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Hochgiftig und extrem gefährlich

„Furocumarine“ – in der Tat: Ein wahrer Zungenbrecher! Doch auch ansonsten, hat es dies faustdick hinter den Ohren: Ein pflanzlicher Giftstoff, der auch dem Menschen gefährlich wird!

Der Bärenklau ist in heimischen Breiten eine weit verbreitete Pflanze. Er zählt wie etwa 69 andere Pflanzen auch zur Familie der Doldenblütler. Soll heissen, dass sich die weissen Blüten zu mehreren weissen Dolden zusammensetzen! Ich möchte in diesem Blog zwei davon hervorheben, die leicht zu verwechseln sind. Doch wenn geschehen, ist es meist zu spät: Der Wiesenbärenklau und der Riesenbärenklau!

Schon als Kinder streiften wir durch die Felder und sammelten den Wiesenbärenklau (Heracleum sphondylium). Er wird bis zu 1,50 m gross, die Blätter sind gefiedert, seine Blütezeit beginnt im Juni und endet im Oktober. Zu finden ist der Wiesenbärenklau auf Wiesen, an Bachufern und in lichten Waldgebieten. Wichtige Frage bei allem, was uns die Natur so bietet: Kann man ihn essen? Ja, man kann! Aber hier ist grösste Vorsicht geboten – der Koch muss wirklich wissen, mit was er da zu tun hat. Wer nicht, sollte lieber darauf verzichten. Einerseits ist er sehr leicht mit dem Riesenbärenklau zu verwechseln, andererseits entscheidet die Dosis über die Berkömmlichkeit. In der Naturheilkunde wird er gegen Magen-Darm-beschwerden, Menstruationsstörungen, Asthma und Blasenentzündungen eingesetzt. Zu viel davon kann schon mal kontraproduktiv werden. Auch der Wiesenbärenklau enthält Xanthotoxine! Hierüber gleich mehr dazu!

Der Riesenbärenklau (Heracleum mantegazzianum Sommier & Levier bzw. Heracleum giganteum Hornem) ist der gefährliche der beiden! Die auch als „Herkulesstaude“ bekannte Pflanze wurde 1895 erstmals beschrieben. Sie kann bis zu 3,50 m hoch wachsen. Auch seine Blätter sind gefiedert, stark gezackt und erreichen schon mal eine Grösse von einem Meter. Die Blüten bilden Tellerdolden, die bis zu 80 cm gross sein können. Seine Blütezeit reicht von Juli bis September – die Dolden blühen weiss bzw. zartrosa. Der bis zu 10 cm dicke Stängel ist ebenso behaart und weist weinrote bis dunkle Flecken auf. Aus dem Kaukasus stammend breitet sich der Neophyt seit 1950 ungehindert in Europa aus. Zu finden ist der Riesenbärenklau an Strassen-, Weges- und Waldrändern, an Flüssen und Bächen, aber auch im Garten. Dort sucht er sich vornehmlich nähr-stoffreiche Böden aus. Der Riesenbärenklau wurde im Jahr 2008 zur Giftpflanze des Jahres erkoren. Und das hat er sich wahrhaft verdient. Wer in Berührung mit dem Saft der Pflanze kommt und dann in der Sonne unterwegs ist (auch bis zu zwei Tage nach Kontakt), wird dies wirklich nur einmal machen: Der Schutzmantel der Haut wird zerstört, es drohen Verbrennungen 1. und 2. Grades! Begleitet zumeist von Fieber, Kreislauf-problemen und Atemnot. Verantwortlich dafür zeichnen die Pflanzen-toxine Bergapten, Psoralen und Xanthotoxie. Sie zählen zur Gruppe der Furocumarine. Enthalten in beiden Bärenklau-Arten, beim Riesenbären-klau allerdings in einer wesentlich höheren Konzentration. Der Experte bezeichnet solche Gifte, die in der Sonne reagieren als „Phytotoxine“. Durch die Verbrennungen kommt es zur Blasenbildung auf der Haut, Entzündungen, Depigmentierung. Einher gehen starke Schmerzen. Die Heilung dauert zumeist mehrere Wochen, zurück bleiben Narben. Jeglicher Hautkontakt sollte deshalb vermieden werden! Ist es dennoch geschehen, so helfen als Erstmassnahmen Sonnencreme und kalte Kompressen. Danach sollte ein Arzt aufgesucht werden. Allerdings kann die Pflanze diese Giftstoffe auch an besonders heisssen Tagen an die Umgebungsluft abgeben. Deshalb sollte man sich nie zu lange im Umkreis des Riesenbärenklaus aufhalten. Da dieser invasiv ist, muss er unbedingt entfernt werden. Dafür wird jedoch Schutzbekleidung, Atemschutz und Handschuhe empfohlen. Nicht geeignet hierfür sind Einmal-Handschuhe, da sie für die Gifte kein Hindernis darstellen – die gehen schlichtweg durch. Ein Abmähen nutzt nur kurze Zeit, die Pflanze muss mitsamt der 10 bis 15 cm in den Boden reichenden Wurzel entfernt werden. Dies möglichst vor der Samenbildung im Mai bzw. Juni, da der Riesenbärenklau etwa im Alter von drei Jahren bis zu 50.000 Samen bildet. Die entfernte Pflanze darf nicht in den Kompost – sie muss entweder verbrannt oder in einer Grosskompostanlage entsorgt werden. Werkzeug und Schutzbekleidung sollten nach dem Einsatz unbedingt gereinigt werden. Das alles können Sie natürlich auch den Spezialisten der regionalen Naturschutzbehörde überlassen. Viele Landwirtschafts-kammern oder Landesämter für Umwelt bzw. Landwirtschaft bieten eigene Informationsblätter zum Riesenbärenklau an – auch als Download.

Zuletzt noch ein wichtiger Hinweis: Klären Sie ihre Kinder über die Gefahr, die von dieser Pflanze ausgeht, ausführlich auf. Diese finden nämlich grossen Gefallen am Riesenbärenklau, etwa als Blasrohr oder Doldenhut!

Lesetipps:

.) Giftpflanzen. Ein Handbuch für Apotheker, Ärzte, Toxikologen und Biologen; D. Frohne, H. J. Pfänder; Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft 1997

.) Biologische Invasionen. Neophyten und Neozoen in Mitteleuropa; Ingo Kowarik; Ulmer 2003

.) Ecology and Management of Giant Hogweed (Heracleum Mantegazzianum; Hrsg.: Petr Pyšek, M.J.W. Cock, W. Nentwig, H.P. Ravn, M. Wade; CABI Books 2007

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