gedient, hat einen Befehl befolgt, daraus einen brillianten Krieg gemacht und hat viele Soldaten wieder nach Hause gebracht, die ansonsten gefallen wären. Die Politik und andere rissen sich um ihn. Er entschied sich – ganz im Gegenteil seines hochrangigen Militär-kameraden Colin Powell (während „Desert Storm“ US-Generalstabschef) – dafür, die Türe hinter sich zu schliessen und zog sich zum Angeln nach Tampa/Florida zurück. 1992 erschien seine Autobiographie – der Titel sagt wohl alles über diesen Mann: „Man muss kein Held sein“ (It doesn’t take a hero). Für alle, die sich nun weiter über Norman Schwarzkopf informieren möchten, sei dieses Buch ans Herz gelegt oder ein Blick in den einschlägigen Info-Plattformen empfohlen. Nur zwei Punkte möchte ich noch erwähnen: Schwarzkopf war Mitglied des High-IQ-Vereins Mensa. 1993 wurde Prostata-Krebs diagnostiziert. Auch diesen Kampf konnte der General für sich entscheiden.

Am 27. Dezember 2012 starb General H. Norman Schwarzkopf jun. an den Folgen einer Lungenentzündung!

PS: Während und nach „Desert Storm“ schrieb Schwarzkopf übrigens die Briefe an die hinterbliebenen Familien der Gefallenen selbst.

Lesetipps:

.) It doesn’t take a hero; H. Norman Schwarzkopf/Peter Petre; Bantam 1993

.) Stormin‘ Norman: An American hero; Jack Anderson; Zebra Books 1991

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9/11: Die Terrorhölle!

In diesem Jahr jährten sich die Terroranschläge auf die Twin-Towers von New York (World Trade Center) zum 25. Mal. Ein Anblick des Grauens, für jeden, der es damals via TV verfolgt hat, noch schlimmer selbstverständ-lich für die Leute vorort. Insgesamt kamen an diesem einen Tag 2996 Menschen um’s Leben, darunter 343 Feuerwehrmänner, 37 Beamte der New Yorker Hafenbehörde und 23 Polizisten. Beim Anschlag auf das US-Verteidígungsministerium, dem Pentagon weitere 189, beim vereitelten 4. Anschlag (das Flügzeug stürzte auf einem Feld bei Shanksville ab) zusätzlich 44 Personen. Über diese Anschläge habe ich an diesem Ort schon mehrfach berichtet. Heute hingegen möchte ich Helden vorstellen, die oftmals nicht mal Erwähnung in den Berichten finden, trotzdem damals bis zur Erschöpfung versuchten, Leben zu retten – leider zumeist umsonst: Die Suchhunde!

Wir schreiben den 11. September 2001, 08.46 Uhr. Die erste von Al Kaida-Terroristen entführte Boeing schlägt in den Nordturm des World Trade-Centers ein. Nur wenige Stockwerke darunter, im 78. Stock, arbeitet Michael Hingson. Er ist von Geburt an blind. Deshalb begleitet ihn jeden Tag sein Blindenhund, die gelbe Labradorhündin Roselle. Die Sekunden scheinen plötzlich wie Stunden an ihnen vorbeizuziehen. Ein Arbeitskollege von Hingson (David Frank) hat das Ausmass der Katas-trophe erkannt und Hingson und seine Hündin zum Stiegenhaus geleitet. Gemeinsam lassen sie Stufe um Stufe hinter sich. 1.463 insgesamt – vom 78. Stock in die Lobby. Roselle kann ihr Herrchen leider nicht wie ansonsten führen, sie bleibt dicht hinter ihm und Frank. Die Hündin hat selbst Angst, da sie die Panik der Menschen spürt. Hingson redet deshalb beruhigend auf sie ein, Das beruhigt auch seinen Arbeitskollegen, der nach rund einem Drittel der Strecke schien, den Mut zu verlieren. Schliesslich kommen ihnen etwa 50 Feuerwehrleute auf dem Weg nach oben entgegen. Manche streichen Estelle über den Kopf. Keiner von ihnen wird die nächste Stunde überleben. Hingson, Estelle und Frank haben es schliesslich nach rund 50 Minuten geschafft – im Gegensatz zu vielen anderen, die erstickt, durch das Kohlenmonoxid vergiftet, am lebendigen Leib verbrannt oder gesprungen sind. Auf der Strasse angelangt, über-nimmt die Hündin wieder ihre Rolle und leitet Hingson und Frank in eine schützende U-Bahn-Station. Hindurch des Staubs nach dem Einsturz des Süd-Towers. Aber noch rechtzeitig bevor auch der Nord-Tower in sich zusammenbricht. All das beschreibt Hingson in einem seiner beiden Bestsellern über die damaligen Erlebnisse („Thunder Dog: The True Story of a Blind Man, His Guide Dog, and the Triumph of Trust at Ground Zero“). Estelle starb im Juni 2011 vierzehnjährig. Auch ein zweiter „Guide-Dog“ rettete damals ihren Besitzer: Omar Rivera verdankt seiner „ Salty“ das Leben. Sie entkamen dem 71. Stockwerk. Roselle wurde 2002 mit dem „Award for Canine Excellence“ und posthum von der Tierschutz-Organisation „American Humane“ mit dem Titel „American Hero Dog of the Year 2011“ ausgezeichnet.

Estelle und Salty haben zu diesem Zeitpunkt – mit der Rettung ihrer Herrchen – ihre Aufgabe gemäss Ausbildung erfüllt – für viele ihrer vier-beinigen Artgenossen jedoch beginnt nun erst die Arbeit: Die Suchhunde! Eine Arbeit, die viele von ihnen an den Rand der Verzweiflung bringen sollte.

Nach dem Einsturz der beiden Gebäude kamen mehr als 300 Hunde mit spezieller Ausbildung zum Einsatz. Viele auf der Suche nach Über-lebenden, andere als Trostspender für Angehörige und Rettungskräfte und zuletzt die Leichenspür-Hunde.

Am Gefährlichsten war sicherlich der Einsatz der Suchhunde. Mit nichts als ihre blanken Pfoten auf den noch heissen Trümmern und lodernden Feuern, ohne Masken kämpften sie sich durch die instabilen Trümmer-teile auf der Suche nach irgendeinem Lebenszeichen – unter der Gefahr, das eigene Leben zu verlieren.

(Vorsicht: Möglicherweise KI-generiert)

Vorort versorgten Tierärzte verletzte oder erschöpfte Hunde – nicht selten dauerte deren Einsatz 12 Stunden. Einige wurden fündig – so wurde etwa nach 27 Stunden der letzte Überlebende mit der Hilfe eines Suchhundes gerettet. Doch viele andere hatten keinen Erfolg. Diese Rettungshundes sind daraufhin ausgebildet, nach dem Auffinden einer lebenden Person Lob und Freude sowie eine Belohnung zu erhalten („klassische Konditionierung am positiven Erfolg“). Wenn nun diese Belohnung ausbleibt – spätestens dann merkt auch der Hund, dass er versagt hat. Er verliert den Suchtrieb! Deshalb liessen sich die Retter etwas einfallen: Einige versteckten sich in den Trümmern und mussten vom Hund gefunden werden. Diese Idee der Hundeführer erwies sich als erfolgreich. Vor dem Einsatz der Therapiehunde spendeten sie aber auch den menschlichen Rettungskräften Trost. Immer mehr aber konnten die Rettungshunde nurmehr menschliche Überreste aufspüren. Sie wurden später durch Leichenspür-Hunde ersetzt.

Der wohl bekannteste Rettungshund von 9/11 war der Golden Retriever „Bretagne“ – eine Hündin. Sie stammte vom Rettungstrupp Texas Task Force I. Ihre Hundeführerin war Denise Corliss. Es war Bretagnes erster grosser Einsatz. Sie starb 16-jährig im September 2016 und erhielt – wie es einer aussergewöhnlichen Hundin geziemt – einen Abschied als Heldin!

All dies kann nachgelesen werden im National September 11 Memorial & Museum.

Soweit zu des Menschen bestem Freund!

Ich möchte aber dennoch zum Abschluss einige Worte finden zu Ereignissen und veröffentlichten Meinungen, die sich im Jahr 2026, ein Viertel-Jahrhundert nach 9/11 abgespielt haben.

Der damalige 107. Bürgermeister Rudy Giuliani hat im Vorfeld der Feierlichkeit zum diesjährigen Gedenken der vielen Opfer den heutigen Bürgermeister New Yorks, Zohran Mamdani, aufgefordert, den Veran-staltungen fern zu bleiben. Mamdani ist Muslim! Wie auch die meisten muslimischen Religions- und Interessensgemeinschaften bin auch ich der Ansicht, dass einige wenige Terroristen, die meinen, im Namen ihres Herrn, Menschen umbringen und einen möglichst grossen Schaden anrichten zu müssen, nicht zur Pauschalverurteilung einer ganzen Welt-religion führen dürfen, von der die meisten friedlich als Nachbarn neben den Christen leben. So könnten auch Rechtsradikale nach den Anschlägen auf Muslime als religiöse Fanaten bezeichnet werden und das Christen-tum als terroristische Religion darstellen. Terroristen sind und bleiben Terroristen, die durch möglichst grosse Opferzahlen (auch unter den eigenen Religionsbrüdern und -schwestern) die grösstmögliche Aufmerk-samkeit erreichen wollen. Somit gilt die Verurteilung und schliesslich die Bekämpfung den Kriminellen, nicht einer ganzen Religionsgemeinschaft.

Ich betrachte es als widerwärtig, wie die derzeitige US- Regierung versucht, die damaligen Geschehnisse politisch auszuschlachten. Im November sind die Midterms. Bei diesen Wahlen werden viele Positionen im Kongress neu besetzt. Nach derzeitigem Stand wird es ein Erdrutsch-Sieg der Demokraten werden, wie die Vorwahlen bereits prophezeien. US-Präsident Donald Trump meinte frustriert darüber, dass er bei den Gedenkfeiern keine Rede halten durfte, er sei von Feuerwehrleuten aus der flammenden Hölle getragen worden. Er sei also damals selbst am Ground Zero gewesen um zu helfen. Beweisen allerdings kann er es freilich nicht. Zudem waren auch die Strassen zum Ground Zero allesamt in diese Richtung abgesperrt. Ich lasse dies nun offen, bin aber trotzdem darüber erstaunt, dass Trump auf dem republikanischen Parteitag in Dallas seinen Anhängern das Versprechen abverlangte, dass jeder einzelne Republikaner „betrügen wie die Hölle“ soll.

Lesetipps:

.) Thunder Dog: The True Story of a Blind Man, His Guide Dog, and the Triumph of Trust at Ground Zero; Michael Hingson; Thomas Nelson 2011

.) Such und Hilf! Ein Handbuch für Ausbildung und Einsatz des Rettungshundes; Angela Wegmann; Kynos 1989

.) Suchen Finden Zeigen: Das Spürhundebuch für Training und Einsatz; Michaela Hares/Jacqueline Koerfer/Katja Krauß; Kynos 2024

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Von Putins Gnaden

„Ich weiß nicht, wie ich leben soll!“
(Michail Fridman, milliardenschwerer russischer Oligarch)

Immer wieder ist von ihnen zu hören, doch lieben die meisten derer die Verborgenheit – vor allem ausserhalb Russlands: Die Oligarchen! Viele hierzulande kennen zwar den Ausdruck, wissen jedoch nicht viel damit anzufangen – ausser, dass er mit verdammt viel Geld behaftet ist! Auch über die Hintergründe dieser reichsten und mächtigsten Männer Russ-lands ist meist nur wenig bekannt. Hier möchte ich heute ansetzen und etwas Aufklärungsarbeit leisten.
In der westlichen Hemisphäre werden sie mit den beiden Wörtern „Finanztycoon“ oder „Wirtschaftsmagnat“ umschrieben, die reichen Industriebosse und Finanzspekulanten. Da tauchen stets Namen wie Bezos, Musk, Gates, Bloomberg, Buffet, Fink, etc. auf. Während sich viele beim Flaschensammeln Gedanken darüber machen müssen, wie sie diese Woche überleben sollen, verdienen derartige Grossindustrielle und Geldspezialisten in nur einer Sekunde mehr als viele andere in einem ganzen Monat. Im Reich Putins heisst diese ganz spezielle Spezies „Oligarch“. Sie gehen im Kreml ein und aus – ohne ihre Beteiligung läuft in der russischen Wirtschaft nichts mehr! Eine Mannschaft auf der obersten Sprosse der Leiter, die hochkarätiger nicht sein kann. Die beiden wohl bekanntesten unter ihnen dürften Roman Abramowitsch und Oleg Deripaska sein – doch entstammen sie nur dem Mittelfeld. Dennoch ist in diesen Reihen nach der Invasion Russlands in der Ukraine kein Stein mehr auf dem anderen geblieben. Die russische Wirtschaft liegt am Boden, Staatsanleihen haben nurmehr Ramsch-Wert, der Rubel verliert täglich an Wert, die Vermögen im Ausland sind gesperrt! Ja – dieser von Putin veranlasste Krieg, gerne als „kleiner Konflikt“ bezeichnet und seine krankhafte Sucht auf angebliche Nazijagd hat in diesen Kreisen den einen oder anderen Kopf gekostet. Auch wenn die meisten unter ihnen ihr Vermögen mit Gas oder Öl aufbauten, auf das der Westen alsdann weiter-hin angewiesen sein wird. Doch wer sind diese Menschen, die den Des-poten bei der Jagd begleiten, ihn in seinem Schloss besuchen und bei Sportveranstaltungen direkt neben ihm sitzen dürfen? Allerdings von ihm auch sehr rasch durch Verstaatlichung enterbt, mundtot gemacht und noch bestenfalls des Landes verwiesen werden können. So manch Einer kam auch durch einen mysteriösen Sturz zu Tode. Gegen diese Superreiche wurden die ersten Sanktionen verhängt, sie verlieren jeden Tag zig Millionen ihres Vermögens – es sind die mächtigsten Männer aus Wirtschaft und Finanz an Putin’s Seite und vor allem: Mit dessen Segen! Allerdings zählen nicht alle zum „Silowiki“, dem engsten Machtzirkel des russischen Präsidenten.

Igor Sechin („Darth Vader“)
Sechin scheint zwar nicht in den vorderen Plätzen der Forbes-Liste der reichsten Russen auf, doch soll dies nicht von seiner Macht ablenken. Er gilt seit seiner Zeit als dessen Privatsekretär in den 1990er Jahren als engster Vertrauter des Staatspräsidenten und zweitmächtigster Mann Russlands. Seine Sporen verdiente er sich mit der Zerschlagung des Yukos-Erdöl-Konzerns, das der damalige Oligarch Michail Chodorkowski (mehr zu ihm später) leitete. Es glich einer Verstaatlichung der Aktien-gesellschaft zugunsten des angeschlagenen staatlichen Konzerns Rosneft. Sechin war damals stellvertretender Leiter der Präsidial-administration. Nach einem kurzen Intermezzo als Präsidentenberater wurde er am 27. Juli 2004 zum Vorstandsvorsitzenden von Rosneft. Im April 2011 forderte Präsident Medwedew Sechin zum Rücktritt auf, bis zum 21. Mai 2012 übte er in Putin’s Kabinett die Funktion des stellvertretenden Ministerpräsidenten der Russischen Föderation aus. Am 22. Mai 2012 berief Putin seinen Gefolgsmann erneut in die Vorstands-ebene des verstaatlichten Erdölkonzerns. Anno 2016 zeichnete er verant-wortlich für die Verhaftung von Wirtschaftsminister Alexej Uljukajew. Damit Sechin jedoch seinem Förderer nicht zu mächtig werden sollte, machte Putin den ehemaligen deutschen Bundeskanzler Gerhard Schröder zum Vorsitzenden des Aufsichtsrates. Sechin steht seit der Annexion der Krim 2014 auf der Sanktionsliste, sein Sohn Ivan folgte nun mit dem russischen Einmarsch in die Ukraine. Sechins Jahreseinkommen lag einst bei 50 Mio US-Dollar (Forbes 2013) bzw. 13 Mio (ebenfalls Forbes 2016). Seine 1.229 qm grosse, fünfstöckige Wohnung in Moskau dürfte einen geschätzten Marktwert von 26,3 Mio Euro aufweisen. Anfang März beschlagnahmte der französische Zoll in La Ciotat die Luxus-Yacht Amore Vero , die einem Unternehmen gehöre, in dem Sechin Gross-aktionär ist. Sie war dort zur Reparatur, wurde jedoch eilendst reisefertig gemacht, obgleich die Arbeiten noch gar nicht beendet waren.

https://www.superyachtfan.com/de/yacht/amore-vero/

Kurz danach beschlagnahmten die spanischen Behörden in Tarragona die 135 m lange Mega-Yacht Crescent (Wert: 600 Mio Dollar), die Igor Sechin gehören könnte. Sie segelt unter der Flagge der Kaimaninseln.

https://www.superyachtfan.com/yacht/crescent/

Auch bei seinem relativ guten Gehalt kann sich der 1960 in Leningrad (heute St. Petersburg) Geborene einen solchen hohen Lebensstandard eigentlich gar nicht leisten! Sechin zählt zum Silowiki – er dürfte nach Einschätzung von Experten direkten Einfluss auf Putin’sche Entschei-dungen haben.

Sergei Borissowitsch Iwanow
Auch Iwanow wurde in Leningrad geboren – am 31. Januar 1953. Nach seinem Studium (Englisch und Schwedisch) wurde er durch den KGB angeworben. Dort war er für die Gegenspionage zuständig. In dieser Funktion lernte er Wladimir Putin kennen. Dieser holte Sergei dann auch 1998 als Direktorsstellvertreter zum Inlandsgeheimdienst FSB. Von 2001 bis 2007 leitete er das Verteidigungsministerium, danach bekleidete er die Funktion des 1. Stellvertretenden Ministerpräsidenten. Von 2011 bis 2016 schliesslich stand er der russischen Präsidialverwaltung vor. Iwanow galt lange Zeit als aussichtsreichster Nachfolger seines Förderers. Im Jahr 2016 soll er selbst um seine Amtsenthebung gebeten haben, er wurde Sonderbeauftragter für Naturschutz und Transport. Mit der Annexion der Krim wurde Iwanow von den USA auf die Sanktionsliste gestellt. Als ständiges Mitglied des Sicherheitsrates gehörte er zum Silowiki. Mit der Invasion in der Ukraine wurde nun auch sein Sohn, Sergej Iwanow jun., auf die Sanktionsliste gehoben. Dieser hat eine steile Karriereleiter vorzu-weisen: Gazprom, Gazprombank (Vizechef), Landwirtschaftsbank Rossel-chosbank (Aufsichtsratsvorsitzender), Versicherungsgesellschaft Sogas (Vorstandsvorsitzender), stv. Vorstandsvorsitzender der Sberbank und 2018 schliesslich Vorstand von Alrosa, einem der weltweit grössten Diamentenproduzenten. Daneben jeweils einen Vorstandssessel bei Rosneft, mehreren Tochterunternehmen der Sberbank sowie beim Rentenfonds Gasfonds. Sergei Borissowitsch Iwanow verstarb im Juni 2026 73-jährig – eine Todesursache wurde nicht bekannt gegeben!

Alexander Wassiljewitsch Bortnikow
Unter Staatspräsident Medwedew wurde im Jahr 2008 der Armeegeneral Bortnikow Leiter des Inlandsgeheimdienstes FSB. Im Dezember des Jahres 2017 erregte er international die Gemüter, als er in einer Rede auf dem Parteitag die Stalinschen Säuberungen von 1930-1940 rechtfertigte. Der General soll an den Planungen der Ukraine-Invasion beteiligt gewesen sein. Der ukrainische Geheimdienst berichtet ganz offen von etwaigen Putschplänen gegen Putin, wobei auch der Name des Generals als möglicher Nachfolger angeführt wird. Ob dadurch ein gefährlicher Gegner abgesägt werden soll oder die Berichte auf Tatsachen beruhen, sei vorerst dahingestellt. Bortnikow wurde 2014 auf die Sanktionsliste gesetzt. Nach dem Giftanschlag auf den Oppositionellen Nawalny 2020 wurden diese Massnahmen verschärft. Auch sein Sohn Denis ist davon betroffen. Seine Bankenkarriere wurde durch den Aufstieg seines Vaters richtiggehend pulverisiert. Derzeit ist er stellvertretender Vorstand in der zweigrössten Bank Russlands, der VTB. Bortnikow sen. startete am 09. August 2024 eine Antiterrorismus-Operation gegen die ukrainischen Streitkräfte. Ein Jahr später behauptete er, dass der britische Geheimdienst MI6 Ukrainer für Sabotage-Aktionen in Russland angeworben haben soll – freilich fehlten die Beweise. Derzeit kursieren Gerüchte über seinen angeblich schlechter werdenden Gesundheitszustand.

Kirill Schamalow
Papa hat’s gerichtet – was denn sonst! Nikolai Schamalow gründete gemeinsam mit Putin die Datschenkooperative „Osero“ bei St. Petersburg. Er zählt zum Silowiki, die Mitglieder von Osero sind in den meisten hohen Polit- und Wirtschafts-Ämtern zu finden. Schamalow verfügt auch über Anteile an Rossija, einer Privatbank, die unter Putin in ungeahnte Höhen aufstieg. So kaufte sie 2004 das Versicherungsunternehmen Sogas, das inzwischen den Pensionsfonds Gazfonds managt. 2005 wurde Sohn Juri Schamalow Präsident des Fonds. Sohn Kirill soll gar 2013 Putins Tochter Jekaterina Tichomirowa geehelicht haben. Kurz zuvor wurde dieser Vizepräsident des Chemieunternehmens Sibur und erhielt sozusagen als Hochzeitsgeschenk eine Apanage in der Höhe von 4,3 % Aktien des Betriebes. Diese musste er nach dem Ende der Beziehung zwar wieder zurückgeben. Allerdings blieb er offenbar seinem Schwiegervater treu. Mittels Kredit der Gazprombank erwarb er weitere 17 % vom Oligarchen Timchenko – die Wirtschaftsnachrichtenagentur Bloomberg vermutet jedoch, dass er dies nur offiziell, stellvertretend abgewickelt hatte. Er ist nach wie vor Vizepräsident des Unternehmens und wurde 2018 von Forbes mit einem geschätzten Vermögen von 1,4 Milliarden als jüngster Dollar-Milliardär geführt – ein Jahr später allerdings waren es „nurmehr“ 950 Mio!

Gennadi Nikolajewitsch Timchenko
Forbes führte 2022 den 69-jährigen auf Platz 9 in der russischen Milliardärsliste (Platz 78 weltweit). Sein Vermögen wurde damals auf über 12,7 Milliarden Dollar geschätzt. Die USA sanktionierten den russisch-finnischen Oligarchen bereits 2014. Damals musste er seine Anteile am Rohstoffhandelsunternehmen Gunvor mit Sitz auf Zypern verkaufen. Allerdings besitzt er ein grosses Aktienpaket am Gasunternehmen Novatek (20,77 %), das er über seine luxemburgische Holding Volga Group erworben hatte. Die EU und Grossbritannien haben Timchenko mit dem Einmarsch in der Ukraine auf die schwarze Liste gesetzt, sein Vermögen in London eingefroren. Italienische Behörden beschlagnahmten 2022 seine Yacht „Lena“ in San Remo.

https://www.superyachtfan.com/yacht/lena/

Der Milliardär traf den Despoten im Jahr 1990. Seither gilt er als Wegge-fährte und enger Freund Putins. Timchenko handelte bereits Anfang der 90er Jahre mit Öl. Hierfür erhielt er vom damaligen Vizebürgermeister von St. Petersburg, Wladimir Putin, Zugriff auf den Ölterminal der Stadt. Dabei profitierte er stark von der Zerschlagung des Ölkonzerns Yukos. 2007 gründete er gemeinsam mit dem Schweden Torbjörn Törnqvist das Rohstoffhandelsunternehmen Gunvor. Über dieses, aber auch die Volga Group in Luxemburg könnten alsdann Putin-Milliarden in’s Ausland geflossen sein, vermuten mehrere Geheimdienste. Dieser belohnte ihn dafür mit Grossaufträgen für Stroitransgas bei der Fussball-WM und den Olympischen Spielen von Sotschi; mindestens 50 % des Baukonzerns gehören der Familie Timchenko. Der Oligarch hat aus steuerlichen Gründen seinen Wohnsitz 2001 in die Schweiz verlegt. In Genf legte er für seinen Grundbesitz nicht weniger als 8,4 Mio CHF auf den Tisch (2014 wurde das Anwesen auf 18 Mio CHF geschätzt). Dort lebt nach wie vor seine Familie, er selbst ist jedoch wieder nach Moskau zurückgekehrt. Mit Schmunzeln reagiert nun der Schreiberling dieser Zeilen auf den Satz Timchenkos aus dem Jahr 2008, wonach seine „mehr als zwanzigjährige Karriere in der Ölindustrie nicht auf Gefallen oder politischen Verbindungen aufgebaut worden“ sei.

Alexei Borissowitsch Miller
Einen der wohl schwersten Kapazunder Russlands verkörpert Alexei Miller. Der 1962 (ganz zufälligerweise ebenfalls) in Leningrad geborene Manager ist Vorstandsvorsitzender und stv. Aufsichtsratsvorsitzender des wohl grössten Gaslieferanten der Welt und dem grössten russischen Unternehmen: Gazprom! Nach seinem Studium war er angeblich Bürobote des damaligen Vizebürgermeisters Wladimir Putin und als solcher für die Überbringung von Geldkoffern verantwortlich. Danach übernahm er selbst den Schlüssel für das Rathaus in St. Petersburg. Später leitete er den Hafen der Stadt und wurde nach einem Jahr als Generaldirektor des Baltischen Pipelinesystems russischer Energieminister. Schon 2001 jedoch ereilte ihn der Ruf seines Förderers – er löste bei Gazprom Rem Wiachirew ab und leitete die Umstrukturierung des Staatsbetriebes zu einem multinationalen Konzern ein. Der Börsenwert des Unternehmens stieg von 9,8 Milliarden bei der Übernahme auf 300 Milliarden US-Dollar. Allerdings setzten in den letzten Jahren die Finanz- und Wirtschaftskrise, aber auch die Pandemie dem Konzern arg zu – der Börsenwert 2021 betrug nurmehr 69 Milliarden. 2013 reihte ihn Forbes erstmals in die Liste der mächtigsten Männer dieser Erde ein. Gazprom beherrscht grosse Teile der russischen Wirtschaft, obgleich Rosneft besser notiert ist. Nach der Krim-Annexion landete er auf der US-Sanktionsliste, mit dem Einmarsch in die Ukraine auch auf jener der EU und Gross-britanniens. Miller und Sechin wetteifern um die Gunst des Staats-präsidenten. Miller verfügt über das Exportmonopol von Gas, weshalb Sechin dieses „Nebenprodukt“ der Erdölförderung nicht verkaufen darf. Das Vermögen Millers wird auf nur 200 Mio Euro geschätzt, als grösster Steuerzahler des Landes jedoch befindet er sich direkt an den Hebeln der Macht. Seine dreistöckige Penthouse-Wohnung in Moskau ist 775, seine Wohnung in St. Petersburg mit Blick auf die Eremitage 400 qm gross. Ein weiteres Anwesen mit darauf enthaltenen Palast 8.500 qm.

Michail Maratowitsch Fridman
Die Sanktionen haben den 57-jährigen von allen bisher genannten wohl am ärgsten getroffen. 1964 im ukrainischen Lwiw geboren, gründete er gemeinsam mit Pjotr Awen die Alfa Group, einen der grössten privaten Industrie- und Finanzkonzern des Landes. Dort agiert er nach wie vor als Aufsichtsratsvorsitzender, in mehreren Tochterunternehmen, wie etwa auch der Alfa Bank hatte er den Vorstandssessel inne. Den Banksessel gab er einen Tag nach der Verhängung der Sanktionen auf. Allerdings nennt er zudem dennoch 36 % der Bank-Aktien sein eigen. Als Vor-sitzender des Direktorenrates in der Alfa-Tochter TNK-BP hatte er seine Finger auch am Ölmarkt im Spiel – es ist der drittgrösste Ölkonzern Russlands. Seine Anteile jedoch musste er veräussern. Die Alfa Group importierte nach ihrer Gründung 1988 gemeinsam mit dem schweizerischen Unternehmen ADP Trading Tee, Zigaretten, Zucker sowie andere Waren nach und exportierte Öl aus Russland. Das Konsortium ist nach wie vor breit aufgestellt, zu ihm zählt neben vielen anderen das Telekommunikationsunternehmen Altimo bzw. die LetterOne Group in Luxemburg. Sein Privatvermögen wurde zu Beginn des Jahres 2022 auf 12,2 Milliarden Dollar geschätzt – damit fand er sich auf Platz 11 der reichsten Russen. Seit dem Einmarsch Russlands in die Ukraine soll er mehrere Milliarden verloren haben. Mit dem Rest kann er derzeit nicht viel anfangen. Die EU und auch Grossbritannien haben alle seiner Karten und damit das komplette Hab und Gut eingefroren. Fridman lebte vornehmlich in London, wollte aber nach Russland übersiedeln. Im Juni 2024 erklärte der EuGH die Sanktionen für nichtig. Um von der Sanktionsliste der EU zu kommen, verkauften er und Pjotr Awen Anfang 2025 ihre Anteile an der Alfa-Bank. Zuvor musste er von nurmehr 2.900 € im Monat das Auslangen finden und zudem bei jeglichem Geldtransfer die Genehmigung der britischen Regierung einholen. Fridman zählt ebenfalls zu den engeren Freunden Putins, weist aber stets die Vorwürfe nach „engen Beziehungen“ zur russischen Regierung zurück. Zudem habe er mehrfach betont, dass Krieg niemals eine Antwort sei – somit hat er sich als einer der wenigen kritisch zu Putins Kriegsplänen geäussert.

Michail Borissowitsch Chodorkowski
Wie schnell und tief der Fall von einem der reichsten und mächtigsten Männer Russlands (2004 schätzte Forbes das Vermögen des Oligarchen auf 15,2 Milliarden Dollar – Platz 16 der reichsten Männer der Welt) bis ins Straflager bzw. bestenfalls zur Abschiebung ins Ausland gehen kann, zeigt der Werdegang von Michail Chodorkowski auf. Bereits während seines Chemiestudiums engagierte er sich in der Jugendorganisation der KPdSU Komsomol. Nach Studienabschluss absolvierte er noch den Volks-wirtschaftslehrgang. 1987 übernahm er die Leitung des Komsomol-Unternehmens „Zentrum für wissenschaftlich-technisches Schöpfertum der Jugendstiftung für Jugendinitiative (NTTM)“. Dort importierte er u.a. Computer und Jeans und exportierte Matrjoschka-Puppen. 1989 folgte der Vorsitz bei der NTTM-Bank „Innovationsbank für wissenschaftlich-technischen Fortschritt“ – eine der ersten Privatbanken Russlands. Über sie löste Chodorkowski die NTTM vom Obersten Sovjet los und gründete die Menatep-Invest, die in der zusammenbrechenden Sowjetunion rasch an Boden gewinnen konnte und Chodorkowski an Macht. Er war ab 1992 im Beraterstab des russischen Präsidenten Boris Jelzin vertreten und bekleidete mehrere politische Ämter. In Auktionen konnte die Menatep-Invest als Hausbank des Ölförderunternehmens Yukos zuerst rund 45 % und schliesslich die Aktienmehrheit am Konzern übernehmen. Chodorkowski wechselte in den Vorstand des Ölkonzerns. Diesen strukturierte er gemäss seines Leitmotivs „Ehrlichkeit, Offenheit und Verantwortung“ auf westlichen Standard um. Dabei versuchte er jedoch stets, durch die Finanzierung von Parteien wie Jabloko, die Kommunisten und auch der Regierungspartei Einiges Russland einen Fuss in der Innenpolitik zu behalten. Allerdings beschuldigte er die Regierung der Korruption, beabsichtigte mit Exxon Mobil und Chevron Texas zwei Ölmultis aus den USA an Yokus zu beteiligen und meinte lautstark vor den Duma- und Präsidentenwahlen, dass er als reichster Mann Russlands nicht nur Parlamente sondern auch Wahlergebnisse kaufen könne. Vor laufenden TV-Kameras gerieten sich im Februar 2003 Putin und Chodorkowski beim Thema Korruption in die Haare. Am 25. Oktober 2003 wurde er bei einem Zwischenstopp seines Flugzeugs in Nowosibirsk verhaftet und wegen Unterschlagung und Steuerhinterziehung angeklagt. 2005 folgte das Urteil zu neun Jahren Haft, später verkürzt auf acht Jahre. Im Dezember 2010 erfolgte die Verurteilung zu sechs weiteren Jahren wegen Unterschlagung von 218 Mio Tonnen Öl und Geldwäsche. Im Februar 2011 kündigte der damalige Staatspräsident Dmitri Medwedew die Überprüfung der zweiten Verurteilung Chodorkowski, seines Mitstreiters und Kollegen Lebedew und weiterer 30 Beschuldigter an. Der Tatvorwurf des Milliardendiebstahls wurde alsdann nicht mehr erhoben. 2012 verringerte ein Moskauer Bezirksgericht die Haftstrafen Chodor-kowskis und Lebedews um zwei Jahre. Im Dezember stellte Chodorkowski ein erneutes Gnadengesuch und wurde überraschend einen Tag später kurz vor Weihnachten begnadigt. Welche Rolle der damalige deutsche Aussenminister Hans-Dietrich Genscher als Vermittler dabei einnahm, ist nach wie vor nicht bekannt. Der ehemalige Oligarch lebt inzwischen in London. Während der Krimkrise rief er beide Seiten zum Einlenken auf. Der neuen prowestlichen Regierung der Ukraine sicherte er nach dem Euromaidan seine Unterstützung zu. 2017 engagierte er sich für die Präsidentschaftskandidatur des russischen Regierungsgegners Alexei Nawalny.

„Es geht nicht darum, Wladimir Putin zu ersetzen, sondern das System, welches zu meinem tiefen Bedauern in meiner Heimat entstanden ist.“
(Michail Borissowitsch Chodorkowski)

2022 wurde er vom russischen Justizministerium als ausländischer Agent eingestuft und erneut auf die Fahndungsliste gesetzt.

Und zum Schluss zum Meister persönlich. Schon vor einigen Jahren berichtete ein Finanzexperte vor dem US-Senat über das unglaubliche Vermögen Wladimir Putins. Damals war von 200 Milliarden Dollar die Rede. Doch weiss der Kremlchef dies gut zu verbergen – es fehlen die Beweise. Fakt ist, dass Putins Yacht „Graceful“ die Blohm & Voss-Werft in Hamburg bereits im Februar 2022 noch vor dem Einmarsch in die Ukraine in Richtung Kaliningrad völlig überstürzt verliess. Die Bootsbauer kamen nicht mal zu einer Probefahrt. Putins Dadscha, die Residenz am Kap Idokopas am Schwarzen Meer, wurde durch den russischen Architekten Lanfranco Cirillo geplant und von Spezstroi, einem Militärbauunter-nehmen, ab 2005 errichtet. Das 17.700 Quadratmeter grosse Gebäude steht in einem 68 Hektar grossen Anwesen und soll rund 1,1 Milliarde Euro gekostet haben.

Abschliessend noch einige Worte:
Es ist nicht der Neid, der mich angesichts solcher unvorstellbarer Vermögen zu diesem heutigen Blog bewogen hat. Es ist das System, das bislang nur wenige interessierte, da Russland weit weg scheint. Der Einmarsch russischer Truppen in einen unabhängigen Nachbarstaat jedoch hat aufgezeigt, dass uns diese besorgniserregende und gefährliche Entwicklung sehr wohl betrifft. Der erste wirklich grosse Krieg nach dem Zweiten Weltkrieg! Nicht vor den Toren, sondern vielmehr direkt in Europa! Tausende Menschen – darunter viele Zivilisten – starben inzwischen, zigtausende wurden verletzt, Millionen sind auf der Flucht! Für den Willen eines einzigen, vom Grössenwahn befallenen Despoten! Und niemand, nicht mal die Mächtigsten seines Landes, stellen sich ihm entgegen! Wie weit geht Loyalität? Bis zum eigenen Untergang? Bis zum möglichen Untergang unserer Welt?

PS:

An aktuellen, glaubhafte Zahlen nach dem Beginn des russischen Angriffskrieges 2022 ranzukommen, war trotz ausführlicher Recherche nicht möglich!

Filmtipp:

Der Fall Chodorkowski; Regie: Cyril Tuschi

Lesetipps:

.) Wohin steuert Russland unter Putin? Der autoritäre Weg in die Demokratie; Hrsg.: Gabriele Gorzka, Peter W. Schulze; Campus 2004
.) Das System Putin. Gelenkte Demokratie und politische Justiz in Rußland; Margareta Mommsen/Angelika Nußberger; C.H. Beck 2007
.) Putins Netz – Wie sich der KGB Russland zurückholte und dann den Westen ins Auge fasste; Catherine Belton; Harper Collins 2022
.) Russische Energiepolitik. Ent- oder Neuverflechtung von Staat und Wirtschaft?; Kirsten Westphal; Nomos 2000
.) The Political Economy of Russian Oil; Hrsg.: David Lane; Rowman & Littlefield, Lanham u. a. 1999
.) Michail Chodorkowski. Vom Jukos-Chefsessel ins sibirische Arbeitslager. Aufstieg und Fall des russischen Ölmilliardärs; Waleri W. Panjuschkin; Heyne 2006
.) Rich Russians: From Oligarchs to Bourgeoisie; Elisabeth Schimpfoessl; Oxford University Press 2018

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